Johannes Wrobel: "Auf Wiedersehen!" – Abschiedsbriefe von zum Tode verurteilten Zeugen Jehovas im NS-Regime, in: Marcus Herrberger: Denn es steht geschrieben: "Du sollst nicht töten!" Die Verfolgung religiöser Kriegsdienstverweigerer unter dem NS-Regime mit besonderer Berücksichtigung der Zeugen Jehovas (1939-1945), Wien 2005, S. 237-326. Inhaltsverzeichnis und Zitate... Tagungsprogramm des Herrausgebers ...


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„Auf Wiedersehen!“ – Abschiedsbriefe
von zum Tode verurteilten Zeugen Jehovas
im NS-Regime

Von Johannes Wrobel

Die Angehörigen der christlichen Religionsgemeinschaft der „Ernsten Bibelforscher“ (1910–1926) bzw. „Bibelforscher“ (1927–1931) oder „Jehovas Zeugen“ (seit 1931) verweigern aus religiösen Gewissensgründen militärische Dienste.[1] Unter der nationalsozialistischen Diktatur bildeten die Zeugen Jehovas mit über 300 Verurteilten und über 270 Hingerichteten die größte geschlossene Weltanschauungsgruppe der durch die Wehrmachtsjustiz bestraften und ums Leben gebrachten Kriegsdienstverweigerer.[2]

Die letzten Gedanken der zum Tode verurteilten Zeugen Jehovas – einem Stück Papier anvertraut in der Erwartung, dass sie die Lieben daheim erreichen werden – sind sehr persönliche Zeugnisse. Die Briefe spiegeln eine ergreifende Tapferkeit, enge familiäre Bindungen sowie eine Bibelfestigkeit und urchristliche Glaubenszuversicht wieder, die offenbar Berge von starken Emotionen – wie Abschiedsschmerz und Todesangst – zu versetzen vermochte. Auch viele Abschiedsbriefe von politischen Häftlingen, „im Bewußtsein ihres unmittelbar bevorstehenden Todes geschrieben, zeugen von menschlicher Größe“, bezeugt ein Ausstellungskatalog.[3] Hanns Lilje, der langjährige evangelisch-lutherische Landesbischof [S. 238] in Hannover, der 1944 in Haft geriet und 1947 seine Begegnungen mit den zum Tode verurteilten Zeugen Jehovas beschrieb, befand über diese Gruppe:

„Keine christliche Gemeinschaft kann sich mit der Zahl der Blutzeugen auch nur von ferne messen. Ihre massive Eschatologie hat es ihnen möglich gemacht, in der Erwartung einer baldigen besseren Welt wahrhaft unbekümmert in den Tod zu gehen. [...] Sie können für sich in Anspruch nehmen, die einzigen Kriegsdienstverweigerer großen Stils zu sein, die es im Dritten Reich gegeben hat, und zwar offen und um des Gewissens willen.“[4]

„Der NS-Staat ging gegen die religiöse Minderheit mit einer heute kaum noch nachvollziehbaren Härte vor“, urteilt Historiker Wolfram Wette und beschreibt, wie es zur Stigmatisierung der Zeugen Jehovas als „Staatsfeinde“ kam:

„Man muss wissen, dass die Religionsgemeinschaft der ‚Ernsten Bibelforscher (Zeugen Jehovas) im Jahre 1933 lediglich etwa 20.000 bis 30.000 Mitglieder zählte. Als Organisation wurde die Glaubensgemeinschaft schon im Juni 1933 verboten. Etwa 10.000 ihrer Mitglieder kamen zeitweise in Gefängnisse und Konzentrationslager. Weshalb, so fragt man sich, war der NS-Staat nicht imstande, der kleinen Gruppe der Zeugen Jehovas einfach keine Aufmerksamkeit zu schenken und sie durch Nichtbeachtung zu tolerieren? Tatsache ist, dass der Staat Hitlers sie wie einflussreiche politische Feinde behandelte. Dabei definieren sich die Zeugen Jehovas selbst gar nicht als politische Menschen. Sie verstehen sich primär als gläubige Christen, die Distanz zum politischen Umfeld zu halten versuchten. Allerdings enthielt ihre Vorstellung von einem realen Reich Gottes auf Erden, das am Ende auch alle irdischen Herrschaftsstrukturen aufheben werde, hinreichenden Konfliktstoff. Denn sie kollidierten mit den Gehorsamsforderungen des totalitären Staates. Zudem legten die Zeugen Jehovas eindeutig widerständiges Verhalten an den Tag. Es ist der [S. 239] Sache und der Wirkung nach als politisch einzuschätzen, auch wenn es religiös gedacht war. In ihren Schriften bezeichneten die Zeugen Jehovas das Dritte Reich als ‚Teufelsherrschaft und Hitler als ‚Antichrist. Sie weigerten sich, die nationalsozialistische Grußformel ‚Heil Hitler! auszusprechen, und benutzten weiterhin die gewohnten bürgerlichen Grußformen ‚Guten Morgen! und ‚Guten Tag!‘, wozu unter den gegebenen Verhältnissen großer Mut gehörte. Noch viel schwerer wog, dass sie sich standhaft weigerten, den Eid auf Hitler als den Oberbefehlshaber der Wehrmacht zu leisten. Aus der Sicht des nationalsozialistischen Staates stellten diese Verhaltensweisen ein ganzes Bündel von Loyalitätsverweigerungen dar, das geradezu als eine Kampfansage gegen den NS-Staat gewertet wurde. Tatsächlich stuften SS- und Gestapofunktionäre die Zeugen Jehovas schon in den 30er Jahren als Staatsfeinde ein.“[5]

 

1. Die Verschriftlichung letzter Gedanken

Gleich nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September 1939 begannen die Nationalsozialisten mit der Vollstreckung von Todesurteilen gegen Kriegsdienstverweigerer. Vor der Hinrichtung durften die Todeskandidaten Abschiedsbriefe schreiben, und sie benutzten dafür das Briefpapier der Haftanstalt oder eigenes Papier. In Berlin-Plötzensee waren Tinte und Feder gestattet, während in Brandenburg-Goerden nach der Beobachtung von Harald Poelchau „die Briefe nur gefesselt und mit Bleistift geschrieben“ werden durften.[6] Zumindest geschah dies dort eine Zeitlang ohne Feder, denn Emil Ackermann (auf den unten näher eingegangen wird) schrieb seine Haftbriefe 1941 mit Tinte, und er benutzte dafür sowohl eigenes Papier als das offizielle Briefpaper des Zuchthauses Brandenburg.

Das in den letzten Stunden anwesende Haftpersonal oder der Pfarrer nahmen den Abschiedsbrief der Zeugen Jehovas in der Todeszelle entgegen.[7] Wilhelm Woitschaetzki bemerkte im letzten Brief: „Es ist jetzt EIN [S. 240] Uhr. Ich will bald schließen, da die Briefe wohl eingesammelt werden.“[8] Die Justizvollzugsanstalten ließen das beschriebene Papier weiter befördern, und so erreichte der letzte Gruß nach etwa einer Woche den Adressaten.[9] Auch das Reichskriegsgericht in Berlin, später in Torgau (gleichzeitig Haftort der Angeklagten), ließ Abschiedsbriefe befördern und zwar bei der Übersendung der Vollstreckungsmitteilung des Todesurteils an die Angehörigen (Hinrichtungsort war in der Regel Halle/Saale), wobei Formulierungen benutzt wurden, wie „Ein letzter Brief Ihres Sohnes liegt bei“[10], „Der Abschiesbrief Ihres Sohnes ist beigefügt“[11] und „Anliegend ein Abschiedsbrief“[12].

Für Kurt Degenkolbs Brief öffnete sich ein anderer Weg der sicheren Beförderung: „Dieser Brief geht mit einem Soldaten raus, der hier aus diesen vier Wänden entlassen wird.“[13] (Emil Ackermann konnte seiner Frau anläßlich ihres Besuches einen Brief zustecken, Bernhard Grimm versteckte Briefe in den Fußstützen, die seinen Eltern dann nach seiner Hinrichtung zugesandt wurden.)

Die Abschiedsbriefe wurden nicht selten unter dem Blick der Verfolger geschrieben: „Ein inkriminierender Ausdruck zu viel im Brief und die letzten Grüße verschwanden in den Akten der Justiz und erreichten die Angehörigen nicht mehr“, stellt Heimo Halbrainer fest.[14] Der Zeuge Jehovas Gerhardt Steinacher schrieb im März 1940 an seine Eltern: „Ich sitze hier in der Zelle, es ist jetzt ca. 1 h früh. Zwei Herren sind bei mir herinnen. Die Zeit verläuft rasend schnell. Ich schreibe den Brief auf Raten, wie es mir gerade [S. 241] einfällt. Es ist kalt draußen, es schneit wieder. Der Herr gebe Euch Kraft.“[15] In seinem letzten Brief fehlen 3 1/2 Zeilen – die Zensur in Plötzensee hatte sie durchgestrichen und unleserlich gemacht. Der letzte Brief von Wilhelm Woitschaetzki erreichte den Empfänger von der Zensur im Zuchthaus Brandenburg regelrecht zerstückelt.[16]

Die Todeskandidaten suchten Schlaf, oft fanden sie keinen. „Ich wache jetzt und denke an dich“, schrieb Max Krause seiner Frau in der letzten Nacht.[17] Und Hans Schulze beschrieb der Mutter die letzten Stunden mit folgenden Worten: „Ich werde morgen, den 9.5., um 5.40 Uhr hingerichtet. Ich sitze hier im Keller und warte auf den morgigen Tag, habe einen Teller Wurstschnitten und Kaffee und Bier zu essen und trinken. Zwei Wachbeamte sind mit hier und lassen es sich gut schmecken. Es wird bis morgen früh durchgewacht.“[18]

Wie oben erwähnt, kamen die Häftlinge in Eisen. Sigurd Speidel teilte den Verwandten mit: „Ich kam allein in eine Zelle, sie ist nachts beleuchtet. Auch kam ich in Eisen. Nun ist es so weit. In 5 1/2 Stunden werde ich hingerichtet“.[19] In Hugo Henschels letztem Brief hatte die Zensur mehrfach Zeilen weggestrichen, doch folgendes stehen lassen: „Am 27.3. bekam ich Fußfesseln. Mit der Kraft des Herrn geht alles. Jetzt habe ich die 2 letzten Stunden Handfesseln.“[20]

[S. 242]

Die Fesselung war dem Gefangenen in jeder Hinsicht hinderlich. Wilhelm Letonja bemerkte: „Ihr müßt meine Schrift entschuldigen, denn ich bin gefesselt und sehr behindert beim Schreiben.“[21] Manchmal hinterließen die eisernen Handfesseln Abdrücke auf dem Briefpapier. Johannes Harms aus Wilhelmshaven teilte seinem Vater mit: „Schon jetzt ist das Todesurteil gegen mich ausgesprochen, ich liege Tag und Nacht in Fesseln – die Druckstellen [auf dem Papier] stammen von den Handschellen –, aber ich habe noch nicht bis aufs Blut widerstanden. Das Stehen wird einem Zeugen Jehovas nicht so leicht gemacht. […] Ich werde auch Deiner bis zuletzt gedenken. Auf Wiedersehen!“[22]

Der Gruß „Auf Wiedersehen!“ ist in den Abschiedsbriefen hingerichteter Zeugen Jehovas häufig zu finden, so auch in vielen in diesem Beitrag zitierten Briefen. Der reale Abschiedsgruß weist nicht auf ein irreales Jenseits oder auf traditionelle Vorstellungen eines Weiterlebens nach dem [S. 243] Tode, denn Zeugen Jehovas lehnen die religiöse Lehre von der Unsterblichkeit der Seele ab, glauben dagegen an die biblische „Auferstehung“ oder eine Wiederschaffung der Person im himmlischen oder irdischen Bereich des Königreiches Gottes. (Auf die religiösen bzw. theologischen Hindergründe der Überzeugung wird am Schluß dieses Beitrages eingegangen.) Bestimmte Begriffe und biblische Wendungen in den Abschiedsbriefen von Zeugen Jehovas bedürfen daher der Erklärung für den nicht eingeweihten Leser, um die volle Bedeutung und Wirkung der letzten Worte der Hingerichteten auf den Absender selbst und auf die Empfänger zu erschließen.

Konrad Seibold jun. bemerkte einen Tag vor der Hinrichtung in Brandenburg: „Heute habe ich eine Bibel bekommen.“[23] Eine Anzahl Todeskandidaten erwähnen, daß ihnen in den letzten Stunden oder bereits früher eine Bibel zur Verfügung stand, die ihnen half, Mut und Kraft für den letzten Gang zu schöpfen, und dieser Umstand trug sicherlich oft dazu bei, ungeachtet der menschlich betrachtet aussichtslosen Lage, eine positive Gesinnung zu bewahren. Heinz Bernecker teilte seiner Frau mit: „Seit dem 9. d. Mts. bin ich in Brandenburg gewesen und gleich vom ersten Tage erhielt auch ich eine Bibel. Ich hatte auch eine schöne helle Zelle. Aber nun ist ja alles überstanden.“[24]

Es folgen exemplarisch vier Biographien von Hingerichteten und Erläuterungen ihrer letzten Briefe. Im Anhang sind weitere Abschiedsbriefe wiedergegeben.[25]

1.1 Hermann Abke: „wenn dich diese Zeilen erreichen …

Der Maschinenarbeiter und Dreher Hermann Abke aus Herford (geboren am 20. Dezember 1903) war gemäß einem Vermerk in den Unterlagen des Reichskriegsgerichts „seit 1925 Bibelforscher“.[26] Fest steht, daß er zu dieser Zeit mit den Bibelforschern in Berührung kam und 1932 aus der [S. 244] Kirche austrat.[27] Nach anderen Quellen hatte er sich, dem Beispiel seiner Frau Marie folgend, etwa 1938/1939 der Glaubensgemeinschaft angeschlossen.[28] Dieter Begemann, Mitarbeiter im Kommunalarchiv Herford, beschreibt den Sohn eines Mühlenarbeiters wie folgt: „Nach allem, was Dokumente und Zeitzeugen über Hermann Abke aussagen, war er ein ruhiger, unauffälliger, aber ausgesprochen disziplinierter Mensch, der in seinem Glauben und damit nach dem Wortlaut der Bibel lebte.“[29]

Als Hermann Abke am 27. April 1944 zur Wehrmacht einberufen wurde, „erklärte er am 2.5., daß er aus Glaubensgründen keinen Wehrdienst leisten könne“.[30] Der festgenommene 40jährige Familienvater von drei Kindern – am 25. Mai 1944 war er in das Wehrmachtsgefängnis Fort Zinna in Torgau überführt worden – begründete seine Ablehnung so:

„Seit meinem 16. Lebensjahr bin ich, beeinflußt durch die Eindrücke des vorigen Krieges, der Auffassung, daß es unchristlich ist, Menschen zu töten. Diese Auffassung finde ich auch in der Bibel begründet. Aus diesem Grunde halte ich es für meine Pflicht, meiner christlichen Überzeugung treu zu bleiben. Es verstößt auch gegen meinen Glauben, mich in die Wehrmacht einordnen zu lassen, selbst wenn ich nicht mit der Waffe zu kämpfen brauche, da die Wehrmacht eine Organisation ist, die den christlichen Grundsätzen widerstreitet.“

Er schreibt zusammenfassend: „Die Ablegung eines Eides lehne ich aus biblischen Gründen ab und kann deshalb auch den mir in der Wehrmacht [S. 245] abverlangten Eid nicht leisten. Ich bekenne mich zu den Zeugen Jehovas.“[31] Der 1. Senat des Reichskriegsgerichts in Torgau verurteilte Hermann Abke am 27. Juni 1944 als „hartnäckig und unbelehrbar“ zum Tode, und Reichskriegsgerichtspräsident Admiral Bastian bestätigte das Urteil am 7. Juli 1944.[32] Zwei Tage bevor das Urteil am 17. Juli 1944 in Halle/Saale durch Enthauptung vollstreckt wurde,[33] schrieb Hermann Abke folgenden Brief:

Torgau, 15.7.44

Meine liebe Frau und Kinder! Da ich annehme, daß es nur noch Tage sind, die ich in dieser verkehrten Welt zu leben habe, möchte ich nochmal zu allen, die mir nahe standen, einige Worte schreiben. Ich danke dem Allmächtigen, dass ich diesen Weg gehen durfte und dass du, mein liebes Mariechen, [der du] auf diesem Wege zu mir fandst; und dass ich nicht mit einem weltlich gesonnenen Mädchen die Ehe einging, um auf dem Wege der Wahrheit gefährdet zu sein. Ich bin der Überzeugung, dass mein Lebensweg vom Herrn überwaltet war und er nichts zuließ, was sich hätte der Wahrheit[34] hinderlich in den Weg stellen können. Habe durch des Herrn Gnade den wahren Lebenszweck erkannt und zwar, dass der Mensch nicht für diese Zustände, die bis jetzt herrschten, die ja nur eine Folge der Sünde, des Abfalls von ihren [ihrem] Schöpfer sind.[35] Sondern, dass wir [S. 246] den wahren Schöpfer Himmels und der Erde und seinen Sohn Jesus Christus erkennen, seine Gebote erforschen und danach tun. Alle wahren Nachfolger Christi haben erkannt, dass er jetzt sein Friedensreich aufrichtet, wonach alle Menschen in den Jahrhunderten, die an den Segnungen, die Jehova von Anfang der Menschheit verheißen hat, sich erfüllt.[36] Wenn dieser Weg, der zu diesem Ziele führt, auch sehr schwer ist, müssen wir doch die Welt überwinden, Frau und Kinder, und alles was uns lieb und wert war, uns von trennen.[37] Aber in der festen Zuversicht, dass der Herr uns beisteht und uns hundertfältig in seinem Friedensreich alles beschert, was für den Menschen wünschenswert ist, nämlich Leben, Glück, Zufriedenheit und mit seinem Schöpfer in völliger Harmonie. Im Glauben an die zukünftigen Freuden sind wir auch fähig, unsere letzten Schritte für den Herrn zu tun, der von uns auch nicht mehr verlangt, wie in unserer Kraft steht.[38] Ein besonderer Trost ist mir, was Paulus in 2. Tim[otheus] 4, V. 7-8 sagt.[39] Und dann meine Lieben, zum Trost, nur eine Nacht noch währet das Weinen, dann ist lauter Freude. Ich gehe ja nur schlafen,[40] um an einem besseren Morgen, wo die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen wird, mit Heilung unter ihren Flügeln, wieder [S. 247] aufstehen werde.[41] Nun meine lieben Schwestern, Johanne u. Auguste, beweint u. beklagt mich nicht zu sehr, ich entgehe vielen Drangsalen und Gewalttaten, denen die Menschen noch ausgesetzt werden, die Menschen werden den Tod suchen und sie werden ihn nicht finden. Denn das Schlimmste steht noch bevor, die Schlacht des Allmächtigen.[42] Nun mein lieben [liebes] Mariechen, sei Du immer tapfer u. stark, einmal wird die beglückende Stunde kommen, wo wir alle wieder vereint sein werden.[43] Ich habe den festen Glauben, dass auch unsere Kinder, wenn sie gehorsam u. gläubig sind, auch mal wieder da sein werden, wenn sie für wert erachtet werden und den Willen Gottes tun. Nun möchte ich noch zu eurer Beruhigung sagen, dass ich die ganze Zeit während meiner Haft keinen Hunger gelitten habe und auch nicht mißhandelt worden bin. Der Kampf bestand nur darin, dass ich von allen Seiten immer wieder dazu aufgefordert wurde, doch einzugestehn, der Krieg würde ja nur noch eine kurze Zeit dauern und vor allen Dingen, ich solle doch an die Kinder denken, die dann doch keinen Vater mehr haben. Ich habe die dazu gehörigen Antworten gegeben, aber wir werden nun mal nicht verstanden. Nun mein liebes Mariechen, [meine] lieben Kinder, [S. 248] alle Verwandte und Bekannte, recht herzl[iche] Grüße von Hermann. Auf Wiedersehn![44]

Am Tag der Hinrichtung gelang es Hermann Abke, mit Bleistift einen weiteren Brief zu schreiben. Um der Zensur zu entgehen, vertraute er ihn zusammen mit einem Begleitschreiben einem Mitgefangenen an. Dieser übergab die beiden Briefe dann im Oktober 1944 der Ehefrau. Der allerletzte Abschiedsbrief Herman Abkes hat folgenden Wortlaut:

Halle 17.7.44

Mein liebes Mariechen, meine lieben Kinder!

Meine liebe Frau, wenn dich diese Zeilen erreichen, dann habe ich die Welt überwunden.

Wurde am Sonnabend morgen nach hier transportiert. Heute Mittag erschien das Gericht und erklärte, daß das Urteil an mir um 17 Uhr vollstreckt würde.

Liebes Mariechen, sei mutig u. stark, wir mußten uns nun mal damit abfinden.

Ich habe in Torgau noch drei Briefe von Dir erhalten, die Du nach Deinem Besuch geschrieben hast, auch die Bilder hab ich bekommen.

Nun konnte Dein Besuch gar leider nicht mehr stattfinden. Aber liebes Mariechen, wir sehen uns dennoch wieder im Friedensreich. Allzulange wird es wohl nicht mehr dauern, dann wird das Ersehnte aller Nationen[45] kommen.

Liebes Mariechen, es ist ein großer Trost für mich, daß ich eine so verständnisvolle Frau habe und die Kinder können dieses gar noch nicht fassen u. verstehen, das macht mir das Scheiden leichter.

Weiß ich gar auch, daß Ihr keine Not leiden braucht und Ihr nicht ohne Schutz u. Schirm[46] seid.

[S. 249]

Zudem habe ich die feste Zuversicht, daß wir mal alle wieder beieinander sein werden in Frieden u. Glückseligkeit.

Nun mein liebes Mariechen, wenn Dich die Traurigkeit u. Trübsinn mal überfällt, so weine Dich aus und gehe vertrauensvoll zu der Quelle[47], wo Du alles was du brauchst, Dich erbitten kannst!

Liebes Mariechen mich brauchst Du nicht nachtrauern, denn ich habe die Welt überwunden[48] und erwarte einen schöneren Morgen, wo die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen wird mit Heilung unter ihren Flügeln[49].

[Randbemerkung:] Liebes Mariechen, über meine Sachen kannst Du verfügen wie Du willst.

Wie Du mir schriebst, war Johanne und Lore bei Euch und haben den Aparat geholt. Da wird Johanne gar schon Bescheid wissen. Ich schreibe ihr auch noch einen Abschiedsbrief.

Liebes Mariechen, grüße bitte alle recht herzlich von mir: Vater, Mutter, Hildegard, David. Auch alle Bekannte u. Verwandte, und sage ihnen allen, daß sie Tapfer und mutig bleiben, da gar bald die Erlösung naht.

Wir brauchen garnicht traurig sein, denn nur eine Nacht währet das Weinen, dann ist lauter Freude.

Nun mein liebes Mariechen, meine liebe Mutti, meine lieben Kinder drücke und küsse ich Euch noch alle recht herzlich bis auf Wiedersehn.

Dein Hermann

[Randbemerkung:] Grüße H. Westerhold u. Frau recht herzlich von mir.

[S. 250]

1.2 Emil Ackermann: „Wenn Du wirst diese letzten Zeilen lesen …“

Der Abschiedsbrief von Emil Ackermann an seine Frau Dora weist eine Besonderheit auf: Am Anfang stehen seine letzten Gedanken in Gedichtform.

Emil Ackermann (geboren am 2. Dezember 1902) aus Werdau (Sachsen) verdingte sich im Laufe der Zeit in der Landwirtschaft, als Müllerbursche, als Fabrikarbeiter und Weber. Er fand Anfang der 1920er Jahre zu den „Bibelforschern“ (Jehovas Zeugen) durch deren öffentliche Vorführungen des Schöpfungsdramas (die biblische Geschichte in Lichtbildern und mit Orchesterbegleitung) in Zwickau und Werdau. Die Werdauer Gruppe wuchs schnell auf 50 Mitglieder, und Emil Ackermann sprach mit der Bibel in der Hand in jedem Haus in Werdau und in den umliegenden Orten vor. Er beteiligte sich an der religiösen Unterweisung der örtlichen Kindergruppe der Bibelforscher, wobei er gut mit Kindern umgehen konnte und über pädagogisches Geschick verfügte, wie sich Zeitzeugen erinnern. Er übte sich als Poet, und besonders seine Gedichte für Kinder zeugen von Humor. Auch pflegte er Hausmusik, und in den gottesdienstlichen Zusammenkünften spielte er die Geige.[50]

Dann kam 1933 das Verbot der Religionsgemeinschaft durch die Nationalsozialisten. Er blieb jedoch für seinen christlichen Glauben aktiv, nahm es auf sich, zusammen mit anderen Zeugen Jehovas 1934 den religiösen Kongreß der Gemeinschaft in Basel (Schweiz) zu besuchen. Er beteiligte sich am 7. Oktober 1934 an der reichsweiten Aktion der Zeugen Jehovas, wobei auch die Gruppe in Werdau anläßlich einer geheimen Zusammenkunft ein Protestschreiben an Hitler beschloss. Das Sondergericht für den Oberlandesgerichtsbezirk Jena in Weimar verhandelte später den Fall in einem „Bibelforscher-Prozeß“ in Greiz,[51] und ein Lokalblatt meldete:

„Eine besondere Stellung nahm dabei eine Zusammenkunft der Angeklagten bei einem Glaubensgenossen in Werdau ein, in deren Verlauf außer einem Gottesdienst im Sinne der ‚Zeugen Jehovas‘ der Beschluß gefaßt wurde, trotz des Verbotes die Veranstaltungen geheim weiter durchzuführen. Außerdem wurde ein Schreiben an den Führer verfaßt, das folgenden Inhalt hatte: ‚Wir teilen dem Herrn Reichskanzler mit, daß wir weiter gewillt sind, als [S. 251] ‚Zeugen Jehovas‘ zu wirken. Wir teilen dem Reichskanzler weiter mit, daß unser Blut auf sein Haupt komme, wenn er uns weiter durch seine Beamten verfolgen läßt. Wir ersuchen den Reichskanzler, das Verbot aufzuheben.‘ […] Darauf ergriff der Staatsanwalt in seinem Plaidoyer das Wort. […] Auch zeige dies Verfahren noch einmal so recht die Gefährlichkeit dieser Organisation, da die Ansichten ihrer Mitglieder über die Wehrpflicht, die Rassenfrage usw. an den Grundfesten des heutigen Staates rütteln.“[52]

Das Sondergericht verurteilte Emil Ackermann am 5. September 1935 wegen der verbotenen Tätigkeit zu 1 Jahr und 6 Monaten Gefängnis, seine Frau Dora zu 3 Monaten.[53] Nach der Haftverbüßung in Ichtershausen erfreuten sie sich zunächst noch vier Jahre eines glücklichen Familienlebens, ein zweites Kind wurde 1938 geboren.

Zum 1. Mai 1941 war Emil Ackermann zur Wehrmacht einberufen worden. Noch in der Bahnhofshalle von Zwickau schrieb er an seine Familie: „Warum sollte ich Euch nicht noch einmal sagen – weil ich es noch kann – daß Ihr drei der ganze Inhalt meines Lebens gewesen seid!“[54] Er erklärte seinem militärischen Vorgesetzten in Bad Saarow (Brandenburg), daß er „auf Grund seines Glaubens weder eine Waffe in die Hand nehmen noch den Eid leisten könne“,[55] sondern nur für Tätigkeiten bereit sei, die sein Gewissen nicht belasten. Das brachte ihn vor das Reichskriegsgericht in Berlin, das am 15. September 1941 sein Todesurteil verkündete und am 23. Oktober 1941 für rechtskräftig erklärte.

Während der Haft schrieb Emil Ackermann „etliche ermunternde, tröstende und glaubensstärkende Briefe mit vielen selbstverfaßten Gedichten,[56] auch einen Dankesbrief an seine Frau“, wie berichtet wird. Während eines Besuches der Ehefrau gelang es ihm, ihr heimlich einen unzensierten Brief zuzustecken. Darin schrieb er über seine geistige Verfassung:

[S. 252]

„Die Gewißheit der Richtigkeit des Weges und der damit verbundenen Billigung und des Empfangs seiner Segnungen, seines Schutzes, der Fürsorge und endlichen Rettung löst eine so überwältigende Süßigkeit aus, die man empfängt beim Eintritt in das Stadium höchster Gefahr, ohne jedoch von ihr berührt zu werden.“

Er schöpfte Kraft und Trost aus einer Bibel, die er bis zuletzt in seiner Zelle aufbewahren durfte, ebenso aus dem Singen der Psalmen 30, 46 und 68, die er selbst in Reimform gefaßt hatte. Bis zuletzt wäre es ihm möglich gewesen, seine Gewissensentscheidung zu widerrufen; drei Geistliche verschiedener Konfessionen sollen ihn wegen seiner Standhaftigkeit als „verrückt“ bezeichnet haben.[57]

Das Todesurteil wurde am 15. November 1941 in Brandenburg-Goerden mit dem Fallbeil vollstreckt. Sein Martyrium war aus seinem christlichen Glauben heraus erfolgt, doch in der Sterbeurkunde vermerkte ein ignoranter Standesbeamte „glaubenlos“, obwohl er „konfessionslos“ meinte.[58]

Seine Frau erhielt während der NS-Zeit weder Hinterbliebenenversorgung oder Härteausgleich noch Kinderbeihilfe für sich und die  Kinder, weil der Tod ihres Mannes aufgrund „eigenen Verschuldens“ erfolgt sei, wie die Behörden in Dresden und Werdau im April 1942 der Witwe mitteilten.[59] Über die Haltung Emil Ackermanns und seine Hinrichtung als Kriegsdienstverweigerer sprachen einige Bewohner seines Heimatortes Werdau respektvoll noch eine Zeitlang nach 1945. „Das Wirken und Sterben meines Schwiegervaters Emil Ackermann“, wie die Schwiegertochter schreibt, ist „in seiner Heimatstadt inzwischen so gut wie vergessen, genauso wie die Tausende anderer Märtyrer im ganzen Land.“[60] Der Abschiedsbrief von Emil Ackermann lautet:

Brandenburg 14.11.1941

Meine liebe Dora!

Man hat es mich heut abend wissen lassen,

Daß meine Wanderung zu Ende geht.

Und daß mein Fuß auf dieser Erde Straßen

[S. 253]

Bis morgen früh noch – wenige Stunden steht.

Wenn Du wirst diese letzten Zeilen lesen,

Dann sei getrost und stark, geliebtes Weib;

Und wisse, daß was ich Euch bin gewesen,

Ich Euch doch immer, nach wie vor verbleib.

Nochmals gedenke ich der trauten Räume

Wo ich mit Euch so froh und glücklich war.

Noch einmal wollen der Erinnerung Träume

Zusammenfassen, Stunden – Tage – Jahr um Jahr  –

Einer schönen Zeit erfüllt mit Segensschauern

Göttlicher Güte, bricht des Leides Bann;

Verscheucht des Herzens Mühsal, Weh und Trauern

Die schöne Zeit, von der ich zehren kann.

Ist mir doch jener große Wurf gelungen,

Auf Erden eines Freundes Freund zu sein.

Ein holdes braves Weib hab ich errungen,

Drum misch ich meines Jubels Jubel ein.

Wer auch nur eine Seele auserlesen,

Sein eigen nennt in diesem Erdbereich …

Ja alles, alles bist Du mir gewesen

Liebwerte Seele, Weib und Freund zugleich. –

So auch – ich Dir – innig hast Du geschrieben

Und bin ich’s nimmer, sind’s zwei andre doch;

Du liebest sie, o laß Dich wieder lieben,

So manche einzig schöne Jahre noch. –

Indessen kreist die Erde ihre Bahnen

Und Tag und Jahr verfallen – stehen wieder auf –

Und Freud und Leid und unsrer Hoffnung Ahnen

Schwingen in uns gleichsam im Kreiseslauf.

Der Erdenbälle fünfviertelmillionen,

Sie finden Platz im großen Sonnenball,

Und wieder Millionen solcher Sonnen,

Schwingen und ziehn im weiten Weltenall.

Laß uns dies majestätische Geschehen,

Weislich bedenken – laß uns allezeit,

Das Kleine klein, das Große groß stets sehen

Und Gottes Kraft gibt bis zum Ende das Geleit.

Geliebte! Nochmals danke ich Dir für alles. Deinen lieben Brief v. 9.11. habe ich noch empfangen, freue mich, [S. 254] daß Dir allenthalben so unter die Arme gegriffen wird und ich glaube, daß auch die ewigen Arme Euch starke Stütze bleiben mögen. Es wird ein Trost sein, wenn ich Dir sage, daß ich bis zur letzten Stunde das Wort Gottes haben durfte und Kraft und Frieden. Einen Frieden meine Teure, den ich nicht zu beschreiben vermag.

Bedenke: Auch ich hätte es so haben können wie Rudolf Leistner[61]; wie Inge einmal schrieb: „Kein Unglück ist groß, es kann jedes viel größer sein.“

Wenn mich Mutter, Elly und andere auch nicht verstehen können, ich muß doch immer wieder sagen: „Sein Weg ist grad, sein Weg ist gut …“ Und er war doch so gut, sollte er es plötzlich nicht mehr sein? Sollten wir all das Gute empfangen haben und das … Hiob 2:9, 10.[62] Dieser 9. [Vers] war natürlich immer die Frage, Prüfung und Anfechtung. Auch wegen der Behandlung und der Kost muß ich Dir sagen, daß sie bis zuletzt sehr gut gewesen sind. Auch frieren brauchte ich nie. Allen, die mit mir gebangt gehofft und mich getragen haben auf Händen und im Herzen der Fürbitte mag mein Dank und letzter Gruß gelten.

Sehr freue ich mich, daß ich Dir beim letzten Treffen den Trost geben durfte.[63] Es ist auch mir ein Trost, Deine gesundheitliche Lage gebessert zu wissen. In der Tat mein geliebtes Weib: Wie Deine Tage – so Deine Kraft. Der Segen Gottes macht reich.[64]

Du weißt, daß ich nichts schöneres wüßte als meine geliebten Kinder zu nähren – zu erziehen.

Ich habe wohl nicht nötig, mir Selbstanklagen machen zu müssen, daß ich darin etwas versäumt hätte. Immer wieder [S. 255] habe ich auch hier erklärt, daß ich bereit bin zum Dienst. Eine Waffe bin ich jedoch nicht fähig zu führen und einen Eid konnte ich nicht ablegen als nur auf die Gefahr hin, in höchste Gewissensnot zu geraten.

Bis zuletzt war man bemüht, mir diese Gefahr als nicht vorhanden hinzustellen; aber ich muß doch mein Inneres kennen!

Sieh meine Teure! Wenn ich den Weg erwählt hätte, dann würde es fest stehen, daß ich als kranker Mensch zu Euch zurückgekehrt wäre. Hätte ich damit – einmal von den geistigen Ewigkeitswerten abgesehen – Euch meine liebe Familie einen Nutzen gebracht? Wie Schmid’s Alfons könnte es mir ergehen – ja jedes Unglück konnte noch viel größer sein. –

Wenn ich so schreibe, dann geht es mir wie dem, welcher sagt: Ich halte mich selbst nicht dafür, es ergriffen zu haben u.s.w.[65] Es brennt aber doch in mir der Gedanke, einen würdigen Abschluß gemacht zu haben.

Schwach sind wir und ermangeln des Ruhmes den wir vor Gott haben sollten und dennoch, ich habe das Wunderwort an mir erfahren: Meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht; und: laß Dir an meiner Gnade genügen.[66]

Meine Heißgeliebten! Lebet wohl!

Daß ich bei Euch ein gut Andenken habe, daß ist auch eine der Tröstungen die mich bis zuletzt begleiten. Meine besten Wünsche begleiten Euch! Alles Gute, alles Glück sei Euer Teil.

Es gibt ein Wiedersehn.

Auf Wiedersehn!

Euer im Herrn Heimgegangener. [S. 256]

Offenb. 14:13.[67]

1.3 Karl Bühler: „Denn morgen kommen wir von hier weg“

Karl Bühler (geboren 11. März 1909) aus Neulußheim wurde im Alter von 31 Jahren als Totalverweigerer, gemeinsam mit seinem Freund und Glaubensbruder Heinrich Ballreich, am 25. Juni 1940 auf dem Schießplatz Wiesbaden-Schierstein (Freudenberg) erschossen und auf dem Wiesbadener Südfriedhof begraben.[68] Der Heimatforscher Hans-Wilhelm Lang aus Wiesbaden-Dotzheim erinnert sich:

„Ganz geheimnisvoll wurde es, als der Schießplatz zum Richtplatz bestimmt wurde. An einem frühen Sommermorgen des Jahres 1942 bogen mehrere Wehrmachtsfahrzeuge und ein Leichenwagen in den Hof des Schießplatzes ein. Sanitäts- und Gerichtsoffizier, ein Geistlicher und das Vollzugskommando waren dabei. Kurz darauf krachte eine Salve in die Stille des Waldes, und von unserem […] Briefträger Wilhelm Diehl, der täglich schwerbeladen den weiten Weg vom Fliederweg bis zu uns zurückzulegen hatte, erfuhr Mutter, daß drei Männer durch Erschießen hingerichtet worden seien. Teilnahmslosigkeit vortäuschend, lauschte ich bei dem Gespräch, das nicht für meine Ohren bestimmt war. Es habe sich um zwei Kriegsdienstverweigerer aus dem Kreis von Bibelforschern und um einen Selbstverstümmler gehandelt, wollte Herr Diehl wissen. […] Zu jener Zeit konnte ich im harten Vorgehen des Staates nichts Verwerfliches finden, denn schließlich erfuhr ich Tag für Tag, [S. 257] daß Tausende an allen Fronten den Soldatentod starben, junge Menschen, die auch allzugern in der Heimat geblieben wären. Weitere Exekutionen auf diesem Schießplatz sind mir nie zu Ohren gekommen.“[69]

Karl Bühler vertiefte sich 1932 in das bibelerklärende Buch Die Harfe Gottes der Zeugen Jehovas, und mit seiner Verlobten Frieda und dem Ehepaar Heinrich und Eva Ballreich tat er sich zusammen, um gemeinsam die Bibel zu lesen. Bevor sie eine öffentliche Zusammenkunft der Ortsgruppe (Gemeinde) der Zeugen Jehovas in Neulußheim besuchen konnten, erging 1933 das Verbot der Religionsgemeinchaft, die Literatur der Gruppe wurde verbrannt, das öffentliche Zusammenkommen mußte eingestellt werden. Karl Bühler war entschlossen, seinem neuen Glauben gemäß zu leben. Nachdem er nicht an der Wahl teilgenommen hatte, wurde er (zusammen mit seiner Verlobten und Eva Ballreich) aus dem Betrieb entlassen; kurz darauf entzog man dem Ehepaar eine Zeitlang die Arbeitslosenunterstützung.

Karl Bühler fuhr im Frühjahr 1934 mit seiner jungen Frau (sie heirateten im Dezember 1933) mit dem Fahrrad nach Mannheim, um den Austritt aus der evangelischen Kirche zu erklären, was das Paar 2 Reichsmark kostete – damals viel Geld für sie, denn sie mußten mit 9 Reichsmark in der Woche auskommen. Sie versammelten sich in den folgenden Jahren heimlich zu Bibelstunden mit Glaubensbrüdern aus Hockenheim und Speyer. Sie gingen trotz Verbot weiter von Haus zu Haus, um das Evangelium zu verkündigen. Man konnte ihnen in dieser Hinsicht jedoch nichts nachsagen, und als die Ehepaare Bühler und Ballreich 1934 gemeinsam verhaftet wurden, sprach das Gericht sie frei. „Später stand ein Artikel in der Schwetzinger Zeitung über die Verhandlung, und es wurde darin erwähnt, daß kein Bibelforscher mehr freigesprochen werden darf, daß Mittel und Wege gefunden werden müssen, um sie zu verurteilen“, erinnert sich Frieda Bühler.[70]

Kurz vor Pfingsten 1936 holte die Gestapo zum Schlag aus, indem sie die Zeugen Jehovas in Neulußheim und Hockenheim verhaftete und ins [S. 258] Gefängnis nach Mannheim schaffte. Beim Verhör warfen die Beamten in Mannheim ihnen ganze Bündel von verbotenen Zeitschriften Wachtturm (das zentrale Sprachrohr der Glaubensgemeinschaft) in den Schoß – Sendungen aus der Schweiz, die die Gestapo auf der Post abfangen ließ. „Wir waren Staatsfeinde Nr. 1 und mußten eine harte Strafe erhalten. Unsere Frage war, was wird mit uns geschehen. Mein Mann und ich wurden zu je 5 und 6 Monate Haft verurteilt. Haus, Vieh, Acker mußten wir zurücklassen. Wir aber dachten an Jesu Worte aus Matth. 19:29.[71] Freundliche Menschen versorgten unser Vieh bis wir nach Hause kamen“, berichtet die Ehefrau. Im Spätherbst 1939, der Weltkrieg war im Gange, unterzog sich das Ehepaar der Erwachsenentaufe der Zeugen Jehovas. Im April 1940 sollen Karl Bühler und Heinrich Ballreich zu den ersten Bürgern von Neulußheim gehört haben, die einen Stellungsbefehl erhielten. Frieda Bühler schildert die Vorgänge, die damit in Gang gesetzt wurden:

„Für meinen Mann und mich brach eine Zeit an, die wir nur im Gebet zu Jehova ertragen konnten. Wir waren sieben Jahre verheiratet und lebten glücklich beisammen. Aber unser Gelübde für Jehova und Jesus Christus gingen uns über alles, wo sollten wir uns hinwenden? Eine Welt voller Teufel und voller Haß – aber der Worte Jesu eingedenk, ‚Fürchtet Euch nicht vor denen, die den Leib töten, danach weiter nichts zu tun vermögen, fürchtet den, der nach dem Töten Gewalt hat, in die Gehenna zu werfen.[72] Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?[73] Wenn es Jehova zuläßt, daß mein Mann sterben sollte, so wird er auch den Ausgang schaffen, und in der Hoffnung auf eine Auferstehung, die bei uns tiefe Wurzel gefaßt hatte, legten wir alles in seine Hand. Am 5. Mai 1940, an einem Sonntag, holten sie meinen Mann ab. Ich wußte nicht, wohin sie ihn brachten. Bruder Ballreich wurde ein paar Tage später abgeholt, und die beiden gingen gemeinsam den gleichen Weg. Schwester Ballreich fuhr nach Mannheim auf das Werkkommando, und dort erfuhr sie, daß unsere beiden Männer nach [S. 259] Wiesbaden gebracht wurden und vor ein Kriegsgericht gestellt wurden. Sie erhielt eine Besuchserlaubnis, um ihren Mann zu beeinflussen und umzustimmen.[74] Kurz entschlossen fuhren wir beide nach Wiesbaden. In der Gustav-Freytag-Straße, wo in einer Judenvilla das Kriegsgericht untergebracht war, mußte ich mir eine Erlaubnis einholen, um zu meinem Mann zu kommen.

Ich ging zu dem zuständigen Hauptmann und brachte mein Anliegen vor. Er sagte zu mir: ‚Wissen Sie, daß Ihr Mann mit seinem Kopf spielt und daß auf Wehrdienstverweigerung die Todesstrafe ruht! Ich erwiderte ihm, das wir mit Jehova Gott im Bundesverhältnis stünden und daß er zu entscheiden hätte zwischen Leben und Tod. Daß wir in diesem weltlichen Krieg eine neutrale Stellung bezogen hätten. ‚Ja, sind Sie denn verrückt geworden? Sie sind ja auch so eingestellt wie Ihr Mann, und dann soll ich Sie zu Ihm lassen? Nach langem Bitten gab er mir die Besuchserlaubnis unter der Bedingung, daß ich meinen Mann beeinflussen soll, den Wehrdienst anzunehmen. Ich weiß heute nicht mehr, wie ich zu Schwester Ballreich kam, die unten auf der Straße auf mich wartete. Ich weinte und sagte zu ihr: ‚Unsere Männer werden erschossen, du wirst schon sehen. Du wirst sehen, die sind grausam und ohne Gnade – was gilt denen ein Menschenleben – wo sie schon so viele von unseren Brüdern umgebracht haben.

Am Sonntag morgen durfte ich dann zu meinem Mann. Das war ein Wiedersehen – ich kann es nicht schildern, es war so traurig. Er fragte mich nur: ‚Warum kommst Du? Ich sagte ihm, ich sollte ihn beeinflussen. Aber er tröstete mich und gab mir den biblischen Rat, nicht traurig zu sein wie die Übrigen, die keine Hoffnung haben,[75] sondern ich soll mein ganzes Vertrauen auf unseren Gott Jehova setzen. [S. 260] Er wird alles lenken und leiten, und so durfte ich zehn Minuten bei ihm sein. Ein junger Gerichtsschreiber, der uns beide – Schwester Ballreich und mich ins Gefängnis begleitete – gab uns den Rat, wir sollten bis Dienstag bleiben, denn da wäre die Hauptverhandlung. Wir würden ihr bestimmt beiwohnen dürfen, und so blieben wir bis Dienstag morgen um 9 Uhr.[76]

Wir warteten auf der Straße, bis unsere Männer mit zwei Soldaten mit aufgepflanzten Gewehren wie zwei Schwerverbrecher durch die Stadt geführt wurden. Engel und Menschen ein Schauspiel.[77] Schwester Ballreich und ich sprangen auf der Straße neben ihnen her bis zur Gustav-Freytag-Straße. Wir konnten dann bei der Verhandlung zugegen sein. Es dauerte nicht mal eine Stunde, wo zwei unbescholtene brave Männer, was das Gericht durch die Neulußheimer Gemeinde bestätigt erhielt, zum Tode verurteilt wurden. Nachdem sich das Gericht zur Beratung zurückgezogen hatte, wurde das Urteil verkündet – zum Tode wegen Wehr[kraft]zersetzung. Ohne ihnen Gelegenheit zur Verteidigung zu geben, mußte eine harte Strafe ausgesprochen werden zur Abschreckung für andere. Ein junger Offizier ergriff nochmals das Wort und sagte: ‚Wenn jeder den Wehrdienst ablehnen würde, kämen die Schwarzen herein und würden unsere deutschen Frauen schänden …

Nach der Verhandlung durften wir – Schwester Ballreich und ich – ca. zwei Stunden im Erdgeschoß mit unseren Männern beisammen sein. Es war für uns eine Gnadenfrist. Bis dahin kann ich nur noch berichten, daß wir beide [S. 261] in der Stadt Wiesbaden umherirrten wie zwei verlorene Schafe und daß ich auf der Heimfahrt nur noch weinte und weinte. Es brach für mich alles zusammen, und ich meinte Harmagedon müsste kommen.[78] Aber es ging weiter.

Kurze Zeit darauf erhielten wir nochmals beide die Aufforderung, unsere Männer zu besuchen, um sie umzustimmen.[79] Bei meinem zweiten Besuch wurde in meinem Beisein auf meinen Mann eindringlich eingeredet, er solle doch den Wehrdienst annehmen. Der Hauptmann, der selbst zugegen war, sagte: ‚Herr Bühler, ich gebe Ihnen nochmals die Gelegenheit, doch den Sanitätsdienst anzunehmen – sehen Sie doch ihre junge Frau! Aber mein Mann sah mich an und gab die Erklärung: ‚Sanitätsdienst ist Kriegsdienst. Ich habe mit Jehova einen Bund geschlossen und diesem bleibe ich treu, solange Odem in mir ist. Das waren die letzten Worte, die ich von ihm lebend hörte. Die Akten wurden geschlossen. Wir nahmen Abschied für das jetzige Leben und trösteten uns einander, daß wir uns bald in der neuen Welt wieder sehen würden. Auch von Bruder Ballreich konnte ich noch Abschied nehmen. Er war so ein lebenslustiger Mensch – aber er hatte einen starken kindlichen Glauben so wie wir alle. Er sagte noch zu uns: ‚Kopf hoch, seid mutig und stark[80] – wenn Jehova es nicht zulässt geht keine Kugel aus dem Rohr. Das waren auch seine letzten Worte. Aber Jehova ließ die Prüfung zu.

Nicht lange darauf erhielten wir ein Schreiben, daß unsere beiden Männer am 25.6.1940 morgens um 5 Uhr auf dem Freudenberg ihr junges Leben beendeten. Mein Mann war 31 Jahre alt. Das Kriegsgericht teilte uns noch in dem [S. 262] Schreiben mit, daß ihr letzter Ruf war: ‚Es lebe Jehova. Die beiden wurden auf dem Südfriedhof dann unter fünf Tannen ganz außen an der Friedhofsmauer unter vielem Gestrüpp beerdigt, wie zwei Verbrecher.[81] Die Zeit von 1940 bis 45 lief weiter. Mit Unterstützung derer, die noch auf freiem Fuß waren, konnten wir die schwere Zeit ertragen und überstehen. Heimlich kamen wir zusammen, um uns gemeinsam zu trösten und zu ermuntern. [Das waren] die Brüder aus Speyer, die meisten [anderen] waren im KZ.“

Karl Bühlers Abschiedsbrief lautet:

24.6.40

Mein einzig Lieb! Im voraus viele Grüße u. Küsse. Des Herrn reichen Segen auf allen Deinen Wegen. Ob dieses die letzten Zeilen sind, sehr wahrscheinlich. Denn morgen kommen wir von hier weg. Der Vorsteher der Anstalt sagt, daß wir morgen früh hier abgeholt werden. Meine liebe Frieda, Du weißt ja, wir haben einen lebendigen Gott, er kann entscheiden über Leben u. Tod. So wir nun unser Leben aufgeben müssen, so wissen wir, daß ohne seinen Willen nichts geschieht, nicht ein Haar auf dem Haupte wird uns gekrümmt ohne seinen Willen. Wollen wir deshalb alles auf ihn werfen, er wird alles lenken wie es für uns das Rechte ist, er kann uns aus dem Tode auferwecken, und uns in seinem wunderbaren Lichte führen. Wir wollen uns fügen in allem, [und] was sein Wille ist, soll uns heilig sein. Bis hierher hat der Herr mir seinen Beistand gegeben, so will ich ihn bitten, daß er auch mit mir sein möge bis zum letzten Atemzuge. Denn wir wissen, daß dadurch das Wort sich erfüllet, indem wir treu bis zum Schluß sind und daß diese, die so an uns handeln, dazu beitragen, daß das Wort sich erfüllet. Wir, die wir jetzt leben, sind dazu auserkoren, die [S. 263] restlichen Leiden des Christus zu tragen[82]. Eines aber ist gewiß, haben wir mit Ihm gelitten, so werden wir auch mit ihm herrschen, und werden teilhaben an seinem Reiche[83]: Siehe der neue Himmel ist geschaffen, und die neue Erde[84] wird gebildet; wie soll die neue Erde bestehen, es sei denn durch Prüfung[85]. Meine liebe Frieda, ich weiß, es ist hart für Dich, aber auch Du wirst alles zu tragen vermögen, so Du Dein Vertrauen auf den Herrn setzest. Er gibt Kraft dem Schwachen, er tröstet den Trauernden. Noch thront der Herr über allem, sein Wort hat es verheißen, er wird ausführen, was er befohlen. Sein Königreich wird uns vereinen. Da wird dann alle Not ein Ende haben, auch ein Ende wird es haben mit allen seinen Widersachern. Jehova führt ein scharfes Schwert[86]. Es wird durchdringen, durch allem Widerstand, er wird den Nationen das Recht kund tun[87]. Er [S. 264] wird alles unrecht vergossene Blut fordern[88]. Er wird rächen, die Uebertretungen des ewigen Bundes[89]. Das Menschenleben ist geheiligt[90], wehe denen, die Blut vergießen aus Frevel und Bosheit[91]. Ich will heimsuchen den Erdkreis, den sie entweiht haben um ihres Frevels Willen[92]. Wehe der Christenheit, die das Wort seines Mundes besitzt und doch Frevel übt; wie schwer wird sie der Herr heimsuchen. Liebe Frieda, nochmals recht herzliche Grüße an alle meine Geschwister, ich küsse sie mit dem heiligen Kusse[93]. Möge mir niemand böse sein über mein Handeln, mögen alle zu verstehen suchen, warum ich so handele. Ein kurzes noch und die Erde wird heimgesucht werden. Dann werden alle erkennen müssen, wer der Herr der Herren ist, und der König der Könige[94]. Das Königreich, unsere einzige Hoffnung, wird uns vereinen für alle Zeiten zum Ruhme seines Namens. Nochmals viele Grüße und Küsse auch an Mutter und Geschwister. Dein Karl. Es gibt ein Wiedersehn!

[S. 265]

1.4 Bernhard Grimm: „ … denn nun liegt alles Schwere hinter mir“

Der Elektriker Bernhard Grimm aus Baltmannsweiler bei Esslingen (geboren am 14. Mai 1923 in Blankenloch bei Karlsruhe) starb am 21. August 1942 unter dem Fallbeil im Zuchthaus Brandenburg-Goerden.[95] In Baltmannsweiler erinnert heute die „Bernhard-Grimm-Straße“ an den 19jährigen Zeugen Jehovas.[96]

Bernhard Grimm verfaßte in Haft vor seinem Tod zahlreiche Briefe und Gedichte – im Gegensatz zu anderen Gefangenen durfte er als Kriegsdienstverweigerer Schreibpapier besitzen. Wie er in einer Kurzchronik festhielt, waren seine Haftstationen zunächst Ludwigsburg (Verhaftung am 15. April; Kasernenarrest) und Berlin (Vernehmungen am 26. Mai und 18. Juni; Hauptverhandlung vor dem 2. Senat des Reichskriegsgerichts am 14. Juli).[97] Die Worte, mit denen er die Besuche der Eltern und seines Bruders Karl vermerkte, spiegeln die enge familiäre Bindung wieder: „26. Juli 1942 – Letzter Besuch von meinen, ach so lieben Eltern.“ [98]

Seine Mutter, die Zeugin Jehovas Magdalene Grimm, erinnerte sich fast 30 Jahre später an ihren „Bernde“: „Seine letzten Briefe aus dem Gefängnis, die er uns unzensiert durch wunderbare Fügung übergeben konnte, habe ich bis nach der Hitlerära in einem Beutel auf der Brust getragen aus Furcht vor Hausdurchsuchungen.“[99] Seine Eltern hatten nämlich Besuchserlaubnis „mit Umarmung“ erhalten, so daß „Bernde“ seiner Mutter heimlich hauchdünne, eng beschriebene Briefe zustecken konnte. Einige als „harmlos“ eingeordnete Briefe kamen allerdings problemlos [S. 266] durch die Zensur, und seine letzten Mitteilungen befanden sich später in den Fußstützen, die nach der Hinrichtung mit anderen Affekten an die Eltern gesandt wurden – auch sein letzter Brief vom 20./21. August 1942.[100] Der evangelische Militärseelsorger Werner Jentsch begegnete Bernhard Grimm, den die Schließer als „unbelehrbaren Bibelforscher“ bezeichneten, „eines Nachts im Zuchthauskeller von Brandenburg“, wenige Stunden vor dessen Tod. In seinem Erinnerungsbericht schreibt Jentsch:

„Der Junge machte einen prachtvollen Eindruck. Er war ruhig und gefaßt. Nur unmerklich zitterte etwas in ihm von der Erregung, die solchen todeskalten Nächten eigen zu sein pflegt. Er zeigte mir die Fotos seiner Angehörigen. Ich hatte ihn bei der Lektüre der Bibel überrascht. Das Gespräch konnte schnell zur eigentlichen Mitte vorstoßen. Wir verstanden uns bald.“[101]

Bernhard Grimm erwähnt diesen Besuch in seinem letzten Brief kritisch, da der Pfarrer ihn mit Argumenten umzustimmen suchte, die er nicht teilen konnte – zum Beispiel, daß das Alte Testament „ein Geschichtsbuch der Juden“ sei. Aus der Sicht des Militärgeistlichen geschah folgendes:

„Laut kriegsgerichtlicher Maßnahmen durfte er, noch notfalls in der letzten Nacht, einen Zettel schreiben und darauf seine Bereitschaft zum Kriegsdienst und zur Eidesleistung bekunden. Er hätte sein Leben retten können, und unser Gespräch war praktisch die letzte Chance, ihn umzustimmen. Wir haben Text um Text in der Heiligen Schrift ernstlich durchgenommen. Er wollte es sich alles noch einmal überlegen. Dann ließ ich ihn allein mit seinem Herrn. [S. 267] Als ich in den frühen Morgenstunden wiederkam, war er ganz reif und klar: er unterschrieb den Zettel nicht.“[102]

Den letzten Akt schildert Jentsch wie folgt:

„Bernhard kam als erster dran, weil er der Jüngste war. Vor der Stufe zum Hinrichtungssaal, der provisorisch in einem Schuppen angelegt war, mußten wir warten. Jede Minute schien wie eine Ewigkeit. […] Bernhard schritt die schwere Stiege gefaßten Schrittes hoch. Er ließ seinen Kopf fallen, nicht nur in einen Sägemehleimer. Der Kopf fiel tiefer, viel tiefer, unendlich tiefer – in die Arme seines Heilands.“[103]

Wenige Stunden vor seiner Hinrichtung schrieb Bernhard Grimm an seine Eltern und seinen Bruder Karl folgenden Brief:

Liebste Eltern, liebster Karl!

Psalm 126;[104] Offenb. 21:1-7;[105] 1. Kor. 13:13;[106] Römer 8.[107]

[S. 268]

„Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich!“[108]

Meine Liebsten, tut es trotz Eurem Schmerz mir zuliebe, denn nun liegt alles Schwere hinter mir. Ja, bis Euch diese Zeilen erreichen, hat mich der Herr und Meister in seine Herrlichkeit aufgenommen.[109]

Meine Liebsten, wir können ihm wahrhaftig nicht genug danken, denn wie wunderbar war und ist er doch mit uns. Obwohl ja eigentlich keine Aussicht auf ein nochmaliges Wiedersehen bestand, ließ er es zu. Ja, als ich Euch, liebste Eltern, erblickte, war es für mich gar nichts Außergewöhnliches. Er ließ es zu, daß wir uns gekräftigt trennen durften und nicht in Verzweiflung.[110] Ja, es war eigentlich nur ein Abschiednehmen im Hinblick auf ein baldiges frohes Wiedersehen.[111] [S. 269] Oder kam es Euch nicht so vor? Ich bin ja so ungemein dankbar, daß Ihr, meine Liebsten, auch seine Güte erfahren durftet und gefaßt seid. Hier möchte ich aber noch einflechten und festnageln, daß es mein freier Wille ist, unserem Schöpfer die Treue mit dem Leben zu besiegeln. Denn, nachdem Ihr weg wart, beschuldigte man Euch, Ihr seid für meinen Schritt verantwortlich. Sagt nicht die Heilige Schrift, daß jeder für sich selbst stehen muß?[112] Ja nicht Ihr, sondern diese Stätte und der täglich gleiche Rhythmus, sowie die Verwerfung der ganzen Heiligen Schrift, Christus Jesus als „Saujude“ usw. gaben mir die letzten Bestätigungen von Gottes Wort, das ...[113] ein evangelischer Pfarrer, der mich besuchte (das alte Testament)[,] als ein Geschichtsbuch der Juden bezeichnete und die Auslegung der Offenbarung als sehr gefährliche Geschichte und den Tag des Gerichts in ungewisse Fernen rückte, nun, vor der Erfüllung. Meine Liebsten! Wir können immer nur danken, daß alles schon so weit vorgerückt ist.[114] Die ganze Erkenntnis bekam ich, als man mir die ganze Heilige Schrift gewährte. Denn nur um ein Beispiel zu nennen: Wie wunderbar ergänzt sich Daniel mit der Offenbarung des Herrn.[115] Ja, er läßt wahrhaftig jedem, der [S. 270] an ihn glaubt und sucht, sein Vorhaben und seinen Frieden widerfahren.

Nun noch kurz die vergangenen Tage. Nach dem ersten kurzen Schreck, der ja schließlich begreiflich ist, nahm mich unser himmlischer Vater auf mein Bitten und Vertrauen auf ihn um so fester bei der Hand. Sein Friede hat mich nicht mehr verlassen. Als ich hier meine Bibel das erstemal aufschlug, (wieder) stand Psalm 86:11[116] vor mir, und nach diesem Satz habe ich gehandelt.

Meine Liebsten, kann es etwas Höheres geben, als für unseren allmächtigen Schöpfer, Jehova Gott, und unseren Erlöser, Christus Jesus, alles zu geben? Als für Liebe und Treue zu sterben? Ja, ist es denn ein Sterben für immer? Haben wir nicht die Hoffnung durch unseres Herrn Opfertod auf ein ewiges Leben und auf ein baldiges Wiedersehen? Da können wir nur dankbar Hebräer 10:19-23[117] teilen?

Seht, meine Liebsten, es ist nun schon Mitternacht vorbei, noch habe ich Zeit zurückzutreten. Ach, könnte ich in dieser Welt nach Verleugnung des Herrn noch einmal glücklich werden? Ich glaube n i e. – Aber so habt Ihr die Gewißheit, daß ich glücklich und in Frieden von dieser Welt scheide. So schwer mir die Trennung fiel, so ließ mich doch unser Herr alles überwinden, und so bin ich keineswegs traurig oder gar verzweifelt, sondern genau das Gegenteil. Möge er auch Euch alles überwinden lassen. Euch alles, was Ihr mir Gutes und Liebes getan habt, möge er vielfach vergelten und froh und frei in die Zukunft gehen lassen, dem Reiche des allmächtigen Schöpfers entgegen.

Liebste Eltern, was habt Ihr nicht alle um mich Sorge getragen, und liebster Karl, was hast Du mir nicht alles [S. 271] Gute getan. Möge Euch Jehova alles, seiner Verheißung, Güte und Barmherzigkeit gemäß, zurückerstatten, aber auch all denen, die uns so lieb zur Seite standen.

Hoffentlich bekommt Ihr als kleine Vergeltung die Gedichte, Zeichnungen, und den Brief, von dem ich Euch erzählte.

Meine Liebsten, was soll ich Euch noch sagen, immer nur Dank, und daß ich Euch sagen will und zeigen, wie wunderbar unser Erlöser und unser himmlischer Vater ist. Vertraut restlos, so werdet auch Ihr seine Herrlichkeit ganz erfahren. Werdet nie traurig, denn wir sehen uns ja bald für immer wieder.

Ach – was sind auch Worte – aber auch da wird unser treuer Mittler Euch wissen lassen, was ich jeweils sagen will.

Nun, meine Liebsten, gibt es k e i n  Z u r ü c k mehr, noch sind es zweieinhalb Stunden, aber die Entscheidung ist gefallen. Alles Schwere, alles Leid ist überwunden, aber alles durch den, der mächtig macht, Jesus Christus.

Und nun, Gott befohlen! Ihm und unserem Erlöser sei ewig Dank, Ruhm und Anbetung, ewige Majestät und ewiges Reich[118].

Nochmals die herzinnigsten Grüße und Küsse, den herzlichsten Dank, und auf baldiges, frohes Wiedersehen im Reiche unseres Herrn.

Seid stark, denn ich bin ja nicht verloren, sondern kann wie Paulus sagen: „Ich habe Glauben gehalten, ich habe den Lauf vollendet, hinfort wird mir beigelegt sein die K r o n e  d e s  L e b e n s.“[119]

[S. 272]

Darum: „Frisch drum voran zur Ehre Jehovas und Jesu Christi.“[120]

Nochmals die allerherzlichsten Grüße und Küsse

Euer Euch heißliebender, [gez.] Bernd.

 

Zum Abschied noch 1. Korinther 1:3-9.[121]

 

Komm mit zur Ruh

Komm mit! Komm mit! zur Ruh – zur Ruh!

Laß Lieb und Glück in Trübsal hier zurück,

Denn alles ja vergänglich ist,

nur eins auf Ewigkeit gegründet ist

Gottes Wort – ja – Gottes Wort!!!

 

Dem Tag entgegen

Nun scheint die Freiheit endgültig wegzusinken,

Allein der Allmächtige, er wacht!

Drum eil’ ich fort, ihr ew’ges Licht zu trinken!

Hinter mir die vergängliche dunkle Nacht,

und vor mir der immerwährend – junge Tag –!

 

Auf Wiedersehn

O – daß doch alle unsere Kraft

Die so vergeblich oft geschafft

Hinfort dem einen Zweck geweiht

Zu preisen seine Herrlichkeit.

 

Drum bleibet treu, denn in großer Not [S. 273]

Ist stets bei Euch unser Gott

Drum bleibet treu!!!

 

2. Vervielfältigte Abschiedsbriefe 1939–1945

Kurze Zeit nachdem ab September 1939 die durch die NS-Militärjustiz veranlaßten Hinrichtungen von Zeugen Jehovas unter ihren Glaubensbrüdern im Land bekannt geworden waren, begann der Inhalt von Abschiedsbriefen der Getöteten bereits unter den deutschsprachigen Mitgliedern der Religionsgemeinschaft weite Verbreitung zu finden. Die Hinterbliebenden hüteten die Briefe wie einen Schatz und lasen sie zum Trost, entweder allein für sich oder in der Gruppe. Zeugen Jehovas, die sich in Freiheit befanden, schrieben die Briefe ab und reichten sie heimlich weiter – zur eigenen Glaubensstärkung und zur Ermutigung anderer. Die Briefe wurden vor allem durch die im Untergrund vervielfältigten regulären Wachtturm-Schriften und durch andere monatliche Untergrundschriften bekannt, die unter den Glaubensbrüdern in Deutschland kursierten. Sie waren aber auch in bescheidenem Umfang selbst Gegenstand von mindestens zwei Rundschreiben, wie „Fürchtet euch nicht“ und „Briefe, Nr. 4“, worauf unten eingegangen wird.

Bis kurz vor Ende des NS-Regimes finden die Briefe Erwähnung in Anklagen und Urteilen der deutschen Justiz, so zum Beispiel in der Nachtragsanklage des Berliner Generalstaatsanwalts vom 10. Dezember 1944 gegen Annemarie Kusserow:

„Bei diesen Schriften handelte es sich, wie die Angeschuldigte angibt, insbesondere um die Wachttürme ‚Daniel und ‚Micha und um solche Mitteilungsblätter, in denen Briefe veröffentlicht waren, die angeblich zum Tode verurteilte Bibelforscher vor der Hinrichtung geschrieben hatten. […] Die Angeschuldigte selbst hat sich insbesondere für die Schriften interessiert, in denen die Verweigerung des Wehrdienstes verherrlicht war, und zwar deshalb, weil ihre beiden Brüder gleichfalls wegen Verweigerung des Wehrdienstes hingerichtet sind.“[122]

Für die Vervielfältigung und Weitergabe der Abschiedsbriefe waren leitende Zeugen Jehovas im Untergrundwerk verantwortlich, die sich um [S. 274] die Vervielfältigung von religiösen Wachturm-Artikeln und dem zusätzlichen, selbst verfaßten monatlichen Informationsblatt, dem „Mitteilungsblatt der deutschen Verbreitungsstelle des W.T. an alle treuen Zeugen Jehovas Deutschland“[123], kümmerten. Zu ihnen gehörten Ludwig Cyranek (Februar 1939 bis Februar 1940), Julius Engelhard (Juni 1939 bis April 1943) und Narciso Riet (1942 bis April 1944) sowie Gerhard Schumann (1942 bis Februar 1944); zahlreiche andere Zeugen Jehovas beteiligten sich an der Verbreitung der Artikel und Rundschreiben.[124]

Die „Drucker“ hängten die Texte von Abschiedsbriefen an Wachtturm-Artikel, wenn sie auf der letzten Seite einer Untergrundausgabe Platz hatten. Das war bei der vierten Nummer der siebenteiligen Untergrundschrift „Biblische Betrachtung. Die Prophezeiung Daniels“ der Fall.[125] Die sieben Teile der Untergrundschrift – nur die Nr. 4 enthält einen Abschiedsbrief – werden in der Anklage gegen den Augsburger Georg Halder und andere Zeugen Jehovas aufgezählt, wobei der Generalstaatsanwalt in München feststellt: „Auf Seite 7 oben wird die deutsche Judenpolitik angegriffen. Auf Seite 10 wird ein Brief eines angeblich wegen Wehrdienstverweigerung Hingerichteten gebracht.“ Halder wird vorgeworfen, die Schriften in München abgeholt und seit dem Frühjahr 1942 in Augsburg verbreitet zu haben. „Soweit sie Flugschriften verbreiteten, mussten sie damit rechnen, daß diese weiteren [S. 275] Kreisen zur Kenntnis gelangen würden“, heißt es in der Anklage gegen ihn und andere Zeugen Jehovas.)[126] Eingeleitet ist die Abschrift des undatierten Briefes mit den Worten: „Brief eines Zeugen Jehovas an seine Mutter geschrieben nach der Verkündigung des Todesurteils (Militärdienstverweigerung).“ Der anonym 1942 in Umlauf gebrachte Text kann dem Abschiedsbrief von Bruno Grundmann („Mit Ungeduld wirst Du diesen Brief erwarten, und bitte Dich schon im Voraus nicht zu erschrecken.“) zugeordnet werden und datiert, wie wir heute wissen, vom 18. Juli 1941.[127]

Ludwig Cyranek ließ bereits 1939/1940 die ersten Abschiedsbriefe von zum Tode Verurteilten zu seinen Glaubensbrüdern in die Niederlande senden. Der Adressat war Arthur Winkler, der „Reichsleiter“ oder Koordinator für das Untergrundwerk der Zeugen Jehovas in Deutschland. Sicherlich trug er dazu bei, daß die Inhalte von da an in die deutschen Untergrundschriften der Zeugen Jehovas Aufnahme fanden. Das Sondergericht Stuttgart warf am 20. August 1940 der Zeugin Jehovas Maria Hombach, die Ludwig Cyranek als Sekretärin in Stuttgart eingesetzt hatte, vor:

„In den Schreiben an Winkler hat die Maria Hombach diesem im Auftrag von Cyranek Tätigkeitsberichte gesandt, Adressen mitgeteilt und die Lage der Bibelforscher in Deutschland geschildert. Unter anderem hat sie an Winkler von angeblichen Erschiessungen von Wehrdienstverweigerern berichtet. Auch hat sie einen angeblichen Abschiedsbrief eines gewissen Wilhelm Schenk aus Neckarsulm, der hingerichtet worden sein soll, dem Winkler mitgeteilt. Im übrigen hat sie auch 5 Abschriften dieses Briefes in Stuttgart verteilt.“[128]

Die NS-Justiz klagte den zum Tode verurteilten Julius Engelhard an: „Außerdem vervielfältigte er Vorträge des Begründers der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung Rutherford, ein Bibelforscherlied und Zusammenstellungen von Briefen [S. 276] verhafteter und zum Tode verurteilter Mitglieder der Vereinigung. Davon stellte er je etwa 100 Abzüge her.“[129] Mit der Zeit wußten Polizei und Justiz um die Wirkung der abgeschriebenen Briefe der Hingerichteten und zählten sie unter die verbotene Bibelforscher-Literatur. Der Oberstaatsanwalt in Wien, der dem Angeklagten Josef Niklasch vorwarf, „in der Zeit vom Dezember 1939 bis März 1940 […] etwa 70 Bibelforscherschriften“ hergestellt zu haben, führte in der Anklageschrift aus:

„Unter den von Niklasch hergestellten Bibelforscherschriften befinden sich insbesondere solche, die Abschiedsbriefe hingerichteter Kriegsdienstverweigerer wiedergeben. Der Angeschuldigte gibt den vorstehenden Sachverhalt zu und bekennt sich noch heute als Zeuge Jehovas. Er erklärt, dass er nie Kriegsdienst mit der Waffe oder Arbeit in einer Waffen- oder Munitionsfabrik leisten würde.“[130]

In Magdeburg war es der Chiropraktiker Wilhelm Schumann, der 1943 zusammen mit seinem Sohn Gerhard in der Praxis Untergrundschriften herstellte, darunter die Vervielfältigung „Briefe von 18jährigen, die ihres Glaubens wegen hingerichtet worden sind“.[131] Der Inhalt solcher Briefe war meist verkürzt oder zusammengefaßt verbreitet worden, was eine Anklageschrift vom November 1944 hervorhebt, wobei der Generalstaatsanwalt beim Kammergericht in Berlin klagt: „Andere Werbeschriften fassen den Inhalt von Briefen, die angeblich von wegen Verweigerung des Wehrdienstes zum Tode Verurteilten herrühren, und in denen die Kriegsdienstverweigerung verherrlicht wird, zusammen.“[132]

Eine Anzahl Originalbriefe erreichten Verwandte, die sich als Verfolgte aus Glaubensgründen selbst in Haft befanden. Helene Krause beschrieb 1953, wie sie den letzten Brief ihres verurteilten Ehemannes Max Krause („Nun, liebes Lenchen, gute Nacht und recht innige Grüße und [S. 277] Küsse von Deinem Muschi. Weine nicht über mich, halte, was Du hast […]“) erhalten hatte: „Mir wurde nach der am 25.10.1941 erfolgten Hinrichtung das Urteil und der letzte Brief meines Mannes vom 24.10. in das Gefängnis Barnimstraße zugestellt. [...] In seinen letzten Zeilen brachte mein Mann nochmals seine religiöse Überzeugung zum Ausdruck, in der er seinen ganzen Trost fand.“[133] Der letzte Brief, den Elisabeth Bernecker im Juni 1942 von ihrem Mann Heinz Bernecker aus dem Zuchthaus Brandenburg bekam („Mein inniggeliebtes Lieselein! Noch einmal ist es mir erlaubt, Dir ein paar Zeilen zu schreiben.“), trägt den Stempelaufdruck „Postzensurstelle F.K.L. Ravensbrück“ – die letzten Liebesgrüße ihres Mannes und sein „Auf Wiedersehen!“ erhielt die Ehefrau als Gefangene eines Frauenkonzentrationslagers.[134] Der KZ-Häftling Gustav Auschner „erhielt in Neuengamme zweimal Abschiedsbriefe von seinen zwei Söhnen“, berichtet sein Mithäftling Willi Karger, womit er sich auf Kurt Auschner (1942) und Rudolf Auschner (1944) bezieht (siehen unten) und schreibt:

„Beide sollten wegen Verweigerung von Militärdienst erschossen werden. Beide Söhne waren christlich erzogen im Glauben an Jehova und sein Königreich gefestigt und daher ihre Verweigerung, diesem verderbten System zu dienen. Wir konnten alle noch deren Abschiedsbriefe an ihren Vater, Br[uder] Auschner, mit zur Kenntnis nehmen. Es waren dies zu Herzen gehende Worte ihres Abschieds von dieser blutbefleckten Welt, mit dem Hinweis verbunden, auf ein gerechtes Gericht und gewißlichem Aufstehen für Gerechte in der vollkomm[enen] neuen Welt. Es waren in Wirklichkeit die köstlichsten Zeugnisse zum Ruhme und [zur] Rechtfertigung des Höchsten und in Beantwortung der Streitfrage, wie auch beitragend zur stärkenden Ermutigung für alle Brüder, die noch hinter Gittern verblieben. Br[uder] [S. 278] Auschner ertrug allen Schmerz abgeklärt, gefaßt und vorbildlich.“[135]

Kurt Ropelius erinnert sich an seine Haft im Konzentrationslager Bergen-Belsen und an die Wirkung eines Briefe auf ihn und auf seine Mitgefangenen:

„Einem Bruder, der Tiefbauarchitekt war, gelang es, über einen Zivilisten, mit dem er zusammenarbeiten mußte, Verbindung mit Brüdern draußen aufzunehmen. Diese übermittelten uns geistige Speise und außerdem eine Abschrift eines Briefes, von einem zum Tode verurteilten Bruder. Die ermunternden und trostreichen Worte, die feste christliche Einstellung der Neutralität, die kristallklare Vision der schon herrschenden Regierung Gottes unter dem König Christus Jesus und die felsenfeste Hoffnung auf Auferstehung, verbunden mit einer herzhaften und innigen Begrüßung seiner geliebten Frau, trieben uns allen die Tränen in die Augen; aber wir priesen Jehova für die Macht und Kraft seines Geistes, die er dem todgeweihten Bruder gegeben hatte. Dieses Erlebnis stärkte uns sehr und festigte unseren Glauben in Jehova Gott!“[136]

Ein Abschiedsbrief konnte zum Gegenstand polizeilicher Ermittlungen werden, wenn er Hinweise auf den Absender oder Empfänger enthielt. Unter dem bei Julius Engelhard „vorgefundenen Schriftenmaterial befanden sich mehrere handgeschriebene Briefe, die ihm nach seinen Angaben von seinem unbekannten Auftraggeber zur Auswertung übergeben worden waren. Darunter waren auch drei anonyme Abschiedsbriefe von wegen Kriegsdienstverweigerung zum Tode verurteilten Anhängern der I.B.V. In 2 Fällen konnten durch die Staatspolizeistelle München Absender und Empfänger festgestellt werden. Nach dem Schreiber des 3. Briefes sind die Ermittlungen noch im Gange“, heißt es in einem geheimen Düsseldorfer Gestapo-Bericht vom 26. August 1943 an das Reichssicherheitshauptamt in Berlin.[137]

[S. 279]

Briefe von hingerichteten Verwandten wurden im kleinen privaten Kreis zur gegenseitigen Erbauung verlesen. Das Oberlandesgericht München klagte am 28. Februar 1945 den Bäcker Gerhard Hempel aus Weißenberg, seine Frau Maria und eine weitere Zeugin Jehovas aus Sachsen unter anderem an: „An Pfingsten 1943 fand in seiner Wohnung eine Bibelbesprechung statt, bei der Walter Hempel aus Briefen seines wegen Heeresdienstverweigerung [1942] hingerichteten Schwiegersohnes [Walter Karl] Schäfer vorlas und in denen die Ablehnung des Fahneneides verherrlicht wurde.“[138] Die Briefe verfehlten ihre Kraft auch nicht auf Außenstehende. Helmut Schmidt aus Halle/Saale berichtet, wie seine Mutter im Kriegsjahr 1944 – er war damals 13 Jahre alt – eine fremde Frau, die sie auf dem Friedhof kennengelernt hatte, zum Übernachten mitbrachte. Ihr Mann war im Zuchthaus „Roter Ochse“ als Bibelforscher hingerichtet worden. Helmut Schmidt schreibt:

„Die folgende Nacht verbrachten wir damit, daß wir die Abschiedsbriefe dieses Mannes lasen, und die Frau, obwohl selbst kein Bibelforscher, uns viel über die Hoffnung ihres Mannes erzählte. Die Gespräche […] weckten bei Mutter und auch bei mir das Interesse an der biblischen Wahrheit und meine Mutter begann nach den Bibelforschern zu suchen.“ (Er schloß sich später ebenfalls der Glaubensgemeinschaft an.)[139]

2.1 „Fürchtet euch nicht“, „Briefe, Nr. 4“ und „Zur gefälligen Beachtung“

Wie hoch der Stellenwert der Abschiedsbriefe unter Jehovas Zeugen war, geht aus einer Liste von Untergrundmaterialien hervor, die Ludwig Cyranek 1940 einem Vertrauten in Berlin übergab: Die Schrift „Fürchtet Euch nicht“, die Briefe inhaftierter und hingerichteter Zeugen Jehovas wiedergibt, wurde zusammen mit den bibelerklärenden Artikeln, meist sogenannten Studienartikeln der Zeitschrift Wachtturm, illegal hergestellt und verbreitet.[140]

[S. 280]

Der Inhalt der Untergrundschrift „Fürchtet euch nicht“ ist auszugsweise aus dem Urteil gegen Ludwigs Cyranek und andere Zeugen vom 18. März 1941 Jehovas bekannt. „Fürchtet euch nicht“ nimmt auf die öffentliche Erschießung von August Dickmann am 15. September 1939 auf dem Appellplatz des KZ Sachsenhausen Bezug [141] und leitet dann eine Auswahl von letzten Briefen mit folgenden Worten ein:

„Dickmann war nicht der einzige, der seine Treue gegenüber Jehova mit dem Leben bezahlen mußte. Wohl ihm und allen anderen: Sie haben damit das Leben gewonnen ... Viele sind seit Kriegsbeginn ins Gefängnis gekommen oder zum Tode gebracht worden, weil sie Gott mehr gehorchen wollten als den Menschen. Es wären deren wohl noch viel mehr, wenn nicht ein großer Teil von Jehovas Zeugen längst in Lagern und Gefängnissen schmachten würden. Manche von den Zurückbleibenden hat Furcht ergriffen. Zur Ermutigung aller und zum Troste seien hier einige Briefe solcher Treuer veröffentlicht ... Da er dem Rufe zum Abschlachten von Menschenbrüdern nicht folgte, wurde er verurteilt. (Fürchtet Euch nicht).“[142]

Welche Abschiedsbriefe in der Vervielfältigung „Fürchtet euch nicht“ wiedergegeben sind, ist gegenwärtig nicht bekannt.

Die Untergrundschrift „Briefe, Nr. 4“ – Abschriften von letzten Briefen hingerichteter Zeugen Jehovas – gehörte in den Kriegsjahren zu den im Untergrund von Julius Engelhard vervielfältigten Untergrundschriften, die neben den Wachtturm-Ausgaben und eigenen, selbstverfaßten Beiträgen Verbreitung fanden. In der Schrift heißt es einleitend: [S. 281] „Es folgen einige Briefe von Brüdern, die von Satans Dienern um der Wahrheit und Gerechtigkeit willen ermordet worden sind. Sie verweigerten den Kriegsdienst, wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.“ [143] Als die Gestapo nach längerer, erfolgloser Suche per Haftbefehl am 3. April 1943 Julius Engelhard in Oberhausen-Sterkrade endlich faßte, fand sie außer einer Schreibmaschine, Papier und anderen Materialien zur Herstellung von Wachtturm-Untergrundschriften auch zur Vervielfältigung vorgesehene Abschiedsbriefe von Hingerichteten.[144] Engelhard nahm dazu während eines Gestapo-Verhörs am 6. April 1943 wie folgt Stellung, wobei er den Sachverhalt herunterspielte:

„Ausserdem habe ich auf Weisung des Unbekannten Abschriften von Briefen von in Haft befindlichen Glaubensbrüdern und - schwestern gemacht. Derartige Briefe wurden jedoch seltener hergestellt. [...] Die bei der Durchsuchung meines Zimmers gefundenen handgeschriebenen Briefe usw. habe ich nach und nach von meinem Auftraggeber bekommen mit der Weisung, sie gelegentlich auszuwerten. Ich bin hierzu wegen Arbeitsüberlastung jedoch nur in den seltensten Fällen gekommen. [...] Auf Befragen muss ich zugeben, dass mir der Unbekannte vor nicht allzulanger Zeit einmal gesagt hat, dass er mit Glaubensbrüdern, die als Konzentrationslagerhäftlinge in der Gegend von Düsseldorf mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt sind, in Verbindung stehe. Er erklärte mir bei dieser Gelegenheit weiter, dass er von diesen Häftlingen hin und wieder Briefe bekommen habe.“[145]

[S. 282]

Julius Engelhard hatte die Abschiedsbriefe in Wirklichkeit für die Untergrundschrift Nr. 4, „Briefe“ verwendet. Die Vervielfältigung enthält sechs anonyme Briefe (davon sind drei Briefe an dieselben Adressaten gerichtet), die von verurteilten kriegsdienstverweigernden Zeugen Jehovas an ihre Angehörigen vor der Urteilsvollstreckung geschrieben worden waren. (Hinzu kam der Brief eines KZ-Häftlings und ein Gedicht.)[146] Bei den sechs Briefen handelt es sich um folgende Texte:

Seite 1-5 (3 Briefe): „Liebe Eltern und Geschwister! Zunächst muss ich Euch daran erinnern, dass ich Mutters Briefe leider nicht wieder mit Briefen beantworten konnte, da ich hier nur alle 14 Tage ein Schreiben abschicken kann […] Euer von Euch nicht verstandener und verkannter Sohn und Bruder W… Zeuge Jehovas.“ (Anfang des ersten Briefes.) „Liebe Eltern und Geschwister! Zwei Tage war ich in der Kaserne. Diese zwei Tage waren für mich schwerer als die ganzen Wochen meiner Haft! […]“ (Anfang des zweiten Briefes). „An meine Eltern und Geschwister! Was soll ich euch schreiben oder mit was soll ich mich mit Euch unterhalten? Ich war also aus unserer Familie der einzige, der in’s ewige Leben geht – wer überwindet, wird nicht beschädigt von dem zweiten Tode[147] […] (Anfang des dritten Briefes).

Seite 5-8 (2 Briefe): „Briefe eines Neunzehnjährigen. Brandenburg, den … 42. Meine liebe Mutter und Schwester! Darf an [S. 283] Euch leider nur dieses Blatt schreiben. Die Feder ist gespalten. Bekam am … Zivilanzug um 13 Uhr 15 und um 13.30 Urteilsbestätigung. Dann gleich mit zwei Polizeibeamten nach hier. Mit dem Auto bis Potsdamer Bahnhof, dann Zug und Strassenbahn und 10 Minuten Weg. Zwei Todeskandidaten waren noch mit mir. Diese gefesselt und ich frei. Die Beamten sagten: ‚Dem kannst noch Fahrgeld geben, der fährt noch alleine hin. 15 Uhr 45 in Brandenburg und um 16 Uhr 45 eingeliefert. Habe am 15.XI. früh noch einen Brief an Euch in Tegel abgegeben. Habe in Tegel noch Wäsche abgegeben. Trage jetzt alte geflickte Sachen und Lederlatschen. Komme mit Essen gut aus. Ist etwas besser hier. Letzte Zeit habe [ich] in Tegel meist grösseres Brot erhalten, die letzten zwei Tage vom Nachbar noch die Hälfte Kartoffel. Ich hörte, dass Sonnabend früh Hinrichtung ist. Man sagt mir, es kann noch Wochen dauern. Ich habe so grosse, innere Freude und Ruhe wie noch nie, ich merke daran, dass ich auf richtigem Wege bin und fühle, dass Gott und Christus mit mir sind. […] Es liebt Euch unendlich, es küsst und herzt Euch und umfasst Euch in inniger Liebe, Euer Willy, Auf Wiedersehen bei Jesu […]“ (erster Brief). „Letzter Brief. Brandenburg, den … 42. Meine liebe Mutter und meine liebe Schwester! Ihr meine Guten, erschrickt bitte nicht, seid bitte nicht traurig, weint bitte nicht, lasst Euch bitte nicht vom Schmerz überwältigen, Ich schreibe Euch, meine Liebsten, nun die letzten lieben Zeilen, in den letzten Stunden, die ich noch auf dieser Erde weile, danach werde ich einige Zeit schlafen gehen, um am Tage des Gerichts von unserem lieben Gott auferweckt zu werden auf einer neuen, viel besseren Erde zu einem ewigen Leben in einer Herrlichkeit, die keines Menschen Ohr oder Auge je wahrgenommen hat […]“ (zweiter Brief).

Seite 8 (1 Brief): „Ein anderer schreibt: Meine Liebe, gute Mutter! Es ist nun soweit, und morgen früh werde ich meinen letzten Gang tun. Ich habe mein Vertrauen auf Jesum, meinen Herrn gesetzt und bin des gewiss, dass er mich aufnehmen wird in seinem Reiche […] Ich wurde gleich nach dem Abendbrot in diese Zelle im Keller gebracht. Bis 3 Minuten [S. 284] nach 5 Uhr weile ich noch auf dieser Erde. Dann hat alles Leid und Trübe ein Ende und ich bin von dieser schlechten Erde erlöst. Sie hatte ja ausser Euch Liebsten doch keine Freude für mich. So weint und trauert nicht, sondern freut Euch, dass ich erlöst bin. Mein Ueberrest erhaltet Ihr nicht zum Begraben. Aber was braucht Ihr mein Grab, wo doch nur ein toter Körper ruht. Ich lebe in Euerm Geiste. Das freut mich; Ihr vergesst mich nie. Ich schreibe auf euern letzten Brief, nachdem erhielt ich keinen mehr. Vor mir liegt die Bibel, daneben Euer Bild. Ich bekam zwei Leberwurststullen und ein Topf Pfefferminztee; habe es gleich aufgegessen und getrunken. Zum Abendbrot gab’s auch Tee. Die Wärter unterhalten sich vor den Zellen. Bin jetzt ungefesselt […] Auf Wiedersehen in seinem Reiche, das er bereitet hat seinen Treuen.“

Im Gestapo-Verhörprotokoll Julius Engelhards vom 15. April 1943 ist ein Hinweis auf den Verfasser des zuletzt genannten Abschiedsbriefes zu finden:

„Mir war bis heute nicht bekannt, dass sich in Nr. 4 der ‚Briefe‘ überschriebenen Druckschrift u.a. der Abschiedsbrief des im Jahre 1942 hingerichteten Sohnes der Frau Hetkamp befindet. Ich habe von der Frau Hetkamp diesen Brief nicht erhalten. Wenn ich ihn trotzdem vervielfältigt habe, dann kann ich ihn nur mit den übrigen Informationen von meinem Auftraggeber erhalten haben. Demnach müßte dieser ihn entweder direkt oder durch eine Mittelsperson von Frau Hetkamp bekommen haben. Es ist aber auch möglich, dass ihn die Frau H. selbst bei ihren gelegentlichen Besuchen zu meinem übrigen Material gelegt hat.“[148]

Gemeint ist Wilhelm Hetkamp, der Sohn von Auguste Hetkamp, den das Regime am 31. Januar 1942 in Brandenburg enthaupten ließ.

Im Laufe der Zeit dachten einige Zeugen Jehovas im Untergrund sogar daran, eine Datei aller Todes- und Haftopfer anzulegen. Wie Julius Engelhard in Gestapo-Verhören aussagte, wurde in dem Flugblatt „Zur gefälligen Beachtung“ (1942/43), „das in Kreisen der süddeutschen Glaubensgeschwister verbreitet worden ist“, zur „Namhaftmachung sämtlicher [S. 285] hingerichteter bezw. in Haft befindlicher Glaubensbrüder aufgefordert“ (Verhör vom 23. Februar 1944); tatsächlich wurde durch das Flugblatt „zur Erstellung eines Verzeichnisses derjenigen Glaubensgeschwister aufgefordert [...], die hingerichtet wurden bezw. sich in Gefangenschaft befinden“ (Verhör vom 2. Mai 1944).[149] Ob das Vorhaben begonnen oder erfolgreich realisiert werden konnte, ist nicht bekannt; eine zeitgenössische Haftopferliste ist nicht überliefert. Der Oberstaatsanwalt in München warf Georg Halder und anderen Zeugen Jehovas im November 1943 den Besitz des Flugblattes vor, und er beschrieb es wie folgt: „‚Zur gefälligen Beachtung, eine Anweisung an die Zonendiener, alle ‚Zeugen Jehovas, die ‚im Machtbereich des Nazi-Regimes ermordet worden sind mitzuteilen.“[150]

Nach der Hinrichtung von Ludwig Cyranek (3. Juli 1941) und der Festnahme von Julius Engelhard (3. April 1943, Hinrichtung am 14. August 1944) konnten andere beherzte Zeugen Jehovas eine Zeitlang die Arbeit im Untergrund fortsetzen, wozu auch die Verbreitung vervielfältigter Abschiedsbriefe gehörte. Narciso Riet, in Mühlheim/Ruhr geboren, doch italienischer Staatsbürger, wurde am 8. Mai 1945 hingerichtet, weil er „sich als maßgeblicher Funktionär in den Jahren 1942 und 1943 für die Internationale Bibelforscher-Vereinigung betätigt und dadurch der Wehrkraftzersetzung schuldig gemacht“ hatte. Ihm wurde vorgeworfen, anläßlich seiner Besuche in Wien bei Vinzens Platays, die „teils der Überbringung illegaler Schriften, teils der Besprechung der Lage der I.B.V. im Reich“ dienten, überdies Folgendes verübt zu haben: „Dem Platays las er auch angebliche Abschiedsbriefe hingerichteter I.B.V.-Anhänger vor.“ So klagte der Volksgerichtshof in Berlin Narciso Riet wie folgt an:

„Unter den von dem Angeklagten auf Matrizen geschriebenen Schriften befindet sich auch eine mit dem Titel ‚Briefe, Nachrichten für die Zeugen Jehovas und ihre Gefährten. […] Für ihre wehrfeindliche Einstellung machen die Bibelforscher ferner dadurch in seelisch besonders wirksamer Weise Propaganda, daß sie Zusammenstellungen der Abschiedsbriefe von wegen Wehrdienstentziehung hingerichteten [S. 286] Bibelforschern vervielfältigen und wie ihre verbotenen Schriften verbreiten.“[151]

Somit fand bis kurz vor Kriegsende die Verbreitung der abgeschriebenen Abschiedsbriefe, nunmehr durch Narciso Riet (und sicherlich über seinen Tod hinaus), neben der Untergrundschrift „Briefe, Nachrichten für die Zeugen Jehovas und ihre Gefährten“ (dabei handelt es sich um zwei Briefe aus dem Frauen-KZ Ravensbrück[152]) eine Fortsetzung.

2.2 Veröffentlichung von Briefen in der Schweiz vor 1945

Mit der Zeit gelangten eine ganze Anzahl Abschiedsbriefe aus Deutschland über die Landesgrenze in die neutrale Schweiz, wo das Berner Wachtturm-Büro eine Zeitlang von staatlichen Behörden unbehelligt in Funktion war, und so konnten die Briefe im Schweizer Schrifttum der Religionsgemeinschaft in deutscher Sprache auszugsweise veröffentlicht werden. Allerdings war die Veröffentlichung nur bis Anfang 1943 möglich. „Die Zensur [in der Schweiz] unterdrückte das Erscheinen dieser Briefe“, so daß die Brieftexte in der Ausgabe Trost vom 15. Mai 1943 gestrichen werden mußten, und erst nach dem Krieg, im November 1945, konnten sie ungehindert im Druck erscheinen.[153]

Der letzte Brief des in Berlin-Plötzensee enthaupteten Österreichers Johann Ellmauer aus Salzburg und Thalgau hat eine besondere Geschichte.[154] Wenn Texte von Abschiedsbriefen Gegenstand eine Verhörs bzw. einer Aussage waren, dann wurden sie zuweilen sogar in Verhörprotokollen der Gestapo festgehalten. Dazu gehört der letzte Gruß von „Hans“ Ellmauer, dessen Brief sich ein Verhörter, offensichtlich gekürzt, „im kleinen Notizbuch abgeschrieben“ und im Untergrund an Ludwig Cyranek weitergegeben hatte („Liebe Frau, die letzten Grüsse und Küsse von Deinem Mann. Die letzten Grüsse an alle Salzburger und Thalgauer. Auf Wiedersehen, Hans“).[155] Leitende Zeugen Jehovas im deutschen Untergrundwerk, [S. 287] wahrscheinlich Ludwig Cyranek selbst, ließ den abgeschriebenen Brieftext zusammen mit anderem Tatsachenmaterial in das Schweizer Büro der Religionsgemeinschaft in Bern bringen, wo man in der Zeitschrift Trost vom 15. April 1940 für die Veröffentlichung sorgte. Unter der Überschrift „‚Sei getreu bis zum Tode!‘“ sind Auszüge aus zwei Abschiedsbriefen „als Dokumente christlicher Standhaftigkeit“ zu finden, darunter der Ellmauer-Brief („Ich gehe in die Ruhe, bis mich der Herr wieder ruft“). Die Wachtturm-Gesellschaft meldete in diesem Zusammenhang, dass zusammen mit denen, die „im ‚Frieden‘ umgebracht wurden und worüber die meisten Berichte [1938] im Buche KREUZZUG GEGEN DAS CHRISTENTUM[156] erschienen“, ungefähr „80 Zeugen Jehovas im Dritten Reich um ihres Glaubens willen getötet worden [sind], nicht eingerechnet all diejenigen, die durch aufgezwungene Entbehrungen und ähnliches ein vorzeitiges Ende fanden“.[157] Gleichzeitig nannte der Artikel acht weitere Namen von hingerichteten Zeugen Jehovas und ihr Todesdatum.[158]

Unter der Überschrift „‚Blutmenschen hassen den Unsträflichen‘“ berichtete die Zeitschrift Trost vom 1. Februar 1940 über die vom deutschen Rundfunk gemeldete öffentliche Hinrichtung von August Dickmann aus Dinslaken am 15. September 1939. Die Zeitschrift nennt insgesamt neun Namen von Blutzeugen und beschreibt weitere Fälle von hingerichteten Wehrdienstverweigerern. Dazu gehören die Österreicher Josef Wegscheider und Johann Pichler, die am 26. September 1939 auf dem Militärschießplatz Glanegg erschossen wurden. (Unter starker polizeilicher Bewachung waren die Särge in Salzburg privat beigesetzt worden, und obwohl die Gestapo verboten hatte, den Namen „Jehova“ zu gebrauchen, rief einer der 300 Begräbnisteilnehmer den Toten nach: „Auf ein Wiedersehen [S. 288] im Königreiche Jehovas!“) Der Artikel zitiert gleichzeitig aus drei letzten Briefen von Todeskandidaten, darunter den im November bzw. Dezember 1939 in Berlin-Plötzensee enthaupteten Wilhelm Schenk („[…] bis der Brief ankommt, bin ich von der Erde erlöst“) und Otto Dups („Auf ein frohes Wiedersehen im Königreich, grüßt Euch alle herzlich Euer […]“).[159]

 

3. Gebrauch von Abschiedsbriefen nach 1945

In der Nachkriegszeit veröffentlichten die Schweizer Zeugen Jehovas in ihrer Berner Zeitschrift Trost – die Schweiz hatte die Pressezensur inzwischen aufgehoben – erneut „letzte Briefe“ von Todeskandidaten. Dazu gehörten im November 1945 zunächst drei anonyme Briefe:[160]

1. „Liebe Eltern und Geschwister! Wenn Ihr diesen Brief bekommt, habe ich diese Welt verlassen …“ (ein 18jähriger, hingerichtet „in der Nacht vom 16. zum 17. September 1942“);

2. „Meine Lieben, Es ist jetzt 9 Uhr am Tag meiner Verhandlung …“ („letzter Brief von einem jungen Mann“);[161]

3. „Liebe Hildegard! Wenn ich allein in meiner Zelle auf meinem Lager liege … („teilweise Wiedergabe eines Briefes, den ein Ehemann an seine Frau schrieb“).

Am 15. Januar 1946 zitiert die Zeitschrift Trost aus Bernhard Grimms Brief, ohne ihn namentlich zu nennen („Hier möchte ich aber noch einflechten, daß es mein freier Wille ist, unserm Schöpfer meine Treue mit dem Tode zu besiegeln.“).[162] In der Ausgabe vom 15. Juni 1946 befinden sich schließlich sechs neue anonyme Abschiedsbriefe, darunter ein weiterer Brief von Bernhard Grimm sowie ein Brief, der Konrad Brzecek (Brzezek) [S. 289] zugeordnet werden kann. Die Herausgeber erklären zu den Motiven und der Intention der Veröffentlichung:

„Sie ist kein Eigenlob, noch dient sie der Verherrlichung von Menschen. Der nüchtern Denkende berücksichtigt dabei, daß – entgegen landläufiger Auffassung – alles Märtyrertum unter Menschen keine neue Welt schafft, sondern daß Gott sie schaffen wird. […] All die verfolgten Christen haben viel Ursache, besonders wenn sie zurückblicken, sich über ihre Leiden als Christen zu freuen, doch werden sie nicht damit prahlen. Und so dienen auch diese Berichte nur dem einen Zwecke, ein Zeugnis für den Höchsten zu sein, und nicht etwa, um eine Konjunktur in derlei Schrifttum auszunützen.“[163]

Zu den Briefen gehören folgende Texte:

1. „Liebe Eltern! Friede sei mit Euch […] (von einem „jugendlichen Zeugen Jehovas“);

2. „Meine liebe Erna! Deine lieben Briefe, wie auch den letzten vom 31.5. habe ich dankend erhalten. Es ist heute meine letzte Nacht […]“ (Konrad Brzecek [Brzezek], Brief vom 5./6. Juni 1942 aus Brandenburg);

3. „Liebste Eltern! Liebster Karle! Danket dem Herrn, denn er ist freundlich … Euer Euch heiß liebender Bernde“ (Bernhard Grimm);

4. „Meine Lieben! … Ich gehe mit gutem Gewissen zum Gericht, war ich doch allezeit bestrebt, Gottes Gebote zu befolgen“ (von „einem Neunzehnjährigen“);

5. „Lieber Bruder! Wenn es Dich treffen sollte [in die gleiche Lage wie ich zu kommen], so sei mutig und stark und befiehl Jehova alles an!“ („unzensierter Brief, den ein zum Tode Verurteilter an seinen leiblichen Bruder schrieb“);

[S. 290]

6. „Meine Lieben! Ihr schreibt von schweren Stunden für mich. Ich kann Euch nur ehrlich ganz versichern, daß ich keine Spur davon merke; denn unser Herr und Meister ist ganz bei mir und gibt mir seinen Frieden und seine Freude!“.[164]

Bis heute finden sich in den Veröffentlichungen der Wachtturm-Gesellschaft der Zeugen Jehovas – als Zeugnisse der Tapferkeit und des unerschütterlichen christlichen Glaubens – Belege für letzte Briefe von Glaubensangehörigen, die wegen Kriegsdienstverweigerung oder „Wehrkraftzersetzung“ von den Nationalsozialisten ermordet worden sind.

Im Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974 – die Ausgabe enthält den ausführlichsten Verfolgungsbericht der weltweiten Religionsgemeinschaft zu Deutschland – ist der Brief von Johannes Harms vollständig abgedruckt („Und nun ist auch mir Gelegenheit gegeben, dem Herrn gegenüber die Treue zu beweisen, ja die Treue nicht nur bis an den Tod, sondern bis in den Tod.“).[165] Das Jahrbuch zitiert aus dem letzten Brief von Kurt Auschner (1942) an seine Mutter und zwar die ermutigenden Zeilen an seinen Bruder Rudolf Auschner, der ihm später (1944) aus dem gleichen Grund, als Kriegsdienstverweigerer, in den Tod folgen sollte („Mein lieber Bruder! Im letzten Brief hatte ich Dich an ein Buch erinnert und ich hoffe, daß Du es Dir inzwischen zu Herzen genommen hast, was Dir gewiß nur von Nutzen sein wird.“)[166], sowie aus dem Brief von Ernst Rehwald an seinen Bruder Hans Rehwald, der ebenfalls hingerichtet werden sollte („Lieber Hans, sollte es Dir so ergehen wie mir, dann denke an die Macht des Gebetes. Ich kenne keine Furcht, denn in meinem Herzen ist der Friede Gottes.“)[167]. Außerdem enthält die Publikation letzte Briefe von Rolf Appel aus Süderbrarup („Nebenan sitzen drei junge Brüder, die morgen früh denselben Weg gehen wie ich. Ihre Augen strahlen.“)[168] und Ludwig Cyranek („Möge Euch das Herz nicht erschrecken, ja, vielmehr [S. 291] fasset Euch, denn so ist es sicherlich besser für Euch als mich dauernd im Zuchthaus wissend, was eine ständige Sorge für Euch wäre.“).[169]

Zu den im Laufe der Zeit in anderen Wachtturm-Veröffentlichungen zitierten „letzten Worten“ gehört der Brief von Marcel Sutter aus Elsaß-Lothringen („Nur ein paar Stunden trennen mich noch vom Tod. Ich bitte Euch, stark und mutig zu sein; weint nicht, denn ich habe gesiegt.“).[170] In einem Geschichtswerk der Religionsgemeinschaft befinden sich Abschriften der Briefe von Franz Reiter („Meine Lieben alle, macht Euch kein schweres Herz. Es wäre für Euch alle gut, die Heilige Schrift besser zu kennen. Wenn Ihr alle standhaft seid bis in den Tod, so können wir uns bei der Auferstehung wiedersehen.“) und Berthold Szabo aus Ungarn („In diesen eineinhalb Stunden, die mir noch verbleiben, möchte ich versuchen, Dir zu schreiben, damit Du unsere Eltern über meine Lage unterrichten kannst, daß mein Tod unmittelbar bevorsteht. Ich wünsche ihnen den gleichen inneren Frieden, den ich in diesen letzten Augenblicken in dieser unheilvollen Welt empfinde.“).[171] Zu den anonym zitierten Briefeschreibern zählen eine Anzahl weiterer zum Tode Verurteilte (möglicherweise Konrad Brzecek [Brzezek] aus Berlin: „Es ist heute meine letzte Nacht, nachdem ich mein Urteil verlesen bekommen habe und meine letzte Mahlzeit eingenommen habe“).[172] In einigen Fällen werden nur die Umstände der Entstehung eines Abschiedsbriefes geschildert, so im Fall von Herbert Walter aus Falkenberg (Schlesien), der am 9. Mai 1941 in Brandenburg enthauptet wurde.[173]

3.2 In der Ausstellung „Standhaft trotz Verfolgung“

Eine Anzahl Abschiedsbriefe hingerichteter Zeugen Jehovas befinden sich in der Wanderausstellung „Standhaft trotz Verfolgung – Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime“. Der Titel geht auf die gleichnamige Videodokumentation (78 Min., Schulklassenversion 28 Min.) der Wachtturm-Gesellschaft der Zeugen Jehovas zurück, die 1996 zunächst in [S. 292] Deutsch und Englisch produziert wurde (inzwischen in über 30 Sprachen). „Aus den bloßen Zahlen der Schikanierten, der vom Arbeitsplatz vertriebenen, der Inhaftierten, der Gefolterten und Ermordeten hebt sie die Schicksale einzelner Menschen hervor“, schrieb Die Zeit zur Ausstellungseröffnung in Hamburg.[174] In Deutschland stehen drei Ausstellungssets von je 50 Tafeln zur Verfügung, die mancherorts unter dem Titel „Geistiger Widerstand aus christlicher Überzeugung“ gezeigt worden sind. Von November 1996 bis zum Frühjahr 2003 fanden mit den Tafeln an über 600 Orten öffentliche Veranstaltungen statt, die von über 600.000 Personen besucht wurden.

Zu den Hingerichteten, deren letzte Briefe auf den Tafeln der „Standhaft“-Ausstellung abgebildet oder zitiert werden, gehören Hermann Krause („Es ist ein schwerer Schritt, den ich gehen muß, aber der Herr wird mir Kraft und Stärke verleihen, daß ich auch diese letzten Minuten des Lebens überwinde.“)[175], Heinz Bernecker („Etwa sieben Stunden habe ich noch Zeit. Am 19. Juni morgens 5 Uhr 10 Minuten ist meine Gefangenschaft beendet.“),[176] Johannes Harms („So ist auch mir immer noch die Gelegenheit gegeben, mein irdisches Leben zu retten, um das wirkliche Leben zu verlieren.“),[177] Erich Koch („Nun meine Lieben, muß ich es Euch schreiben, was sicher Eure Augen weinen machen wird.“)[178] und Wolfgang Kusserow („So seid nicht traurig, es wird einmal die Zeit kommen, wo wir wieder alle zusammen sein werden.“).[179]

In diesem Zusammenhang ist auch Emmy Zehden zu nennen, die ihren Pflegesohn Horst Schmidt und andere Wehrdienstverweigerer im Berlin des „Dritten Reiches“ versteckt hielt und dafür mit dem Leben büßte. Ihr Abschiedsbrief ist im Begleitheft zur Ausstellung abgebildet, und darin heißt es: „Noch so vieles Liebes möchte ich dir schreiben, aber keine Zeit mehr. Also auf Wiedersehen mein Jungchen.“ Seit Mai 1992 heißt die Straße vor der Gedenkstätte Berlin-Plötzensee, wo die Nationalsozialisten [S. 293] sie am 9. Juni 1944 enthaupten ließen, „Emmy-Zehden-Weg“.[180] Während die sowjetische Front im April 1945 näher rückte, hatte ihr „Jungchen“ Horst Schmidt mit zwei weiteren Leidensgenossen in einer Brandenburger Todeszelle auf die Hinrichtung gewartet, doch Schreibpapier für einen letzten Gruß erhielten die Todeskandidaten in diesen turbulenten Tagen nicht. Horst Schmidt entkam dem Fallbeil nur knapp und erlebte am 27. April 1945 fassungslos seine Befreiung durch russische Soldaten.[181] Erst kürzlich veröffentlichte er eine Autobiographie, in der zwei Abschiedsbriefe seiner Mutter Emmy Zehden als Abschriften und als fotografische Wiedergaben zu sehen sind.[182]

3.4 Im Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas, Selters/Taunus

Die umfangreichste Sammlung von Abschiedsbriefen von Angehörigen der Religionsgemeinschaft, die während der NS-Zeit hingerichtet wurden, befindet sich in Selters/Taunus, dem Sitz der Wachtturm-Gesellschaft der Zeugen Jehovas in Deutschland. Dort entstand im April 1996, sieben Monate vor der Premiere der oben genannten Videodokumentation Standhaft trotz Verfolgung – Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime an der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, ein Geschichtsarchiv.[183] Die Sammlung umfaßt zahlreiche Abschiedsbriefe von Wehrdienstverweigerern, aber auch von Männern und Frauen, die im Untergrundwerk [S. 294] der Zeugen Jehovas aktiv waren und die die NS-Justiz zum Tod durch Hinrichtung verurteilte.

Unter den Archivalien und Kopien, die in der Regel von Verwandten der NS-Opfer beigesteuert wurden, befinden sich gegenwärtig 13 Originalbriefe (geschrieben von eigener Hand durch Todeskandidaten).[184] Hier folgt eine Übersicht der über 60 erfaßten Abschiedsbriefe, wobei hier viele andere eindrucksvolle Haftbriefe von Hingerichteten keine Berücksichtigung finden, weil sie nicht zur Kategorie der „Abschiedsbriefe“[185] gezählt werden können:

Hermann Abke an seine Frau und Kinder. Halle/Saale, 17. Juli 1944 („Heute Mittag erschien das Gericht und erklärte, daß das Urteil an mir um 17 Uhr vollstreckt würde. […] Nun konnte Dein Besuch gar leider nicht mehr stattfinden. Aber liebes Mariechen, wir sehen uns dennoch wieder im Friedensreich. Allzulange wird es wohl nicht mehr dauern […].“), WTA Dok 17/07/44, Kopie.

Emil Ackermann an seine Frau mit Schlußsatz an Großeltern. Brandenburg, 14. November 1941 („Es wird ein Trost sein, wenn ich Dir sage, daß ich bis zur letzten Stunde das Wort Gottes haben durfte und Kraft und Frieden. Einen Frieden meine Teure, den ich nicht zu beschreiben vermag. […] Alles Gute, alles Glück sei Euer Teil. Es gibt ein Wiedersehen, Euer im Herrn Heimgegangener.“), WTA Dok 14/11/41, Fk. vom Original (Abschrift?).

Ernst Amendt an seine Familie. Brandenburg, 16. September 1940 („[…] darum freuet Euch, denn wo Ihr diese Zeilen lest, habe ich bereits die Welt überwunden […] Dankt dem allmächtigen himmlischen Vater, der mir das Vorrecht verliehen hat, als würdiger Zeuge für seinen heiligen Namen mein Leben niederzulegen, um es in seinem herrlichen Friedensreiche durch seine Liebe und Gnade wieder zu erhalten.“), WTA Dok 16/09/40, Originalbrief.

Kurt Auschner an seine Mutter und seinen Bruder Rudolf Auschner. Brandenburg, 28. Februar 1942 („[…] Am Sonnabend, den 28.2.42, 5 Uhr 20 Min. werde ich mein Leben lassen, bis dahin sind jetzt noch sieben Stunden. [S. 295] […] Sind auch die Stunden für uns jetzt schwer, so wird doch die Freude in kurzer Zeit umso größer sein und alles Leid vielfach wieder entschädigen. In dieser frohen Hoffnung scheid ich von dieser Welt und bin dessen gewiß, daß es für uns ein frohes Wiedersehen im Reiche des Herrn geben wird.“), WTA Dok 28/02/42, Kopie.

Rudolf Auschner an seine Mutter. Halle/Saale, 22. September 1944 („Meine innigstgeliebte Mutter! Wenn du wirst diese Zeilen erhalten, liebste Mutter, weile ich nicht mehr auf dieser Welt. O laß Dir diesen Schlag nicht zu schwer fallen, lb. Mutter. Du hast das schwerste und größte Los zu tragen. Aber sei getrost, auch Du wirst belohnt werden. Welche für Gott leiden, leiden nicht umsonst […] Viele Brüder sind diesen Weg gegangen, und auch ich gehe diesen Weg. Bleibe nur dem Herrn treu, damit wir uns wiedersehen […].“), WTA Dok 22/09/44, Kopie.[186]

Heinz Bernecker an seine Frau Elisabeth. Brandenburg, 19. Juni 1942 („Mein inniggeliebtes Lieselein! Noch einmal erlaubt, ein paar Zeilen zu schreiben. Etwa sieben Stunden habe ich noch Zeit. Am 19. Juni morgens 5 Uhr 10 Minuten ist meine Gefangenschaft beendet. […] Ach, wie freue ich mich auf unser Wiedersehen. Das macht ja alles so leicht, ich bin nun so froh und glücklich, nun bald meinen Herrn und Erlöser Jesum Christus sehen zu dürfen.“), WTA Dok 19/06/42, Fk. vom Original.

Ewald Berger an seine Mutter. Berlin-Moabit, 15. Mai 1940 („So verbleibe ich nun Dir, liebste Mutter mein, in der Ferne als Dein auf Freiheit wartender Sohn, in großer Hoffnung, Liebe u. Glaube treu. Dein Sohn Ewald. Gott mir Dir!“), WTA Dok 15/05/40, Fk. vom Original.

Wilhelm Bischoff an seine Frau. Brandenburg, 3. August 1944 („[…] hast Du schon was von unserer lieben guten Mama gehört? [Auguste Hetkamp, die Schwiegermutter, wurde hingerichtet] Es wird für Dich nicht so leicht sein, einen Mann und eine treusorgende Mutter zu verlieren. […] Aber hier müssen wir uns auf Gott verlassen, und nicht schwach werden. “), WTA Dok 03/08/44, Originalbrief.

Karl Bühler an seine Frau. Wiesbaden, 24. Juni 1940 („[…] ob dies die letzten Zeilen sind, sehr wahrscheinlich, denn morgen kommen wir von hier weg“), WTA Dok 24/06/40, Originalbrief.

Herbert Christoph an seine Frau und Kinder. Brandenburg, 26. Dezember 1942 („Das Urteil lautet auf Todesstrafe. Wann es vollstreckt wird, weiß ich nicht genau, aber daß ich in Brandenburg hingerichtet werde, das hat man mir gesagt. […] Wenn wir auf die andere Seite sehen, haben nicht [S. 296] die Menschen mehr zu tragen an ihrem Leid?“), WTA Dok 26/12/42, Kopie.

Elsa Danhofer an ihre Tochter. Berlin-Plötzensee, 6. Oktober 1944 („[…] Nun, liebe Anni, sei nicht traurig, denn es muß sein. Ich gehe nur für kurze Zeit schlafen, dann komm ich wieder, um so größer wird die Freude sein im Königreich Gottes. Denke, ich versäume ja nichts auf dieser Erde. Ich habe mein Leben Gott geweiht, da muß ich jede Stunde bereit sein, es wieder zu legen. […] Grüße an Vater. Um 1/2 12 werde ich hingerichtet.“), WTA Dok 06/10/44, Fk. vom Original.

Kurt Degenkolb an Lisa und ihre Familie. Berlin-Brandenburg, 15. Juni 1943 („Und das Todesurteil, da sage ich, Jehova hat es so überwaltet. Der Wille des Herrn geschehe, Furcht und Zittern können sie mir lange nicht einjagen, sondern mit Freuden werde ich mein Leben für Jehova lassen. […] Wenn das vielleicht etwas komisch klingt, so kann ich nun von mir sagen, daß man hier, wo man von der Außenwelt abgeschnitten ist, dem Herrn nunmehr am nächsten. […] so eine Ruhe, Frieden und Freude, die hatte ich draußen die letzte Zeit nicht. Meine lieben Guten, warum also traurig oder verzagt sein, Jehova ist mit uns und beschirmt alle unsere Wege.“), WTA Dok 15/06/43, Originalbrief.

Helene Delacher an ihren Verlobten Alois Hochrainer, Castel Pietro. Berlin Barnimstraße, 12. November 1943 („[…] Mein Liebster Lois, muß Dir leider mitteilen, daß heute Abend um 5 Uhr das Urteil vollstreckt wird. Aber erschreck nicht, mein Liebster, ich werde meinen Glauben überwinden, es hat halt so sein wollen, das [es] so kommt […].“), WTA Dok 12/11/43, Originalbrief.

Otto Dups an seine Familie und Schwester. Berlin-Plötzensee, 22. Dezember 1939 („Meine Lieben, nun muß ich Euch den Abschied von dieser Welt schreiben. […] Die Vollstreckung des Urteils findet heute den 22ten Dezember statt. Meine Lieben, ihr wisst ja in allem bescheid, ich habe Euch ja alles geschrieben was notwendig war.“), WTA Dok 22/12/39, Fk. vom Original.

Johann Ellmauer an seine Frau. Berlin-Plötzensee, 5. Januar 1940 („Ich send dir die letzten Grüße aus der Ferne. Teile mit, daß mein Urteil vollstreckt wird, aber sei getrost, es gibt ja ein Wiedersehn. Ich bin guten Mutes und wohl auf.“), WTA Dok 05/01/40, Kopie.

Karl Endstrasser an seine Frau und Kinder. Berlin-Plötzensee, 15. Dezember 1939 („Weine nicht, denn wir sind der Welt ein Schauspiel geworden sowohl Engeln als auch Menschen. (1. Korinther 4:9).“), WTA Dok 15/12/39, Kopie.

[S. 297]

August Fehst (1.) an seine Schwester (und Familie). Torgau, 27. Oktober 1944 („Gestern erhielt ich das angekündigte Paket. Freilich habe ich es diesmal nicht mit der Freude geöffnet und die Gaben eurer Liebe in Empfang genommen, wie sonst es war. Ich empfing es nämlich nach dem Zurückkommen von der Verhandlung, in welcher man mich zum Tode verurteilte. […] Ich bitte Euch aber meine Lieben, nehmt davon [vom Besuch] Abstand. Ich möchte Euch den Anblick meiner Lage ersparen. Ich glaube auf diese Weise beiden Teilen unnötige Erregungen zu vermeiden. Behaltet mich in eurem Gedächtnis wie Ihr mich kanntet.“), WTA Dok 27/10/44, Originalbrief. (2.) Abschiedsbrief an seine Verlobte. Halle/Saale, 13. November 1944 („Kurz vor meinem Abscheiden aus dieser Welt sind meine Gedanken auch bei Dir. […] In ca. 2 Stunden bin ich nicht mehr unter den auf Erden Weilenden. Möge Gottes Macht und seine Herrlichkeit sich an mir und vor mir offenbaren.“), WTA Dok 13/11/44, Fk. vom Original.

Heinrich Fundis an seine Frau, Kinder und Mutter. Brandenburg, 17. Dezember 1941 ([...] Meine liebe Frau und Kinder, jetzt wird es bald heißen: Es ist vollbracht. Ich sterbe voller Freude, weil ich das Licht Jehovas und Christus Jesus sehen darf, von Angesicht zu Angesicht […] denn ich sterbe voller Freude, alle Angst ist von mir geflohen. So stärke mich der Herr, denn morgen früh um 5 Uhr findet die Hinrichtung Eures Vaters statt. Ich wache die ganze Nacht und esse und trinke und schreibe hier die letzten Worte meines Erdenlebens in dieser bösen, bitteren Welt, welche ihrem Untergang geweiht ist […] “), WTA Dok 17/12/41, Fk. vom Original (Abschrift?).

Helene Gotthold an ihre Kinder. Berlin-Plötzensee, 8. Dezember 1944 („Ihr könnt mir glauben, ich habe die letzte Nacht gut geschlafen. In meinem Herzen ist Frieden und Ruhe. […] Mein Gebet war täglich, dass Euch der himmlische Vater auf allen Euren Wegen seinen Schutz angedeihen lassen möge. Nun seid alle herzl. gegrüsst und geküsst von Eurer stets liebenden Mutter. Nochmals reiche ich Euch im Geiste beide Hände u. drücke Euch herzlich.“), WTA Dok 08/12/44, Fk. vom Original.

Bernhard Grimm an seine Eltern und seinen Bruder Karl. o. O. [Brandenburg], 20./21. August 1942 („Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich! Meine Liebsten, tut es trotz Eurem Schmerz mir zuliebe, denn nun liegt alles Schwere hinter mir.“), WTA, LB/ZZ Grimm, Kopie.

Bruno Grundmann an seine Mutter. Brandenburg, 18. Juli 1941 („Es ist nun soweit und morgen früh werde ich meinen letzten Gang tun. Ich habe mein Vertrauen auf Jesum, meinen Herrn, gesetzt und bin gewiß, [S. 298] daß er mich aufnehmen wird in seinem Reich. Obwohl ich Euch, meine Lieben, von ganzem Herzen liebe, so bin ich doch bereit, alles, was mir als Mensch lieb und teuer ist, um seinetwillen zu verlassen. [...] So seid nun alle, die Ihr mein gedenket, gegrüßt aus tiefstem Herzen und die Gnade unseres Herrn Jesus sei mit Euch bis in Ewigkeit. Amen! Auf Wiedersehen in seinem Reiche, das er bereitet hat seinen Treuen – Es grüßt Euch, meine Lieben, Bruno. Lebet wohl!“), WTA Dok 18/07/41, Fk. vom Original.

Gustav Henke an seine Frau und Tochter, Halle/Saale, 11. Oktober 1943 („Nun ist es so weit, wie ich Euch in Torgau im zweiten Brief vom 5. September geschrieben habe. Heute Nachmittag 5 Uhr werde ich auf die Richterbank geführt, wo das Urteil vollstreckt wird. Meine Lieben laßt Euch nicht bange machen […]“), WTA Dok 11/10/43, Fk. vom Original.

Hugo Henschel an seinen Sohn, 10. Mai 1944 („Wenn Du diesen Brief erhältst, so freue Dich, denn ich habe ausgeharrt, in 2 Stunden wird das Urteil vollstreckt. […] So noch etwas aus den vergangenen Tagen. Zu hungern braucht ich nicht, der Herr hat mich mit irdischer und himmlischer Speise reichlich versorgt, noch heute konnte ich mit Gottes Wort arbeiten [… (Zensur)] von uns geworden.“), WTA Dok 10/05/44, Fk. vom Original.

Auguste Hetkamp an ihre Tochter. Berlin Barnimstraße, 23. Juli 1944 („Ich kann mir ja vorstellen, daß Ihr ein bißchen bestürzt wart über unser Urteil, aber ich nicht, habe mich auch damit abgefunden, und den wahren Frieden Gottes im Herzen […]“), WTA Dok 23/07/44, Originalbrief.

Wilhelm Hirsch an seine Frau. Halle/Saale, 19. Juni 1944 („[…] Meine liebe Gretel, Du weißt, ich muß diesen Weg der Treue vollenden und ich bitte dich deshalb, sei stark und tapfer. Du kennst auch den Sieg, welcher geoffenbart ist in Christo Jesu, unserem Herrn. […] Es ist ein Vorrecht, seinen Namen zu bekennen und für ihn zu sterben, um auch mit ihm zu leben. Du weißt, liebe Gretel, daß unsere Trennung nur vorübergehend sein wird […] “), WTA Dok 19/06/44, Kopie.

Willy Höhne an seine Frau. Frankfurt/Oder, 7. April 1945 („Letzter Gruß von deinem Willy und Vati! Meine inniggeliebte Frau und lieben Kinder! […] und bin dann am 3.4. nochmals vernommen worden, vielleicht von 3/4 10 Uhr – 1/2 11 Uhr und habe wieder dasselbe erklärt wie in Grossen und dabei gesagt, dass ich jede Arbeit tun will, aber keinen Eid leisten und nicht töten kann. […] seid nicht traurig und weint bitte nicht, wenn ich nun hier meinen letzten Weg gehe, um erschossen zu werden, heute d. 7.4.1945, 7 Uhr früh. Ich bin ruhig und im freudigem Vertrauen [S. 299] auf den Herrn seine Verheißungen […] so der Herr will, werde ich Dir alles erzählen in der Auferstehung.“), WTA Dok 07/04/45, Kopie.

Erwin Karoos an seine Eltern und Geschwister. Brandenburg, 16. September 1942 („[…] Liebe Eltern, ich bin ganz gefasst. Morgen früh um 5.05 habe ich mein Leben beendigt. Seid nicht traurig und lebt in Frieden miteinander. […] Denn wir wissen ja, daß wir uns wiedersehen werden in ewiger Freude und Frieden. Wenn jetzt auf der Erde Frieden geschlossen ist, dann könnt Ihr das Ende dieser Welt täglich erwarten. Dann wird der Herr kommen und Rache üben für sein Volk und es erlösen.“), WTA Dok 16/09/42, Kopie.

Werner Kerlekien an seine Mutter und Geschwister. Pulawy (Polen), 1. April 1940 („Der Schmerz über meinen Tod wird wohl groß sein, aber wisset immer, daß des Teufels Prinzip ist, keinen Menschen, der Jehova allein treu ist, am Leben zu lassen. Aber gegen meine Auferstehung ist er machtlos, bis dahin ist er längst gebunden […] Um 3 Uhr wird der Teufel auf mich anlegen, es wird knallen, und Du liebe Mutter, die Du Dir einen Jungen erzogen hast, der ist dann tot.“), WTA Dok 01/04/40, Fk. vom Original.

Erich Koch an seine Verwandten. Halle/Saale, 19. Juni 1944 („Nun meine Lieben, muß ich es Euch schreiben, was sicher Eure Augen weinen machen wird. Vor etwa einer Stunde bekam ich gesagt, daß mein Urteil am 12. Mai bestätigt worden ist, und nun erst heute um17 Uhr vollstreckt werden wird. Ja, meine liebe Hanni, ist das nicht herrlich, dadurch konnte mich meine liebe Hilda noch zweimal besuchen.“), WTA Dok 19/06/44, Kopie und Fk. vom Original.

Artur Kramm an seine Frau und Kinder. Berlin, 13. August 1943 („Habe Deinen lieben Brief […] bei Gesundheit erhalten und kann Dir nur meinen herzlichsten Dank sagen. Er hat mich gestärkt in allen meinen Gedanken, die ich so hatte. Der Allmächtige Gott hilft immer in der Not, wenn man sich schwach fühlt. […] Bis zum völligen Sieg ist nur noch eine winzige Frist. Ich stehe jetzt ganz nahe davor.“), WTA Dok 13/08/43, Originalbrief.

Hermann Krause an seine Frau. Berlin-Plötzensee, 21. Dezember 1939 („Ich schreibe nun dir, meine geliebte Minna, den allerletzten Brief. Es ist mir eben vom Staatsanwalt bekanntgegeben, daß ich morgen früh um 6 Uhr hierselbst enthauptet werde. So sei nun, mein herzlich geliebtes Weib, recht stark in dem Herrn […] Es ist ein schwerer Schritt, den ich gehen muß, aber der Herr wird mir Kraft und Stärke verleihen, daß ich auch diese letzten Minuten des Lebens überwinde. Bald ist es soweit“), WTA Dok 21/12/39 (2), Kopie und Fk. vom Original.

[S. 300]

Max Krause an seine Frau. Brandenburg, 24. Oktober 1941 („[…] Nun, liebes Lenchen, bist Du mein letztes an was ich denke. Du wirst es wohl ahnen, was ich Dir jetzt schreibe. Denn jetzt ist die Stunde gekommen, wo ich von dir gehe. Sei nun aber nicht traurig, wenn auch der Abschied schwer ist, du bist nicht verlassen. Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen, was ich von Jugend an gehofft habe, treu zu sein bis ans Ende.“), WTA Dok 24/10/41, Fk. vom Original.

Heinrich Kudlocz an seine Eltern und Frau. Berlin-Moabit, 5. Dezember 1941 („Was hätte ich nicht alles gegeben, Ihr [Edit] und Euch diese Nachricht zu ersparen; aber es ging nicht anders und Ihr alle werdet mich doch sicherlich verstehen können, daß ich nicht anders handeln konnte. Es ist ja nur für eine kurze Zeit die Trennung, dann bin ich ja für ewig bei Euch.“), WTA Dok 05/12/41, Fk. vom Original.

Karl Kühnel an seine Familie. Berlin-Plötzensee, 23. Oktober 1939 („Wenn ihr diesen Brief erhaltet, bin ich nicht mehr ein Gefangener, sondern ist mein irdisches Leben schon zu Ende. Ich hatte ja schon einmal Abschied genommen von Euch. […] Verzagt nicht und habt und hegt keinen Groll gegen irgend wen. Es nützt nichts. Nun seit Ihr Eures Glückes Schmied.“), WTA Dok 23/10/39, Fk. vom Original.

Heinrich Kurlbaum an seine Frau und Kinder. Frankreich (Huqueville?), 15. Mai 1944 („Da heute mein letzter Tag ist, da ich Abschied nehmen muß, und nicht mehr in der Lage bin, selbst zu schreiben, wird wohl genügen, daß mein Kamerad den letzten Brief für mich schreibt. Liebe Frau, du weiß ja, wie wir am 19.1. Abschied genommen haben, daß ich diesen Weg für meinen Gott gehen wollte. Nun bitte ich Euch alle, meine Lieben, bleibet auch treu […]“), WTA Dok 15/05/44, Originalbrief.

Wilhelm Kusserow an seine Eltern und Geschwister. Münster, 26. April 1940 („Meinen allerbesten Dank, Dir liebe Mutti, für die schönen Briefe, die mir heute an meinem letzten Abend noch mal alle gezeigt wurden. […]Aber ich will auch jetzt noch weiter auf Gott vertrauen und mein Heil in Jesus Christus erkennen, denn nur durch ihn können wir errettet werden.“), WTA Dok 26/04/40, Fk. vom Original.

Wolfgang Kusserow an seine Eltern und Geschwister via Annemarie Kusserow. Brandenburg, 27. März 1942 („Wie groß wird die Freude sein, wenn wir uns alle wiedersehen. Gewiss ist es jetzt nicht leicht, dieses alles auf uns zu nehmen, aber durch den Glauben und in der Hoffnung an den König und sein Königreich überwinden wir auch das Schlimmste. Und nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes […]“), WTA Dok 27/03/42, Fk. vom Original.

[S. 301]

Wilhelm Letonja an seine Mutter und Geschwister. Brandenburg, 1. September 1942 („Ich kann Euch nochmals wiederholen, daß ich gar nichts bereue und meinem Herrn standhaft geblieben bin. “), WTA Dok 01/09/42, Fk. vom Original.

Gerhard Liebold an seine Braut (oder Frau), seine Mutter sowie Geschwister. Brandenburg, undatiert, vermutlich 6. Mai 1943 („[…] Meine Lieben, seid nun nicht traurig, sondern freut Euch mit mir, denn ich habe mein Ziel erreicht! Wie klein sind doch alle unsere Opfer, im Verhältnis zu all der Herrlichkeit, welche wir empfangen werden. […] Ohne die Kraft des Herrn hätte auch ich diesen Weg nicht zu gehen vermocht. […] Auf Wiedersehen im Königreich Gottes!“), WTA Dok 06/05/43, Kopie.

Kurt Liebold an seine Frau und Familie sowie Eltern. Brandenburg, 8. Mai 1941 („[…]Meine liebe Gretel! Es ist nun die letzte Nacht, bleibe stark und vertraue auf unseren himmlischen Vater durch unseren Herrn Jesus. […] Alle, ihr meine Lieben zusammen! Vergebt mir, nehmt es nicht als Undank hin. […] Seid alle zusammen recht vielmals herzlichst gegrüßt. […] Auf Wiedersehen!“), WTA Dok 08/05/41, Fk. vom Original (?).

Eduard Löwe an seine Eltern und Geschwister. Halle/Saale, 17. September 1943 („Ich bin gestern [… (Zensur)] von Tegel nach Halle gebracht worden […(Zensur)] Heute mittags um 12 h [… (Zensur)] durch das Reichskriegsgericht bekannt gegeben. Die Vollstreckung soll heute nachmittags um 5 h vollzogen werden. Lasset Euch das nicht allzu schwer zu Herzen gehen, wenn es Gottes Wille ist.“), WTA Dok 17/09/43, Originalbrief.

Werner Meetz an seine Eltern und Geschwister. Ohne Ortsangabe, 28. Dezember 1942 („Ich bin gewillt, zu tragen, was man mir zugedacht hat. Und ihr, Ihr müßt es auch ertragen und überwinden! Es gibt für mich keinen anderen Weg […] Trotz gegenwärtiger Stunde habe ich meine innere Ruhe, denn ich war stets bemüht, das Rechte zu tun, und darauf gründet mein ruhiges Gewissen.“), WTA Dok 28/12/42, Kopie.

Henriette Meyer an Helga. Berlin-Plötzensee, 8. Dezember 1944 ([…] Liebe Helga, ich danke auch Dir und Deiner lieben Mutti, daß Ihr unseren geliebten Kindern treu zur Seite steht. Bitte kümmert Euch auch jetzt um sie; daß sie leichter über ihren Schmerz hinweg kommen. Seid allezeit freudig und tapfer. Drücke meinen kleinen Werner schon mal, er ist ja noch so liebesbedürftig. Er war so ernst, als er mich besuchte, er hat mich sicher nicht gekannt in meiner Uniform. Wie mag es Euch Ihr Lieben alle gehen? Ihr müßt so viel schweres durchmachen. Wir gehen jetzt noch ein bißchen schlafen und wenn wir wieder erwachen, dann wird es schön [S. 302] sein, nicht wahr, meine liebe Helga.“), WTA Dok 08/12/44, Fk. vom Original.

Heinrich Ostermöller an seine Familie. Brandenburg, 10. Oktober 1941 („[…] Meine Lieben! Es ist immer besser, von Menschen verachtet und verstoßen zu sein, als von Gott. […] Ich bin nun dem Herrn dankbar und achte es als ein großes Vorrecht, Ihm meine Treue bis in den Tod beweisen zu dürfen. […] Aus eigener Kraft vermag ich es nicht, aber alles in seiner Macht und Stärke!“), WTA Dok 10/10/41, Originalbrief (Abschrift).

Rudolf Prost an seine Eltern und Schwester. Brandenburg, 6. Mai 1943 („[…] Vergebt mir alle meine Schwachheiten, die ich an Euch begangen habe, denn es ist meine letzte Zeit in diesem Leben. […] Die Vollstreckung des Urteils findet heute, den 6.5. um 18 Uhr statt. Es ist schon längst Nachmittag und dauert zwar nicht mehr lange, sodass wenn Ihr diese Zeilen erhaltet, ich schon von dieser Welt geschieden bin. […] meine lieben Eltern, seid vielleicht nicht traurig um meinetwillen, denn ich bin voller Freude, bewußt zu sein, dass ich würdig erfunden bin, für den heiligen Namen Gottes mein Leben zu lassen.“), WTA Dok 06/05/43, Kopie.

Wilhelm Pultar an seine Frau. Halle/Saale, 19. November 1943 („[…] Meine liebe gute Frau, ich muss Dir mitteilen, dass ich heut’, den 19.11.43, Nachmittag 5 Uhr hingerichtet werde. Liebe Liddy, sei nicht traurig und verzage nicht, bald wird Frieden für immer auf Erden sein. Dann gibt es keine Trennung mehr. Ich danke dem Schöpfer von Himmels und Erden, dass er mir die Kraft geschenkt hat, auszuharren bis ans Ende.“), WTA Dok 19/11/43, Kopie.

Josef Rimpl an seine Frau und Kinder. Berlin, 15. Dezember 1939 („Warum es geschieht, ist Euch wohl bekannt, denn […] Ihr wißt selber, wie ich mit euch gewesen bin. Jeder hat von uns Menschen seine Fehler, auch ich. Mit gutem Gewissen kann ich behaupten, daß ich kein Verbrecher, auch kein Raubmörder bin. Es ist besser, wenn es der Wille meines Herrn ist, um Gutes zu leiden als um Böses.“), WTA Dok 15/12/39, Kopie.

Rupert Sauseng an seine Frau und sein Kind. Berlin-Plötzensee, 15. Dezember 1939 („Erschrecke nicht, meine Liebste i. H. [im Herrn], ich bitte soeben auch zum Höchsten für dich um die Kraft, und vertraue auch du dich ruhig Ihm an, der allein Trost und Kraft und Gnade zu spenden vermag, so wirst Du mit Kind der schwersten Prüfung standzuhalten vermögen durch seine Kraft!“), WTA Dok 15/12/39, Kopie.

[S. 303]

Christian Schalk an seine Frau. Berlin-Plötzensee, 11. Juli 1940 („Ich hätte gern gesehen, wenn du mich noch besucht hättest, aber es hat nicht sollen sein […] Liebe Elisabeth, ich habe den guten Kampf gekämpft und den Glauben bewahrt. […] Ich will jetzt schließen in der Hoffnung, dass wir uns dermal einst in einer besseren Welt wieder sehen.“), WTA Dok 11/07/40, Fk. vom Original.

Wilhelm Schenk an Mina und Willi Schenk. Berlin-Plötzensee, 10. November 1939 („Es war nicht möglich, Dich früher zu verständigen, ich habe es heute Abend 7 Uhr selbst erst erfahren. Gott hat es nun wohlgefallen, daß ich meinen Lauf auf dieser Erde beende. Seid nun nicht bedrückt oder verzagt, sondern danket Gott, daß er mir Kraft gegeben hat, alles zu ertragen.“), WTA Dok 10/11/39, Fk. vom Original.

Kurt Schmidt an seine Frau und Kinder. Halle/Saale, 9. März 1944 („[…] Liebe gute Muttel und Kinder, bleibt stark, wenn Ihr diesen Brief leset, und verzagt nicht, es ist mein letzter Brief. Ich bin gegenwärtig hier in Halle. Habe nur noch ein paar Stunden Zeit. Um 5 Uhr Nachmittag wird mein Urteil vollstreckt.“), WTA Dok 09/03/44, Fk. vom Original.

Paul Schreckenbach an seine Frau und Tochter. Torgau, 30. März 1944 („Meine liebe herzensgute Hilda und kleine liebe gute Inge! Grüße Euch meine Lieben mit den Worten, der Friede Gottes sei und bleibe mit Euch […] Wenn diese letzten Zeilen zu Euch, meine Lieben, finden, so sei, meine liebe Hilda, nicht traurig, lege es dann in seine gütigen Vaterhände, der alles fügt und alles hört, denn seine Augen durchlaufen die ganze Erde“), WTA Dok 30/03/44, Originalbrief (Foto).

Hans Schulze an seine Mutter. Brandenburg, 8. Mai 1941 („Ich bin sehr ruhig und staune selbst darüber. Ja, der Herr ist mit seinen Lieben, die treu zu ihm stehen, denn meine Treue geht bis in den Tod, und ich werde auch durchhalten im Glauben an Gott, weiß ich doch, daß die Treue zu Gott nur ein Leben in der ‚Neuen Zeit‘ berechtigt, und ich will nun einmal die neue Welt miterleben, und da muß ich mich jetzt entscheiden.“), WTA Dok 08/05/41, Kopie.

Hans Schulze an seine Verlobte. Brandenburg, 8. Mai 1941 („Ich werde nun nicht mehr unter den Lebenden verweilen, wenn du diesen Brief erhältst. Ja, liebe Liesa, mein Leben war in Gott, so wird auch mein Sterben in Gott sein. Der Herr schenkt mir Ruhe, und ich staune, wie ruhig ich bin. Die letzte Nacht wird durchgewacht bis morgen früh um 5.40 Uhr, wo dann der letzte Entscheid fällt.“), WTA Dok 08/05/41, Fk. vom Original.

Michael Schuster an seine Eltern und Geschwister. Brandenburg, 4. September 1940 („Meine Freude ist sehr groß, da auch mir das große [S. 304] Vorrecht zuteil wurde, als ein treuer und wahrer Zeuge Jehovas mein Leben niederzulegen. Kostbar ist in den Augen Jehovas der Tod seiner Frommen. […] Es ist der schönste Tag meines Lebens! Lebewohl und ein freudiges Wiedersehen im Königreich Gottes, wo es keine Trennung mehr gibt.“), WTA Dok 04/09/40, Kopie.

Johannes Seibold an die Geschwister. Brandenburg, 10. Dezember 1940 („Ich will nun schließen mit dem letzten Gruß an Euch alle. Lebt wohl auf Wiedersehen. Joh[annes] 5:28–29.“), WTA Dok 10/12/40, Fk. von Originalabschrift.

Konrad Seibold jun. an seine Eltern. Brandenburg, 27. März 1942 („Heute habe ich eine Bibel bekommen. […] An meinem Tode ist niemand schuld. Das Ende aller Zeiten ist gekommen. Mein Glaube ist unerschütterlich. Das einzige Leben ist gewiß dem: Denn der ist treu, der es verheißen hat. Wenn Ihr einen wirklichen Glauben habt, dürft Ihr nicht traurig sein. Es gibt ein freudiges Wiedersehen.“), WTA Dok 27/03/42, Fk. vom Original (Abschrift?).

Sigurd Speidel an seine Eltern und seinen Bruder. Brandenburg, 27. Januar 1943 („Im Glauben und Vertrauen auf unseren allmächtigen Gott, unseren König und sein Königreich will ich willig mein Haupt auf den Richtklotz legen. Seid getrost, der Herr wird meiner gedenken.“), WTA Dok 27/01/43, Kopie.

Gustav Stange an seine Frau (Postkarte). Stuttgart, 20. Februar 1942 („Liebe Emma! heute morgen kam das Gericht und hat mir eröffnet, daß das Urteil vollstreckt wird. Sende dir die letzten Grüße von der irdischen Welt. Auf Wiedersehen in dem Herrn befohlen. Sei mutig und stark, Dein Gustel.“), WTA Dok 20/02/42, Kopie (Quelle: Amtsblatt der Landeshauptstadt Stuttgart, 18. Mai 1989).

Gerhard Steinacher an seine Eltern. Berlin-Plötzensee, 29. März 1940 („Liebe Eltern! Also, es hat keinen Sinn, lang umher zu sprechen: es wurde mir vor 2 Stunden um 7 Uhr mitgeteilt, dass ich am nächsten Tag um 5 h. 50 hingerichtet werde. Der Moment ist gekommen, der HERR gebe mir Kraft, ja, der Geist ist stark, aber das Fleisch ist schwach […] verzagt deswegen nicht, im Königreich Gottes kommen wir ja wieder zusammen.“), WTA Dok 29/03/40, Kopie.

Klara Stoffels an Gerhard und Martha. Berlin-Plötzensee, 11. August 1944 („Ich habe die Freude, mit meinem guten, lieben, treuen Fritz [Ehemann, ebenfalls hingerichtet] gemeinsam den Pilgerlauf zu beenden. Ja, was wird uns sein, nur Freude und Glück. Meine Lieben, in diesem Sinne freue ich mich und schaue dem Tod freudig ins Auge und hoffe, daß es Fritz auch tut.“), WTA Dok 11/08/44, Fk. vom Original.

[S. 305]

Marcel Sutter an seine Eltern und seine geistige Schwester (Simone Liebster). Torgau, 10. Oktober 1943 („[…] wo ich binnen zwanzig Minuten zum Tode verurteilt wurde, welches Urteil ich mit einem Lächeln entgegennahm, denn seit dem Moment besitze ich einen Frieden und Ruhe, die man sich kaum zu denken vermag. Nun kann ich sagen: Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt […]“), WTA Dok 10/10/43, Kopie.

Walter Thumann an seine Eltern und Schwester. Halle/Saale, 2. Mai 1944 („Wenn diese Zeilen euch erreichen, ist für mich bereits alles Leid vorbei, denn heute Nachmittag 17 Uhr wird meinem Leben ein Ende gemacht. Wenn es auch etwas Überwindung gekostet hat, so muß aber doch der Geist über das Fleisch siegen. Es ist alles nur die Kraft Gottes, die ich erst jetzt im letzten Moment am stärksten gefühlt habe.“), WTA Dok 02/05/44, Originalbrief.

Rolf Weinen an seine Großeltern und Schwester. Berlin, 2. Dezember 1942 („[…] doch ich kann nicht anders. Und wenn auch. Schließlich muß ich ja doch einmal sterben. […] so wohl wie ich mich jetzt fühle und so glücklich, wie ich jetzt bin, obwohl ich in Gefängnismauern und hinter Schloß und Riegel sitze, war ich noch selten in meinem Leben. […] Es kann mir niemand etwas Schlechtes nachsagen, denn ich habe einen tadellosen Lebenswandel geführt und keinem Menschen etwas zuleide getan.“), WTA Dok 02/12/42, Originalbrief.

Martin Weinhold an seine Frau. Brandenburg, 28. April 1943 („Dieses, mein Lieb, kann ich Dir in dieser Stunde bekennen, niemals habe ich die Gnade unseres Schöpfers und seine große Liebe so gefühlt als in den letzten Tagen, ja jetzt kann ich sagen, in den letzten Stunden. […] Jetzt, wo ich diese Zeilen Dir schreibe, sind noch einige Stunden bis 18 Uhr, und ich habe auch eine Bibel noch mal bekommen und bin ganz gefaßt. […] Gott mit Dir bis wir uns Wiedersehen!“), WTA Dok 28/04/43, Kopie.

Heinz Wenk an seine Eltern. Halle/Saale, 11. Oktober 1943 („Nun möchte ich Euch schnell noch ein paar Zeilen schreiben. Heute Nachmittag ist meine Vollstreckung, nun werde ich bald wieder bei Euch sein. Ich habe den guten Kampf des Glaubens gekämpft und meine Prüfung bestanden. […] Es geht ja nun dem Ende zu, unser großer Führer richtet ja nun sein Reich auf, wo nur Frieden, Glück und Wohlfahrt herrscht […]“), WTA Dok 11/10/43, Kopie.[187]

[S. 306]

Paul Weseler an seine Frau. Potsdam, 3. Juni 1944 („[…] Liebe Frau, musst nicht erschrecken, ich bin zum Tode verurteilt worden, kannst Mutter und die anderen Lieben davon Mitteilung machen, ich habe mich mit allem abgefasst. Liebe Susanne, dieser Brief wird wohl mein letzter sein […] einmal gibt es doch ein großes Wiedersehen und zwar für ewig, und dann keine Trennung mehr.“), WTA Dok 03/06/44, Originalbrief.

Willy Winkler an seine Frau und Tochter. Torgau, 20. September 1943 („Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. […] Doch die feste Gewißheit, im Reiche des Vaters zu leben, macht mich stark im Herrn […] Im Gebet denke ich immer an euch und alle Lieben. […] Wer liegt mir näher als meine Familie?“), WTA Dok 20/09/43, Fk. vom Original.

Wilhelm Woitschaetzki an seine Mutter und Schwester. Brandenburg, 25. November 1942 („Erschreckt bitte nicht, seid bitte nicht traurig, weinet bitte nicht, laßt euch bitte, bitte nicht vom Schmerz überwältigen. Ich schreibe euch nun […] die letzten lieben Zeilen in den letzten Stunden die ich noch auf dieser Erde weile.“), WTA Dok 25/11/42, Fk. vom Original.

Emmy Zehden an ihren Pflegesohn Horst Schmidt. Berlin-Plötzensee, 9. Juni 1944 („Mein lieber Bub! Leider, leider habe ich von Dir so lange nichts gehört. […] 7 Monate habe ich auf mein Gnadengesuch gewartet. Da es nun Gottes Wunsch ist, will ich den Weg gehen, so wie ihn Jesus Christus ging. Wir werden uns bald wiedersehen.“), WTA Dok 09/06/44, Fk. vom Original.

3.3 In Österreich

Zu einer weiteren Verbreitung (nach 1945) der in der Zeitschrift der Zeugen Jehovas Trost veröffentlichten Abschiedsbriefe (Ausgaben 1. Februar 1940, 11. November 1945 und 15. Juni 1946) trug die Sammlung von Alois Moser aus Mondsee (Österreich) bei,[188] der während der NS-Zeit als Zeuge Jehovas sieben Konzentrationslager überlebt hatte.[189] Einleitend schrieb er zu einer Auswahl von vervielfältigten Briefen:

[S. 307]

„Als ich 1945 nach Hause kam, fing ich an, Auszüge aus den Zeitschriften TROST die ‚Abschiedsbriefe von Brüdern‘ herauszunehmen, die eine Stunde vor dem Tod noch an ihre lieben Angehörigen heimschreiben durften. Ihre letzten Glaubensgedanken für UNS wirken außerordentlich sehr glaubensstärkend.“[190]

Bis kurz vor seinem Tod am 31. Oktober 1995 versandte Alois Moser die Abschriften gern einzeln oder im Ensemble zur Glaubensstärkung an Glaubensbrüder, unter denen viele ehemalige Häftlinge waren. Im November 1978 bemerkte er in einem Brief an Pieter den Engelsman: „Die 33 Abschiedsbriefe von noch vielen anderen beweisen ihre Treue bis in den Tod. […] Wiederholt muß man sie mit einer gewissen Begierde lesen und merkt dabei, wie Jehova unseren Glauben stärkt.“[191]

Er ergänzte seine nummerierte Briefesammlung durch weitere Abschriften, so durch alle anonymen Texte aus der Untergrundschrift „Briefe“ (Nr. 4) und offenbar durch neue Abschiedsbriefe, die ihm aus seinem Umfeld bekannt wurden. In seiner Zitatensammlung sind folgende Briefe mit Namen versehen:

Nr. 8 (Franz Mattischek: „Ich habe auch, besonders liebe Mutter, um Euch viel gelitten, denn meine wahre Liebe zu Euch, und immer die Sehnsucht nach Euch hat mir viel schwere Stunden bereitet.“), Nr. 10 (Franz Reiter: „In meinem Glauben bin ich fest überzeugt, daß ich richtig handle.“), Nr. 17 („Willy“, Haftbrief von Wilhelm Woitschaetzki vom 19. November 1942:[192] „Ich habe große innere Freude und Ruhe wie noch nie.“) und Nr. 18 („Willy“, Abschiedsbrief von Wilhelm Woitschaetzki, 25. November 1942: „Mein Überrest erhaltet Ihr nicht zum begraben. [S. 308] Aber was braucht Ihr mein Grab, wo doch nur ein toter Körper ruht. Ich lebe in Eurem Geiste.“).[193]

Im Jahre 1989 brachte die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in ihrem weltweit erscheinenden Jahrbuch den Verfolgungsbericht zu Österreich heraus. Darin sind letzte Briefe von österreichischen Hingerichteten zitiert, so von Franz Reiter („Wenn Ihr alle standhaft seid bis in den Tod, so können wir uns bei der Auferstehung wiedersehen […]“) und Karl Endstrasser („Es kam so, wie ich entschieden habe […]“.[194] Das Geschichtsarchiv der Religionsgemeinschaft in Wien verwahrt eine Anzahl Abschiedsbriefe, wozu auch Originale gehören. Unter anderem sind folgende Briefe aus dem Wiener Archiv bekannt:

Gottfried Herzog ( „Schweren Herzens schreibe ich Dir diese Zeilen. Wenn Du sie liest werde ich nicht mehr unter den Lebenden sein. [...] Meine liebe liebe Pepi! Nimm es nicht zu schwer. Gott wird Euch weiter helfen, es wird ja nicht mehr lange dauern, so werden wir uns wiedersehen [...] meine Liebsten, ja wenn ich doch diese Stunden noch bei Euch sein könnte. 9 Stunden ungefähr habe ich noch zu leben, und da werde ich immer an Euch denken, im Geiste werde ich also bei Euch meine Liebsten sein bis zum letzten Atemzuge. Gott der Herr wird weiterhin mit uns allen sein. Vertrauet nur fest auf ihn. [...] Lebet wohl. Auf Wiedersehen. Behüt euch Gott.“).[195]

Franz Mittendorfer („Sei stark im Herrn und in seiner Kraft wirst Du alles ertragen können, denn diese Zeilen werden die letzten sein von mir wenn es unser Gott Jehova zuläßt. Habe heute 8 Uhr abends die Verständigung erhalten, daß das Todesurteil morgen 6 Uhr früh vollzogen wird. [...] Mein Gott wird meinen Geist durch seine grenzenlose Gnade durch Jesus Christus aufnehmen, denn es ist ja sein Geist mit dem er uns belegt hat. Somit wird es mir nicht schwer sein genauso wie es Pepi und Hanns nicht schwer geworden ist.“).[196]

Franz Pascutti an seine Verlobte und seine Verwandten. Halle, 1944 („Im Anfang seid alle nochmals in Christi herzlich umarmt und geküßt! Mein liebes Herzerl sei nicht traurig sowie auch Eltern, Sissi und Natz, Franzi, Walter und die kleine Reni. Teile Euch mit, daß mein Urteil bestätigt [S. 309] ist, und heute um 17 Uhr vollstreckt wird. Nun sei mein Gebet zum Herrn, daß wir uns bald wiedersehen. [...] Treu bis in den Tod!“).[197]

Fotos von Abschiedsbriefen findet man in der Publikation Die vergessenen Opfer der NS-Zeit – Standhaft trotz Verfolgung (1999), ein Begleitheft für die gleichnamige Ausstellung in Österreich, die von Jehovas Zeugen in Wien verlegt wurde. Abgebildet sind der letzte Brief Willi Letonjas („Der liebe Gott, dem ich diene, gibt mir alles was ich brauche, und er wird mir bestimmt bis zum letzten Augenblick beistehen, daß ich alles siegreich überstehe.“), eine Collage mit dem Abschiedsbrief von Franz Reiter („Ich habe heute mein Urteil erhalten und erschreckt nicht. Es lautet auf Tod und wird morgen früh ausgeführt. Ich habe meine Stärke von Gott erhalten […]) und eine maschinenschriftliche Abschrift des Abschiedsbriefes von Alois Hofer („Viele viele Bussi an dich und meine lieben Kinder, Auf Wiedersehen im Königreich.“). Die Ehefrau hatte aus seiner Hinterlassenschaft einen Hut erhalten, und unter dem Hutband fand sie den Abschiedsbrief ihres Mannes Alois. Außerdem ist eine Originalseite des Briefes von Helene Delacher („Endlich komme ich dazu, dir ein paar Zeilen [zu schreiben …] Mein liebster Lois, aber leider keine gute Botschaft.“) abgebildet.[198]

Die österreichischen Gemeinde der Zeugen Jehovas in Judenburg veröffentlichte 1999 eine Informationsbroschüre, die im Anhang den Brief eines Hingerichteten an seine engsten Verwandten zitiert („Meine Lieben, nun habe ich die Welt überwunden und bitte Euch, daß Ihr mir vergebt meine fleischlichen Schwachheiten, die ich gehabt habe. Nun bitte ich Euch, daß Ihr Euch untereinander liebt, bis daß ich Euch Wiedersehe!“). Die Bildunterschrift lautet: „Abschiedsbrief des wegen Kriegsdienstverweigerung vom NS-Regime am 19.6.1944 im 33. Lebensjahr hingerichteten Knittelfelder Zeugen Jehovas Franz Pascutti. Der Brief war an seine Verlobte, Aloisia Stuhlpfarrer, einer Judenburger Zeugin Jehovas, adressiert.“[199]

[S. 310]

4. Verwendung außerhalb der Wachtturm-Literatur

Es ist erfreulich, dass in neuerer Zeit im Rahmen von Kommentaren zur Kriegsdienstverweigerung der Zeugen Jehovas ihre Abschiedsbriefe, „in denen jene ermordeten Menschen ihre letzten Gedanken niederschrieben, und aus deren Zeilen sich viel über ihre Motivationen und Hoffnungen ablesen lassen“ (Robert Schmidt), in der Literatur Beachtung finden.[200] Das war nicht immer der Fall. In der Literatur von Außenstehenden zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust sind diese Abschiedsbriefe anfänglich weitgehend übersehen worden. Der Historiker Michael Kater bemängelte 1969:

„Typisch für das allgemeine Desinteresse der Fachleute ist der Gedenkband, Letzte Briefe zum Tode Verurteilter 1939-1945,[201] nicht durch das, was er enthält, sondern durch das, was ihm fehlt: nicht ein einziger Abschiedsbrief von zum Tode verurteilten Bibelforschern ist hier zu finden, obschon solche vorhanden sind – den publizierten Beispielen an Aussagekraft keineswegs nachstehend!“.[202]

Dagegen nahm ein Autorkollektiv zwei Briefe von Bibelforschern in dem Buch „Du hast mich heimgesucht bei Nacht“ – Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 bis 1945 (München 1954/1977) auf. Dazu gehört der am 3. Juli 1941 verfaßte letzte Brief von Ludwig Cyranek („Nunmehr muß ich Euch die schmerzliche Eröffnung machen, daß ich mich bei Ankunft dieses Briefes nicht mehr in diesem Dasein befinde.“), den die Nationalsozialisten wegen seiner Untergrundtätigkeit hinrichten ließen. Außerdem ein Brief, der dort anonym abgedruckt ist [S. 311] und Bernhard Grimm („[…] es ist nun schon Mitternacht vorbei, und noch habe ich Zeit zurückzutreten“) zugeordnet werden kann.[203]

Albrecht und Heidi Hartmann zitieren 1986 in einem Beitrag zur Kriegsdienstverweigerung im „Dritten Reich“ den letzten Brief des Österreichers Franz Mattischek („Es kam mir selbst etwas plötzlich, aber es muß ja sein. Wenn Ihr jetzt mein Schreiben leset, so ist für mich schon gesiegt.“).[204] Im gleichen Jahr legte Monika Minninger eine Übersicht zur Verfolgung der Zeugen Jehovas in Bielefeld vor und veröffentlichte erstmals den Abschiedsbrief von Christian Vogel an seine katholische Ehefrau („Meine liebe Frau, Du weißt ja, wie sehr ich an Dir und meinem Sohn hänge; aber ich muß Gott mehr gehorchen als Menschen und nehme hierdurch von Euch, meine Lieben, Abschied für kurze Zeit im Namen Jehovas und seines Sohnes, Jesus Christus.“).[205]

Im Jahre 1991 legte Elke Imberger eine detaillierte Studie zu Widerstand und Dissens in Lübeck und Schleswig-Holstein 1933–1945 vor und zitierte den anonymisierten Abschiedsbrief des Familienvaters Rolf Appel („Wenn Dich dieser Brief erreicht, meine geliebte Maria, und meine vier Kinder, Christa, Walter, Waltraut und Wolfgang, ist alles schon geschehen.“)[206]. Im gleichen Jahr erschien im ersten Band des Heimatgeschichtlichen Wegweisers für Baden-Württemberg (1991) des Studienkreises Deutscher Widerstand in Frankfurt am Main ein bislang unbekannter Abschiedsbrief von Werner Allenberger („Mein Hoffen und Wünschen war immer, Euch, liebe Eltern, wiederzusehen. Aber Gott, der Richter über alles Menschliche und Irdische, wird einsehen, daß ich als ehrlicher Mensch und gottgläubig diesen Tod sterben muß. Ich will nun nicht mehr lange Worte machen und weiß, daß wir nach dem irdischen Leben ein fröhliches Wiedersehen im Himmel feiern werden.“).[207]

[S. 312]

Der Hamburger Historiker Detlef Garbe schuf mit seiner Dissertation Zwischen Widerstand und Martyrium – Die Zeugen Jehovas im ‚Dritten Reich‘ ein umfassendes Nachschlagewerk, das seit 1993 in mehreren gedruckten Auflagen vorliegt. Ein Kapitel zur Kriegsdienstverweigerung der Zeugen Jehovas enthält Zitierungen aus veröffentlichten Abschiedsbriefen, die „von der Schwere des inneren Kampfes, dem sich die Zeugen Jehovas stellten“, Zeugnis ablegen. Das Standardwerk bringt Auszüge aus dem letzten Brief von Johannes Harms („Der Kampf ist zweifelsohne schwer, ich bin aber dem Herrn von ganzem Herzen dankbar, daß er mir auch jetzt angesichts des Todes, eine Freudigkeit gegeben hat, die ich gern mit allen meinen Lieben teilen möchte.“), Franz Mattischek („Ihr werdet ja auch erleichtert aufatmen, wenn ich zur göttlichen Ruhe gelangt bin.“) und von einem anonym zitierten Todeskandidaten, bei dem es sich um Bernhard Grimm handelt („Ach, könnte ich aber in dieser Welt nach der Verleugnung unseres Herrn Jesus Christus noch einmal glücklich werden? – Nie!“).[208]

Eine Anzahl regionaler Dokumentationen zur Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland berücksichtigen Abschiedsbriefe hingerichteter Zeugen Jehovas. So beschreibt Uwe Wieben Einzelschicksale in seiner Heimatstadt Boizenburg und zitiert, was Kurt Klein wenige Stunden vor seiner Hinrichtung am 13. Oktober 1939 an seine Frau schriftlich niederlegte:

„Jetzt ist es soweit. Jetzt ist es nachts um 2.00 Uhr. Um 6.00 Uhr werde ich hingerichtet. Wie freue ich mich, dass ich von Dir noch 3 Briefe bekommen habe. […] Nein, mein Weg ist mir nicht leid. Ich sterbe gern, weil Jehova es so zulässt. Er weiß, wie er alles zu lenken hat. Und er wird einmal dafür Verantwortung fordern. Ich sterbe ungebrochen, in keiner Weise beengt. Gottes Gesetz geht mir über alles.“[209]

In anderen regionalgeschichtlichen Monographien finden sich die letzten Zeilen von Adolf Bultmeyer aus der Berliner Todeszelle („Wenn ich den Feldzug mitgemacht hätte und wäre nicht wiedergekommen, dann [S. 313] wärst Du auch allein. [...] Nun liebe Anna, ich hätte noch den letzten Wunsch, nehme meine Mutter zu Dir, dann seid ihr beiden nicht alleine.“)[210] und von Bernhard Grimm („Seid stark, denn ich bin ja nicht verloren.“).[211]

Hans Werner Kusserow legte 1998 (2003) eine Veröffentlichung zur Verfolgungsgeschichte seiner Familie vor und fügte die letzten Briefe seiner Brüder Wilhelm Kusserow („Nun wisst Ihr ja, daß ich, wie es in der Schrift auch steht, treu bis zum Tode war“) und Wolfgang Kusserow („Nun werde ich als Euer dritter Sohn und Bruder nun morgen früh von Euch gehen müssen.“) bei.[212]

Die Autobiographie von Simone Arnold Liebster enthält eine Abschrift des letztes Briefes ihres hingerichteten Freundes Marcel Sutter („Die Zeit ist nahe, in der Jehova seinen Namen rechtfertigen und der ganzen Schöpfung beweisen wird, daß er der einzig wahre Gott ist. Ich möchte ihm nun meine letzten Stunden weihen, und so will ich diesen Brief abschließen und Euch Lebewohl sagen, bis wir uns bald wiedersehen.“).[213]

Im Internet kann man Abschiedsbriefe von hingerichteten Zeugen Jehovas entdecken, so den Brief von Wilhelm Schenk („Letzten Gruß von eurem Wilhelm.“), der zu den ersten Briefen zählt, die 1939 aus dem deutschen Untergrundwerk an „Reichsleiter“ Winkler in die Niederlande übermittelt wurden.[214] Oder den letzten Brief von Rudolf Redlinghofer („Soeben 7 Uhr Abends kam die Gerichtskommision zu mir in die Zelle [S. 314] und teilte mir mit, daß das Todesurteil rechtskräftig ist, und morgens um 6 Uhr, 10 Minuten vollstreckt wird. Möge der Allmächtige Herr meiner armen Seele gnädig sein, und mich in Frieden aufnehmen und das verheißene Reich! Kein Mensch in der weiten Welt kann solch eine Verfassung sich ausdenken in der sich ein Mensch befindet, der nur mehr Stunden zu leben hat.“).[215] Auch andere Briefeschreiber werden auf Internetseiten zitiert, wie Anton Streyczek („Sende Euch noch viele Grüße und seid geküßt von Eurem Bruder, Schwager und Onkel. Haltet Frieden unter Euch allen und vergebt Euch Eure Schulden. [...] Lebt Wohl auf Wiedersehen im Reiche Gottes.“).[216]

4.1 In Österreich

In der Widerstandsliteratur neueren Datums ist ein Beitrag von Herbert Steiner, und er zeigt den letzten Brief von Franz Mattischek („Liebe Mutter, ich bin nur noch wenige Stunden unter den Lebenden, aber morgen früh um 6 Uhr ist es soweit. Seid nicht traurig ich glaube an meinen Gott u. Christus mein Leben, er wird mir beistehen bis ans Ende. Es kam mir selbst etwas plötzlich, aber es muß ja sein. Wenn Ihr jetzt mein Schreiben lest, so ist für mich schon gesiegt.“) als Faksimile.[217]

Vinzenz Jobst, der sich um die Rehabilitierung des 1943 in Brandenburg enthaupteten Kärntners Anton Uran verdient gemacht hat,[218] veröffentlichte 16 Briefe des Verfolgten, darunter den letzten vom 23. Februar 1943 („Ich habe erfahren, daß das Urteil, das mir auferlegt wurde, rechtlich verbindlich ist und heute abend um 6.30 Uhr vollstreckt wird. Liebe Eltern, dies sind die wenigen Zeilen, die ich noch an Euch schreiben kann.“).[219] Der Abschiedsbrief von Anton Uran befindet sich auch in der Biographie des Zeugen Jehovas Franz Wohlfahrt,[220] der von der Hinrichtung weiterer österreichischer Glaubensbrüder berichtet, einschließlich [S. 315] den letzten Worten seines Bruders Gregor Wohlfahrt jun.(„Morgen früh ist meine Vollstreckung, deren ich nicht wert bin. Warum, über das richtet ein anderer.“) und seines Vaters Gregor Wohlfahrt sen. („Die Hoffnung haben wir, daß es ein Wiedersehen geben wird, Diesseits oder Jenseits.“).[221] Der Brief Anton Urans wird schließlich auch in einer neueren, ausführlichen Arbeit zu den kriegsdienstverweigernden Zeugen Jehovas in Österreich und der NS-Gerichtsbarkeit von Thomas Walter zitiert.[222]

Gyula Varga machte 1998 die gut dokumentierte Verfolgungsgeschichte von Gerhardt Steinacher bekannt, der einen Tag vor seiner Hinrichtung in Berlin-Plötzensee, schrieb:

„Man sieht, wenn die Stunde naht, man ist ein schwacher Mensch. Bis jetzt ist mir Gelegenheit gegeben worden nachzugeben. Ich will ja arbeiten, aber schießen, das kann ich nicht. Das ist eben eine schwere Sache.“[223]

In seiner Arbeit über die juristische Rehabilitierung von Kriegsdienstverweigerern im Nationalsozialismus aus Österreich zeigt Reinhard Moos im Anhang zwei Originale (herausgegeben von Rolf Steininger), die Abschiedsbriefe von Helene Delacher („Also, mein liebster Lois, bleib mir treu für Gottes Königreich; der Herr wird dir schon auch die Kraft u. Stärke geben.“) und Gottfried Herzog („Schweren Herzens schreibe ich Dir diese Zeilen, wenn Du sie liest werde ich nicht mehr unter den Lebenden sein […] nimm es nicht zu schwer, Gott wird Euch weiter helfen; es wird ja nicht mehr lange dauern, so werden wir uns wiedersehn.“).[224]

Ebenfalls in Österreich erschienen in jüngster Zeit „letzte Briefe“ von Zeugen Jehovas, veröffentlicht von Heimo Halbrainer, wozu folgende Personen gehören:

Karl Endstrasser („Es kam so wie ich entschieden habe, lasse den Kopf nicht hängen und verkaufe mein ganzes Zeug, damit Du ein paar Mark hast für Dich und Herta, denn im Königreich brauche ich das Ganze nicht mehr.“), Rupert Sauseng („Und wenn diese auch glauben, mich [S. 316] getötet und Euch genommen zu haben, so wird des Vaters Jehovas Kraft und seines Sohnes uns doch sehr bald zu einem freundlichen Wiedersehen zusammenführen …“), Alois Wagner („Morgen früh um 5 Uhr 30 werde ich den Weg um unseres Herrn Willen antreten. Und der Herr wird mich glücklich und wohlauf zu sich nehmen.“), Alois Hofer („Und zum Abschluß meines letzten Schreibens, meine liebe Frieda, bedanke ich mich bei Dir für die langen Jahre treuer Kameradschaftlichkeit und Deiner Treue und Liebe als meine Frau, gegenüber unseren Kindern mit meinen letzten Worten meiner vorzüglichsten Hochachtung …“), Wilhelm Letonja („ … denn morgen schreibe ich euch nicht mehr“), und Franz Pascutti („Verzeihet mir, daß ich es Euch so hart gemacht habe, aber ich dachte hin und her, aber ich konnte nicht anders.“).[225]

 

5. Theologische Hintergründe

„Auf Wiedersehen!“ taucht in vielen Abschiedsbriefen der zum Tode verurteilten Zeugen Jehovas in Brandenburg-Görden, Berlin-Plötzensee, Halle/Saale und anderen Hinrichtungsorten des NS-Regimes auf. Wie erwähnt, unterscheidet sich die Zukunftserwartung, die ein sterbender Angehöriger dieser Glaubensgemeinschaft hegt, von den Vorstellungen eines Weiterlebens nach dem Tod, wie sie von den traditionellen, kirchlichen Lehren vermittelt werden.

Zeugen Jehovas glauben an die Sterblichkeit der „Seele“ (hier gemäß der hebräischen Bibel der ganze Mensch oder sein Leben), wobei das „Persönlichkeitsmuster“ des Verstorbenen im vollkommenen Gedächtnis des Allmächtigen verbleibt, der die Toten sogleich oder zu seiner bestimmten Zeit wieder zum Leben bringen kann. „Auf Wiedersehen!“ spiegelte die Überzeugung wieder, nach der biblischen Auferstehung (Wiedererschaffung) seine Angehörigen wiederzusehen, wobei für Zeugen Jehovas zwei verschiedene Destinationen oder „Hoffnungen“ gemeint sein können – im Himmel („Königreichsregierung“) und auf der Erde (Herrschaftsgebiet des Königreiches Gottes, das tausendjährige Friedensreich Christi).[226]

Ein Teil der Hingerichteten glaubte daran, im „Himmel“, dem unsichtbaren geistigen Aufenthaltsbereich Gottes und der Engel, als Geistpersonen (nicht als Engel) erneut zum Leben erweckt zu werden, um mit [S. 317] Jesus Christus, gemäß biblischer Lehre der auferstandene Sohn Gottes, Teil seiner himmlischen Königreichsregierung zu werden („himmlische Hoffnung“). Die übrigen Zeugen Jehovas glaubten dagegen, im irdischen Herrschaftsgebiet des Königreiches, also auf der künftigen, von allem Bösen gereinigten Erde, zum künftigen Leben zurückgebracht zu werden, wo sie ihre lieben Angehörigen wiedersehen würden („irdische Hoffnung“). Diese beiden „Hoffnungen“ auf eine unmittelbare oder spätere Wiedererschaffung nach dem Tod – entweder im Himmel oder auf der künftigen „neuen Erde“ (Millennium Christi) – spiegeln sich in vielen Abschiedsbriefen hingerichteter Zeugen Jehovas wider. Die „irdische“ Auferstehungshoffnung kommt zum Beispiel im letzte Brief des Wehrdienstverweigerers Anton Uran zum Ausdruck:

„Nein, aber Gott, unser Herr, wird uns wieder aufrichten und uns neue, vollkommene Körper geben, mit denen wir ihm ewig dienen werden. Frei von Sünde auf der neuen Erde, in Frieden und Rechtschaffenheit. […] Denn ewiges Leben in Gottes Königreich ist wertvoller als ein Leben in der gegenwärtigen sündigen Welt.“[227]

Und Rudolf Auschner formulierte seine Überzeugung, die ihm innere Ruhe verlieh, wie folgt:

„Jetzt ist es Mittag vorbei und um 17 Uhr soll mein Urteil durch das Fallbeil vollstreckt werden. Trotzdem bin ich nicht traurig und schwach. Was können mir denn die Menschen schon tun? Den Leib können sie mir töten, weiter nichts. Da gehe ich nur für einen Augenblick schlafen, um dann in dem neuen von Gott für seine Treuen bereiteten Reiche wieder zu leben und zwar zu ewigem Leben. O, liebe Mutter, der Weg, den ich noch zu gehen habe, ist nicht leicht, nur mit Gottes Hilfe kann ich ihn gehen, sonst bin ich zu schwach dazu. Aber Gott wird mich nicht verlassen. Ich bin glücklich über dieses große Vorrecht. In einer anderen Zelle weint einer wie ein kleines Kind. Ich jedoch kann gar nicht weinen. Nur im Gebet zum Herrn gehen mir die Augen über. Es ist nicht einfach. Viele Brüder sind diesen [S. 318] Weg gegangen und auch ich gehe diesen Weg. Bleibe Du nur dem Herrn treu, damit wir uns wiedersehen.“[228]

Mit Blick auf den „Himmel“ schrieb dagegen Bernhard Grimm: „Bis Euch diese Zeilen erreichen, hat mich der Herr und Meister in seine Herrlichkeit aufgenommen“.[229] Ähnlich drückte sich Heinz Bernecker aus: „Ach wie freue ich mich auf unser Wiedersehen. Das macht ja alles so leicht, ich bin nun so froh und glücklich, nun bald meinen Herrn und Erlöser Jesum Christus sehen zu dürfen.“[230] Der Historiker Detlef Garbe stellt über die Zukunftserwartungen vieler hingerichteter Zeugen Jehovas fest:

„Der durchgestandene Kampf und die Auferstehungshoffnung gaben den Zeugen Jehovas die Kraft zu jener aufrechten Haltung, die gleichermaßen bei ihren Mitgefangenen wie bei den Wehrmachtrichtern einen tiefen Eindruck hinterließ und von der auch die Berichte der sie auf den letzten Weg begleitenden Seelsorger zeugen. Sie starben in der Gewißheit, daß der Tod bald überwunden sein werde, und in der Erwartung der Wiedervereinigung mit den Angehörigen in dem ihnen bereits vor Augen stehenden tausendjährigen Friedensreich Gottes.“[231]

Die Abschiedsbriefe enthalten auffallend viele Zitate aus der Bibel – die Todeskandidaten schöpften offensichtlich Mut und Kraft aus dem Buch. Es war die biblisch begründete Zukunftserwartung, die primär für die persönliche Gewissensentscheidung eines Zeugen Jehovas und für die Festigkeit, mit der der Todeskandidat der Vollstreckung entgegensah, verantwortlich war. Die Briefe spiegeln noch andere religiöse und ethische Standpunkte wieder, die im Angesicht des Todes zum Tragen kamen und auf die hier nicht näher eingegangen wird. Als ideologische Kraftquelle dienten neben der vervielfältigten Wachtturm-Literatur die religiösen Lieder der Religionsgemeinschaft.[232] Bernhard Grimm zitiert möglicherweise, wie oben erwähnt, nicht nur die Bibel, sondern auch ein Bibelforscherlied. [S. 319] (Im Untergrund sind gelegentlich Lieder mit religiösen Inhalten vervielfältigt worden, wie das im Verhörprotokoll Julius Engelhards zum Ausdruck kommt.[233] Ein im KZ Sachsenhausen komponiertes Lied von Erich Frost fand unter den Glaubensbrüdern in Freiheit und in Haft Verbreitung.[234]) Wie ein Lied den Gläubigen eine furchtlose Geisteshaltung vermittelt haben mochte, zeigen zum Beispiel die drei Strophen des Bibelforscher-Liedes 187, „In Gottes Hand“:

„1. In deiner Hand, mein Gott, / Steht meine Zeit allein, / Mein Leben, meine Lieb’, mein Glück, / Mein ganzes armes Sein!

2. In deiner Hand, mein Gott, / Steht alles, was auch kommt. / Du weißt, ob Licht, ob Dunkelheit, Ob Freud’, ob Leid mir frommt.

3. In deiner Hand, mein Gott, / Bin ich von Furcht befreit; / Weiß ich doch, meines Vaters Hand / Schickt mir kein nutzlos Leid.“[235]

Die innere Haltung und Festigkeit eines Zeugen Jehovas spiegelt folgende Stellungnahme wieder, die Paul Schreckenbach an die Richterschaft rund vier Wochen vor seiner Hinrichtung schrieb:

„Torgau, 27.2.1944. Das Reichskriegsgericht, hier. Betr.: Stellungnahme zum Feldurteil. Da der Senat am 24.2. 9.30 Uhr tagte und über mich das Todesurteil aussprach, zeugte das Gericht nur die Stellung zu Gott. Das Gericht hat kein Recht, die zu verurteilen, die die Gebote Gottes halten. Und da dies das Gericht tut – wovon die Tatsachen zeugen – geschieht dies zu ihrem Zeugnis. Darum alles andere aber [S. 320] niemals von Gott eingesetzt ist. Wenn das Gericht normal diejenigen bestrafte, die die Gebote Gottes übertreten, und heute es abändern – aus Furcht die Stellung zu verlieren, weil es ein Mensch fordert – so ist dies ein Zeichen der Ungerechtigkeit und das Gewalt vor Recht geht. Heute tragen alle vom Gericht verurteilten sozialen Elemente, Mörder, Räuber, Brandstifter, Zuchthäusler das ‚Ehrenkleid‘. Somit wird das Kriegshandwerk identifiziert und die Zeit wird den irregeführten Menschen durch solche Massnahmen die Augen öffnen. Bei Gott gibt es keine Nationen sondern Menschen. Gott richtet nicht nach Nationalität, sondern nach den Werken. Der Soldatenrock ist verbunden mit Menschenblut. Dieses verbietet Gott, denn ich bin bereit, die Gebote zu halten. Mein Führer Christus mehr wie Eurer, ihm habe ich meinen Eid gegeben und dem bleibe ich treu, vor dem Sie, meine Herrn, erscheinen werden – ob Sie es glauben oder nicht! –, um Rechenschaft abzulegen. Wenn Sie mich heute auffordern, die Gebote Gottes zu übertreten, so muss ich das entschieden ablehnen und lieber treu meines Eides für Gottes Gebote sterben, als auch sterben auf dem Felde als ein ‚Nichts‘ und untreu Gott gegenüber. So fordere ich Sie auf zu Handeln, weil ich mich in Ihrer Gewalt befinde, und mein Gott Jehova wird noch in dieser Angelegenheit das letzte Wort sagen, dem sie nicht entfliehen. Nun möge Jehova nicht mein unschuldiges Blut von Ihren Händen fordern.“[236]

 

6. Schluß

Anläßlich des 55. Jahrestages der Befreiung der Häftlinge aus dem Zuchthaus Brandenburg sagte der Verfasser am 27. April 2000 am historischen Ort: „An diesem einst berüchtigten Ort des Todes zu stehen, stimmt ernst und nachdenklich. Viele bewegende Abschiedsbriefe zeugen von dem Schmerz und dem Leid, das Menschen hier von Menschen zugefügt worden ist.“[237] Diese Abschiedsbriefe – von den Todeskandidaten mit gefesselten Händen in der Todeszelle geschrieben – sind nicht nur historische Zeugnisse einer ungebrochenen religiösen Gesinnung. Von den letzten Briefzeilen geht eine Kraft aus, die viele Leser auf eine [S. 321] eigentümliche Weise berührt oder – unbeabsichtigt – beschämt, damals wie heute. Der oben erwähnte Wehrmachtsseelsorger Werner Jentsch, der dem Zeugen Jehovas Bernhard Grimm in der Todeszelle begegnete, befand:

„Sterben war hier wirklicher Tod. Und gerade deswegen meine innere Achtung! Hätten die Hunderte von Bibelforschern, die in jenen Jahren starben, nur plumpe Angst gehabt, sie wären bald umgefallen. Daß sie aber angesichts des Schafotts noch geradestanden und strahlend in den Tod gingen, war und ist mir ein Zeichen, daß es sich hier um Leute handelte, die nicht ohne Jesus waren. Sie haben mich beschämt und ich habe sie liebgewonnen, auch wenn ich nicht zu ihrer Gemeinschaft gehöre.“[238]

Die Zeugen Jehovas „gingen für ihre Überzeugung ohne Schwanken in den Tod“, stellt Harald Poelchau, der damalige Gefängnispfarrer von Tegel, der auch in den Todeszellen von Plötzensee und Brandenburg wirkte, fest.[239] „Die Strafanstaltsgeistlichen wurden immer wieder ersucht, die Bibelforscher mit theologischen Argumenten zum Kriegsdienst zu überreden“, doch ist dem Pfarrer „kein Fall bekannt geworden, wo die Bemühungen des Geistlichen oder auch der Verwandten zu einem ‚positiven‘ Ergebnis geführt hätten.“[240]

Es ist diese ungebrochene Überzeugung, die aus den letzten Zeilen der hingerichteten Zeugen Jehovas spricht und die verurteilte Männer ruhig und gefaßt dem Henker entgegenblicken ließ. Ihr „Auf Wiedersehen!“ im Angesicht des Todes kann noch heute Mut machen, für Werte, Überzeugungen und Gewissensentscheidungen im Bewußtsein der „Verantwortung vor Gott und den Menschen (Präambel des deutschen Grundgesetzes) einzustehen, wie sie als Grundrechte auch von den Verfassungen geschützt werden.

[S. 322]

7. Anhang – Unkommentierte Abschiedsbriefe

 

7.1 Wilhelm Kusserow

Münster, den 26.4.1940[241]

Liebe Eltern und Liebe Geschwister!

Meinen allerbesten Dank, Dir Liebe Mutti für die schönen Briefe, die mir heute an meinem letzten Abend noch mal alle gezeigt wurden. Auch den einen Brief von Hildegard, der mir vorenthalten wurde, bekam ich heute zu lesen. Nun wisst Ihr ja, dass ich, wie es in der Schrift auch steht, treu bis zum Tode war. Allerdings ist es sehr schwer, diesen Gang zu gehen. Aber es ist vielleicht besser so und Gott wird es wohl auch so gewollt haben, denn der menschliche Körper und seine Nerven werden ja auch sehr dabei angegriffen, wenn man dauernd den Tod vor sich hat und noch so jung ist. Aber ich will auch jetzt noch weiter auf Gott vertrauen und mein Heil in Jesus Christus erkennen, denn nur durch ihn können wir errettet werden. Er war unser Vorbild. Durch standhafte Ausdauer und Beten haben wir nur die Kraft dieses alles auf uns zu nehmen; vor allem durch unerschütterliches Vertrauen und Glauben, dass er, der Höchste uns vom Tode wiederauferweckt. Möge dieses recht bald geschehen. Aber wir wissen ja, dass Gott gerecht und wahrhaftig ist und daß wir unter seinem Schutz stehen. Dieses alles ist ja in dem Jakobus Brief wunderbar beschrieben.

Meine Lieben Eltern und Geschwister, Ihr wisst ja alle wie sehr ich an Euch hänge, dieses kommt mir immer wieder zum Bewusstsein, wenn ich unser Familienfoto betrachte. Wie gross war doch unsere Harmonie immer zu Hause. Aber wir müssen trotzdem Gott über alles lieben wie es uns unser Führer Jesus Christus vorschrieb. Wenn wir für ihn gerade stehen wird er uns auch dafür belohnen.

Meine Liebe Mutti, Du glaubst gar nicht, was für ein grosser Trost mir Deine Briefe waren, und mir gerade jetzt sind. Ebenso sind mir Papas Briefe ein sehr grosser Trost. Karle, leider ist es zum Besuch zu spät. Mein Wintermantel und Hut ist auch noch hier und ein schmutziges Hemd. Hier im Gericht hat man sich die grösste Mühe gegeben, mein Leben zu erretten, auch im letzten Moment noch. Besonders Herr Rechtsanwalt Dr. Rohr hat sich die erdenklichste Mühe um mich gegeben. Man muss dieses tatsächlich sehr hoch schätzen und anerkennen. Doch hätte ich mich umgestellt, so wäre alles verloren gewesen und umsonst und [S. 323] stände jetzt ausser Gunst Gottes, und die inneren Qualen wären jetzt grösser bei mir gewesen wie sie heute sind, wo ich weiss, dass ich genau nach dem Gesetze Gottes gehandelt habe.

Nun bitte ich Euch, betet weiter zu dem allmächtigen Schöpfer, der alles geschaffen hat und bei dem kein Ding unmöglich ist; für alle Treuen, für Euch und auch für mich. Werde genau jetzt noch das gleiche tun, denn die Zeit ist ja nahe, wo alles in Erfüllung geht, was in der Heiligen Schrift enthalten ist.

Nun seid alle recht herzlichst gegrüsst und auf ein recht baldiges Wiedersehen und wünsche Euch auch viel Mut und Glauben, von Eurem, noch stets an Euch Denkenden Sohn und Bruder

Wilhelm.

Meinen besten Dank für Eure liebe Karte. Leider ist es zum Besuch zu spät. - Mein Wintermantel und Hut sind auch noch hier.

 

7.2 Wilhelm Letonja

Brandenburg, 1.9.1942[242]

Liebe Mutter, liebe Geschwister! Nun ist die letzte Gelegenheit mir geboten, an alle meine Lieben einen Brief zu schreiben. Ihr müßt meine Schrift entschuldigen, denn ich bin gefesselt und sehr behindert beim Schreiben. Es ist jetzt halb zehn Uhr und habe eben vom Scharfrichter die Vorlesung des Urteils gehört, deren Vollstreckung morgen früh um 4 Uhr 50 stattfinden wird.

Es geht mir im Augenblick nicht schlecht, ich habe eine Flasche Bier vor mir stehen, habe eben ein paar belegte Brötchen gegessen, und nun habe ich Zeit, bis morgen früh zum Schreiben. Da habe ich auch eine Bibel verlangt, und wurde mir eine Übersetzung von Menge gebracht, die mich besonders interessiert.

Liebe Kinder, ich habe bisher nur der Pepi ihren langen Brief erhalten. Nun kann ich ihr antworten, daß sie sich wegen dem Besuch nicht mehr bemühen braucht, und auch sonst wären es die paar Minuten nicht mehr Wert gewesen, so viel Geld auszugeben und sich tagelang auf der Eisenbahn herumzuplagen. Ich habe ja sowieso, was ich brauche. Der liebe Gott, dem ich diene, gibt mir alles was ich brauche, und er wird mir bestimmt bis zum letzten Augenblick beistehen, daß ich alles siegreich überstehe.

[S. 324]

Macht euch keinen Kummer meinetwegen, wenn Euch dieser Brief erreicht, dann bin ich ja schon erlöst und von dieser scheußlichen Welt getrennt. Ich kann Euch nochmals wiederholen, daß ich gar nichts bereue und meinem Herrn standhaft geblieben bin. Ihm gebührt Ehre und Dank und alles in aller Ewigkeit. Was das Obst anbelangt, welches mir der Anton nach Tegel geschickt hat, ist wohl schon angekommen, denn es ist nicht angenommen worden. Auch will ich nochmals meinen Dank für die Äpfel, die mir Anton gebracht hat, wiederholen. Es war ein Duft in meiner Zelle, der sogar das Personal reizte.

Nun ist alles vorbei, bis wir das Reich Gottes wieder haben und noch viel besser, denn was er uns verheißen hat, ist wahrhaftig, und er ist treu. Kinder ich erzählte Euch allerhand. Hoffentlich habt ihr Verständnis dafür, denn etwas muß ich darauf setzen, daß die Blätter voll werden, und Ihr etwas mehr von mir kriegt, denn morgen schreibe ich Euch nicht mehr. Eines bitte ich Euch: Sorgt für unsere Mutter und laßt ihr die paar schweren Augenblicke schnell vergehen und liebt Euch einander, wie es sich bei Geschwistern geziemt. Ich danke Euch nochmals und küsse alle recht herzlich. Euer Willy. Auf Wiedersehen.

 

7.3 Michael Schuster

Brandenburg, den 4.9.40[243]

Meine lb. Eltern und Geschwister!

Es ist jetzt abends 21 Uhr und ich befinde mich mit 2 Wachtmeistern in der Abgangszelle. Ich möchte Euch mitteilen, dass ich am 5.8.40 in meiner Verhandlung zum Tode verurteilt wurde. Dieses Urteil ist am 28.8.40 rechtskräftig geworden. Ich werde morgen, den 5.9.1940, früh um 5,40 Uhr hingerichtet. Wenn Euch diese Zeilen erreichen, bin ich schon beim Herrn.

Meine lb. Eltern und Geschwister! Ich habe alle Eure Post bekommen, auch die von Martin, Liesel, Hans Josef und Anny Mathild. Allen meinen besten Dank. Meinem lb. Bruder Martin danke ich bestens für das sinnreiche Gedicht, welches er mir schrieb. Vor allem meiner lb. Mutter und Vater wärmsten Dank für die trostreichen Ermunterungen. Ja meine Lieben, es ist jetzt soweit, wie ich Euch immer schon gesagt habe. Meine Freude ist sehr groß, da auch mir das grosse Vorrecht zuteil wurde, als ein treuer und wahrer Zeuge Jehovas mein Leben niederzulegen. Kostbar ist in den Augen Jehovas der Tod seiner Frommen. O mich zieht’s nach [S. 325] jenen Höhen, wo die ewige Liebe thront, wo die Friedenslüfte wehen und die Treue wird belohnt. So, lb. Eltern und Geschwister, trauert bitte nicht um mich, sondern freut Euch mit mir – ich habe die Welt überwunden. Es ist der schönste Tag meines Lebens! Es sind mit mir noch 4 Brüder an der Reihe – von überall her kommen sie zusammen. Lieber Martin und Liesel, möchtet Ihr eine gute Stütze sein für Vater und Mutter. Vater soll nicht mehr soviel arbeiten, es wird doch reichen für Euch. Liesl u. Scheck werden gerade ihren schönen Urlaub bei Euch verbringen. Macht Euch das Leben schön so gut es geht – ich wünsche Euch viel Vergnügen und ein schöneres Wetter, als es zur Zeit ist. So lb. Eltern, Liesel, Martin, Anny, sowie Hausleut, jung und alt, allen, die ich kenne, rufe ich zum letztenmal ein herzliches Lebewohl zu und ein freudiges Wiedersehen im Königreich Gottes, wo es keine Trennung mehr gibt.

Jehova befohlen Euer Sohn und Bruder

Michel.

Viele Grüsse an Anny Schwaller, Tina Hartmanns, Josef Windschiegl, Zollner Fritz, Henert Marie, Peppi Sg., Luge Resi, Mathild Josef, Gustl, Moritz.

 

7.4 Walter Thumann

Halle, 2.5.44[244]

Meine Lieben Eltern und Schwester!

Wenn diese Zeilen Euch erreichen, ist für mich bereits alles Leid vorbei, denn Heute Nachmittag 17 Uhr wird meinem Leben ein Ende gemacht. Wenn es auch etwas Überwindung gekostet hat, so muß aber doch der Geist über das Fleisch siegen. Es ist alles nur die Kraft Gottes, die ich erst jetzt im letzten Moment am stärksten gefühlt habe. Ohne die Gnade Gottes, wäre es nicht möglich, diesen Weg zu Ende zu gehen. Meine Lieben! Für mich gibt es jetzt keine andere Möglichkeit mehr und ich würde mich nie mehr glücklich fühlen, wenn ich anders handelte. Ich bitte Euch darum, nehmt die Sache nicht so schwer, denn dies geht schnell und die Tränen wird Gott abwischen. Über Euern letzten Besuch in Torgau war ich hinterher noch sehr erfreut, auch noch vielen Dank für alles, was Ihr für mich mitgebracht hattet. Ich habe mir vor Gott und den Menschen nichts zu Schulden kommen lassen, und kann daher mit ruhigen Gewissen diesen letzten Schritt tun. Ein gerechter Richter möge über mich einstmals sein Urteil fällen. Es wäre eine falsche Ansicht, wenn man auf dem [S. 326] Standpunkt stände, die Sache zu umgehen. Euch möchte ich nur eins noch sagen, daß Gott ja schließlich auch andere Menschen finden würde, die diesen Schritt tun, damit die Schrift erfüllt wird. Bei Gott ist kein Ding unmöglich und was er verheißen hat, das wird er auch halten. Es wäre auch ein Unding, gegen eine höhere Gewalt anzukämpfen. Meine Lieben! So hoffe ich nun, daß Ihr auch diesen Schmerz tragen könnt und Euch auch darüber hinwegsetzt. Meine Liebe Schwester! Auch Dir gilt mein letzter Wunsch, bei Deinem weiteren Lebenslauf stets fleißig und ehrlich zu sein, denn nur damit kommt man am Ende am weitesten. Höre stets auf die Eltern, denn sie haben schließlich mehr Erfahrung vom Leben als Du, meine Liebe Marianne. So seid nun zum letzten Mal gegrüßt, Vater, Mutter, Marianne, sowie alle Verwandten, Bekannten, Herr Kießling, Herr Ott[?]. Es grüßt zum letzten Mal

Euer lieber Sohn Walter!

 



[1] Die verschiedenen Bezeichnungen für die Glaubensangehörigen blieben in Deutschland alle in Gebrauch und waren von den jeweiligen rechtlichen Körperschaften der Religionsgemeinschaft abgeleitet, die wie folgt lauten: Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher (1910–1926), Internationale Bibelforscher-Vereinigung oder I.B.V. (1927–1933, 1945), Vereinigung Jehovas Zeugen der Schweiz und Mitteleuropas (1931 ff.), Jehovas Zeugen, Internationale Bibelforscher-Vereinigung e.V., Deutscher Zweig (1946-1956), Wachtturm, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, Deutscher Zweig e.V. (1956-1999), Wachtturm, Bibel- und Traktat-Gesellschaft der Zeugen Jehovas, Deutscher Zweig e.V. (1999 ff.), Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in Deutschland (1989, 1993-1999, seit 1999 e.V.).

[2] Hartmann, Albrecht / Hartmann, Heidi: Kriegsdienstverweigerung im Dritten Reich. Frankfurt am Main 1986, S. 7, 55. Garbe, Detlef: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im „Dritten Reich“, München 41999, S. 375 f. Siehe auch den Hauptbeitrag von Marcus Herrberger in diesem Band.

[3] Plattner, Peter (Leiter der Ausstellung): Das Zuchthaus. Eine Ausstellung über das faschistische Zuchthaus Brandenburg. O.A. (Berlin 1990), S. 90.

[4] Lilje, Hanns: Im finstern Tal. Nürnberg 1947, S. 64f.

[5] Wette, Wolfram: Die Wehrmacht – Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden. Frankfurt am Main 2002, S. 160f.

[6] Poelchau, Harald: Die letzten Stunden. Erinnerungen eines Gefängnispfarrers aufgezeichnet von Graf Alexander Stenbock-Fermor. Berlin 1949, S. 47.

[7] Poelchau (wie Anm. 6), S. 46.

[8] Jehovas Zeugen, Geschichtsarchiv (künftig: WTA), Dok 25/11/42. Hinweis: Die Archiv-Signaturen sind jeweils vom Datum des Dokuments abgeleitet.

[9] So trägt zum Beispiel Elsa Danhofers letzter Brief, den sie am Hinrichtungstag, den 6.10.1944 schrieb, den Eingangsstempel der Behörde vom 12.10.1944 und der Briefumschlag den Poststempel vom 18.10.1944, WTA Dok 6/10/44.

[10] WTA Dok 13/10/43 (Heinz Wenk); siehe auch WTA Dok 05/05/44 (Walter Thumann), wo es heißt: „Der letzte Brief Ihres Sohnes liegt bei.“

[11] WTA Dok 11/05/43 (Gerhard Liebold).

[12] WTA Dok 04/04/44 (Paul Schreckenbach).

[13] WTA Dok 15/06/43.

[14] Halbrainer, Heimo: „In der Gewißheit, daß Ihr den Kampf weiterführen werdet“ – Briefe steirischer WiderstandskämpferInnen aus Todeszelle und KZ, Graz 2000, S. 10.

[15] Varga, Gyula: Er starb für Gottes Ehre – Wie der Mensch und die Akte Gerhard Steinacher vernichtet wurde. Hg. vom Schachendorfer Kulturkreis, Schachendorf 1998, Anhang, S. XIX.

[16] WTA Dok 25/11/42.

[17] WTA Dok 24/10/41.

[18] WTA Dok 08/05/41.

[19] WTA Dok 27/01/43.

[20] WTA Dok 10/05/44.

[21] WTA Dok 01/09/42.

[22] Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, S. 184. (Es sind verschiedene Abschiedsbriefe von Johannes Harms an Angehörige als Abschriften erhalten, vgl. WTA Dok 07/01/41.) Ein Rundschreiben des Reichsministers der Justiz vom 29.10.1943 bestätigt, daß „von den Gerichten der Reichsjustizverwaltung zum Tode verurteilte Männer und Frauen […] Tag und Nacht mindestens an den Händen gefesselt zu halten“ sind; eine Abbildung des Dokuments und der Handfesseln in: Plattner (Anm. 3), S. 81. In der Anlage zu dem oben zitierten Brief vom 9.11.1940, schreibt Johannes Harms: „Weihnachten wurden mir zur Feier des Tages die Fesseln schon um 8 Uhr morgens angelegt, und zum Mittagessen wurde nur die rechte Hand gelöst. Die Beamten waren wohl ärgerlich, daß sie Dienst machen mußten. Ich habe die Gelegenheit wahrgenommen, und habe genau eine Hälfte der Fesseln aufgezeichnet. Die Kanten der Fesseln sind nicht rund, das wäre wohl zu human. Es liegt nun ganz am Beamten, der die Fesseln anlegt; einer läßt sie lose, der andere macht sie ganz fest. Man kann den Arm mit den Zacken ganz durchschieben. Wenn die Fesseln um den Arm gelegt sind, kann man den Schwengarm nur soweit durchschieben, wie der Arm dick ist. Will man sie nun losmachen, gebraucht man einen Schlüssel. – Wenn sie nicht so fest sind, drücken sie nicht so. Im Putzkasten habe ich einen wirklich gebogenen Nagel gefunden, der ersetzt mir alles Nötige. So können die Fesseln nie zu stramm sein“, WTA LB Johannes Harms.

[23] WTA Dok 27/03/42.

[24] WTA Dok 19/06/42. Siehe auch den Brief von Wilhelm Letonja im Anhang.

[25] Um die Lesbarkeit zu verbessern, sind stellenweise behutsam orthographische und grammatikalische Verbesserungen vorgenommen worden.

[26] Handschriftlicher Aktenvermerk zu Abke, Archivalie o.D., Militärarchiv Prag, Fk. in WTA Memo 30/01/2001, wo es heißt: „Der Angekl[agte] ist seit 1925 Bibelforscher.“

[27] Anklageverfügung, 5.6.1944, Reichskriegsgericht, Fk. in WTA Dok 05/06/44.

[28] Begemann, Dieter: Juli 1944 - Ein Wehrdienstverweigerer geht in den Tod. Geschichte des Herforder Zeugen Jehovas Hermann Abke, eines 40jährigen Vaters von drei kleinen Kindern. Neue Westfälische, 17.11.1990.

[29] Ebenda.

[30] Archivalie o.D., Militärarchiv Prag (Anm. 26), Fk. in WTA Memo 30/01/2001.

[31] Begemann, Dieter (Anm. 28). Siehe auch Schlüer, Jochen / Lange, Karl-Heinz: „Wir werden nun mal nicht verstanden“. Schicksale von Zeugen Jehovas im Raum Herford 1933 bis 1945, in: Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford 1998, Bielefeld 1997, S. 126 f.

[32] Gritschneder, Otto: Furchtbare Richter. Verbrecherische Todesurteile deutscher Kriegsgerichte. München 1998, S. 16 ff. (Feldurteil, 27.6.1944).

[33] Viebig, Michael: Das Zuchthaus Halle/Saale als Richtstätte der Nationalsozialistischen Justiz (1942 bis 1945). Ministerium des Innern des Landes Sachsen-Anhalt, Magdeburg (Hg.). Halle/Saale 1998, S. 214.

[34] Mit dem Begriff „Wahrheit“ beschreibt ein Zeuge Jehovas die Gesamtheit der biblischen Glaubenslehren, an die er gläubig geworden ist oder die seinen Lebensweg, den „Weg der Wahrheit“, bestimmten.

[35] Mit „Sünde“ ist der Sündenfall oder die Rebellion gegen Gott der ersten Menschen in Eden (Paradies) gleich zu Beginn der Menschheitsgeschichte gemeint, so daß sie ihren Nachkommen, die nach der Vertreibung aus Eden geboren wurden, nur Tod und Leiden vererben konnten (siehe 1. Mose 3).

[36] Jehovas Zeugen glauben, daß das in der Bibel vorhergesagte irdische Friedensreich Christi, das eine gehorsame Menschheit von Sünde und damit von Krankheit und Tod befreien wird, nahe bevorsteht.

[37] In Anlehnung an das Jesuswort in Matthäus 10,37 (Lutherbibel, 1912): „Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert“.

[38] Hermann Abke denkt hier an die Segnungen des künftigen irdischen Friedensreiches Christi, in dem die Verstorbenen zu einer Auferstehung oder Wiedererschaffung gelangen, also zum Leben als Menschen zurückkehren (Johannes 5,28-29).

[39] Gemäß 2. Timotheus 4,7-8 in der Elberfelder Bibel (EB) von 1905 mit Fußnoten, die hier in eckigen Klammern in den Text eingefügt sind: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt; fortan liegt mir bereit die Krone der Gerechtigkeit, welche der Herr, der gerechte Richter, mir zur Vergeltung geben wird an jenem Tage; nicht allein aber mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieben.“

[40] Mit Blick auf die künftige irdische Auferstehung gleicht der Tod einem vorübergehenden tiefen Schlaf, wobei der Verstorbene ohne Bewußtsein ist.

[41] In Anspielung auf Maleachi 4,1-2 (EB): „Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen; und es werden alle Übermütigen und jeder Täter der Gesetzlosigkeit zu Stoppeln werden; und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht Jehova der Heerscharen, so daß er ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen wird. Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln. Und ihr werdet ausziehen und hüpfen gleich Mastkälbern.“

[42] Hier ist der Schlußkrieg Gottes (Harmagedon) gemeint, der dem Friedensreich Christi den Weg bahnt; eine Anspielung auf Offenbarung 9,6 sowie 16,14-16 (EB): „Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und werden ihn nicht finden, und werden zu sterben begehren, und der Tod flieht vor ihnen. […] Denn es sind Geister von Dämonen, die Zeichen tun, welche zu den Königen des ganzen Erdkreises [Oder: der ganzen bewohnten Erde] ausgehen, sie zu versammeln zu dem Kriege [jenes] großen Tages Gottes, des Allmächtigen. (Siehe, ich komme wie ein Dieb. Glückselig, der da wacht und seine Kleider bewahrt, auf daß er nicht nackt wandle und man seine Schande sehe!) Und er versammelte sie an den Ort, der auf hebräisch Armagedon [Oder: Harmagedon] heißt.“

[43] Die Vereinigung würde durch die künftige Auferstehung der Toten oder dadurch erfolgen, daß seine Frau Harmagdon überleben und in das irdische Friedensreich Christi gelangen würde.

[44] Abschiedsbriefe, Torgau, 15.7.1944; Halle 17.7.1944, in Privatbesitz, Fk. in WTA ZZ Hermann Abke.

[45] Gemäß Haggai 2,7 (EB): „Und ich werde alle Nationen erschüttern; und das Ersehnte aller Nationen wird kommen [Anders übersetzt: die köstlichen Dinge aller Nationen werden kommen], und ich werde dieses Haus mit Herrlichkeit füllen, spricht Jehova der Heerscharen.“

[46] In Anlehung an die wörtliche Bedeutung von Psalm 27,5 (EB): „Denn er wird mich bergen in seiner [Nach anderer Lesart: in einer; wie Ps. 31,20] Hütte am Tage des Übels, er wird mich verbergen in dem Verborgenen [Oder: Schirm, Schutz] seines Zeltes; auf einen Felsen wird er mich erhöhen.“

[47] Mit der „Quelle“ wird in erster Linie Gott gemeint sein, zu dem sie betet.

[48] Gemäß dem Jesuswort in Johannes 16,33 (EB): „Dieses habe ich zu euch geredet, auf daß ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Drangsal; aber seid gutes Mutes, ich habe die Welt überwunden.“ und in 1. Johannes 5,4 (EB): „Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube.“

[49] Gemäß Maleachi 4,2 (EB): „Aber euch, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln. Und ihr werdet ausziehen und hüpfen gleich Mastkälbern.“ Vgl. 2. Samuel 23,4.

[50] Typoskript, 10.7.1998, S. 4, WTA O-ZZ Helga Ackermann.

[51] Vgl. Ladung des Sondergerichts, 26.8.1935, WTA Dok 26/08/35.

[52] Zeitungsartikel, handschriftlicher Vermerk „Gr. Ztg.“ (wahrscheinlich Greizer Stadt-Nachrichten oder Greizer Neueste Nachrichten), 5.9.1935, WTA Per 05/09/35. Der Inhalt der Protestresolution wird hier sinngemäß wiedergegeben. Siehe Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, S. 136f.

[53] Greizer Stadt-Nachrichten, 6.9.1935, WTA Per 06/09/35.

[54] WTA Dok 01/05/41.

[55] Anklageschrift Emil Ackermann, 13.8.1941, WTA Dok 23/08/41 (sic).

[56] So enthält sein Haftbrief vom 10.5.1941 ein Gedicht, WTA Dok 10/05/41.

[57] Typoskript Ackermann (Anm. 50), 10.7.1998, S. 5 f.

[58] Sterbeurkunde, 27.2.1942, WTA Dok 27/02/42.

[59] Beschluß des Wehrbezirkskommando IV in Dresden, 23.4.1942, WTA Dok 23/04/42. Bescheid des Finanzamtes Werdau, 23.4.1942, WTA Dok 23/04/42.

[60] Typoskript Ackermann (Anm. 50), 10.7.1998, S. 3, 6, 11.

[61] Der Bezug auf Rudolf Leistner ist unklar.

[62] Hiob 2,9-10 (EB) lautet: „Da sprach sein Weib zu ihm: Hältst du noch fest an deiner Vollkommenheit? Sage dich los von Gott und stirb! Und er sprach zu ihr: Du redest, wie eine der Törinnen redet. Wir sollten das Gute von Gott annehmen, und das Böse sollten wir nicht auch annehmen? Bei diesem allem sündigte Hiob nicht mit seinen Lippen.“

[63] Wie oben erwähnt, war es ihm gelungen, seiner Frau heimlich einen Brief zuzustecken.

[64] Gemäß 5. Mose 33,25 (EB): „Eisen und Erz seien deine Riegel, und wie deine Tage, so deine Kraft!“ und Sprüche 10,22 (EB): „Der Segen Jehovas, er macht reich, und Anstrengung fügt neben ihm nichts hinzu [Oder: und keinen Kummer fügt er neben ihm hinzu].“

[65] Gemäß Philipper 3,12 (EB): „Nicht daß ich es [d.h. den Preis oder das Ziel] schon ergriffen habe oder schon vollendet [oder: zur Vollkommenheit gebracht] sei; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, indem [oder: weil, od. wozu] ich auch von Christo [Jesu] ergriffen bin.“

[66] Gemäß 2. Korinther 12,9 (EB): „Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht. Daher will ich am allerliebsten mich vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, auf daß die Kraft des Christus über mir wohne.“

[67] Offenbarung 14,13 (EB) lautet: „Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel sagen: Schreibe: Glückselig die Toten, die im Herrn sterben, von nun an! Ja, spricht der Geist, auf daß sie ruhen von ihren Arbeiten, [Oder: Mühen] denn ihre Werke folgen ihnen nach. [Eigentlich, mit ihnen].“

[68] WTA LB Frieda Bühler; Jahrbuch der Zeugen Jehoavas 1974, Wiesbaden 1974, S. 185 f.; vgl. Bembeneck, Lothar / Ulrich, Axel: Widerstand und Verfolgung in Wiesbaden 1933-1945. Eine Dokumentation. Wiesbaden 1990, S. 250. von Raumer, Dietrich: Zeugen Jehovas als Kriegsdienstverweigerer – Ein trauriges Kapitel der Wehrmachtjustiz, in: Hubert Roser (Hg.): Widerstand als Bekenntnis – Die Zeugen Jehovas und das NS-Regime in Baden und Württemberg, Konstanz 1998, S. 199-201. Krause-Schmitt, Ursula u.a.: Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Karlsruhe und Stuttgart. Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.), Frankfurt am Main 1991, S. 138.

[69] Lang, Hans-Wilhelm: Vom „Hargeloffene“ zum treuen Dotzheimer, 1930–1990. Blick zurück: Erinnerungen, Erlebnisse, Eindrücke, Ansichten. im Eigenverlag, 1992, S. 54 f.

[70] WTA, LB Frieda Bühler. Ergänzungen stützen sich auf WTA LB Eva Ballreich. Zur Verurteilungspraxis, siehe Wrobel, Johannes: Die nationalsozialistische Verfolgung der Zeugen Jehovas in Frankfurt am Main, in: Kirchliche Zeitgeschichte (KZG), 2 (2003), S. 422-436, http://www.jwhistory.net/text/wrobel-frankfurt2003.htm.

[71] Matthäus 19,29: „Und ein jeder, der irgend verlassen hat Häuser, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Äcker um meines Namens willen, wird hundertfältig empfangen und ewiges Leben erben.“

[72] Matthäus 10,28, zitiert gemäß verschiedenen Bibelübersetzungen.

[73] Gemäß Röm 8,31: „Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer wider uns?“

[74] Im Wehrmeldeamt in Mannheim gab ein höherer Beamter Eva Ballreich folgende Auskunft: „Ihr Mann ist in Wiesbaden im Gefängnis, er wird im Teil-Kriegsgericht verurteilt. Ich gebe Ihnen eine Besuchserlaubnis und eine Bescheinigung, damit Sie ihm etwas zu Essen bringen dürfen, denn sie bekommen [dort] so wenig“ (WTA, LB Eva Ballreich).

[75] Gemäß 1. Thessalonicher 4,13: „Wir wollen aber nicht, Brüder, daß ihr, was die [im Tode] Entschlafenen betrifft, unkundig seid, auf daß ihr euch nicht betrübet wie auch die übrigen, die keine Hoffnung haben.“

[76] Eva Ballreich berichtet: „Wir wußten nicht, was wir machen sollten. Wir liefen ein paar mal um das Gefängnis herum, ob vielleicht unsere Männer hinter dem Gitter hervor sehen könnten. Da beobachtete uns eine Frau von ihrem Fenster aus und fragte uns, warum wir immer um das Gefängnis herumliefen. Die Frau war sehr nett zu uns, und so erzählten wir den ganzen Sachverhalt. Sie lud uns in ihre Wohnung ein und gab uns auch ein Zimmer in dem wir schlafen konnten. Am dritten Tag, morgens um 9 Uhr, kamen sieben Soldaten an das Gefängnistor, klingelten, wurden eingelassen. Kurz darauf kamen unsere Männer heraus, und ein dritter [Häftling] war dabei, und so wurden diese drei zum Kriegsgericht transportiert […] Der dritte Mann war wegen Fahnenflucht verhaftet, und er bekam 7 Jahre“ (WTA LB Eva Ballreich).

[77] Siehe 1. Korinter 4,9: „Denn mich dünkt, daß Gott uns, die Apostel, als die Letzten dargestellt hat, wie zum Tode bestimmt; denn wir sind der Welt ein Schauspiel geworden, sowohl Engeln als Menschen.“

[78] Harmagedon ist, wie oben erwähnt, die prophezeite Endschlacht Gottes, die alles Böse auf der Erde beseitigen wird.

[79] Eva Ballreich berichtet: „Als wir nach Hause kamen, erzählte ich die Sache meinem Schwiegervater. Er fuhr sofort nach Wiesbaden vor das Kriegsgericht. Er weinte und jammerte um seinen Sohn. Man sagte ihm, man wolle sehen, was sich machen liesse. Nach einigen Tagen kam ein Brief von Wiesbaden, es würde uns eine Gelegenheit geboten, unsere Männer zu beeinflussen. Sollten sie den Kriegsdienst annehmen, dann kann von der Todesstrafe Abstand genommen werden, wenn nicht, so wird das Urteil vollstreckt“ (WTA LB Eva Ballreich).

[80] Die Aufforderung, „stark und mutig“ zu sein, ist eine biblische Redewendung, siehe 5. Mose 31,6; 31,7; 31,23; Josua 1,6; 1,7; 1,9; 1,18; 10,25; 1. Chronika 22,13; 28,20; 2. Chronika 32,7.

[81] Eva Ballreich berichtet: „Einige Tage danach kam die Nachricht, [daß] das ‚Urteil an Ihrem Ehemann heute vollzogen wurde; er liegt im Südfriedhof hinter Ziffer A. Meinem Schwiegervater schreiben sie: ‚Ihr Sohn starb mit dem Ruf „Es lebe Jehova.““ (WTA LB Eva Ballreich).

[82] Gemäß 1. Petrus 4,13 (EB): „Sondern insoweit ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, freuet euch, auf daß ihr auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit mit Frohlocken euch freuet.“

[83] Gemäß Römer 8,17 (EB): „Wenn aber Kinder, so auch Erben, – Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir anders mitleiden, auf daß wir auch mitverherrlicht werden.“ Vgl. 2. Korinther 1:7.

[84] Gemäß Offenbarung 21,1-4 (EB): „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. […] Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

[85] Gemeint ist das nach Lehre der Zeugen Jehovas seit 1914 unsichtbar im Himmel aufgerichtete Königreich Gottes („neue Himmel“), das nach dem Schlußkrieg Gottes Harmagedon über die Überlebenden und eine neue gerechte menschliche Gesellschaft („neue Erde“) herrschen wird. In der Zeit vor Harmagedon werden die wahren Anbeter jedoch mancherlei „Prüfung“ (Leiden, Probleme usw.) unterzogen, was sie für das Leben in der neuen Welt schult.

[86] Mit Blick auf Christus, den Urteilsvollstrecker Gottes, und gemäß Offenbarung 19,15 (EB): „Und aus seinem Munde geht hervor ein scharfes, [zweischneidiges] Schwert, auf daß er damit die Nationen schlage; und er wird sie weiden mit eiserner Rute, und er tritt die Kelter des Weines des Grimmes des Zornes Gottes, des Allmächtigen.“

[87] Gemäß Jesaja 2,4: „Und er wird richten zwischen den Nationen und Recht sprechen vielen Völkern. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugmessern schmieden, und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.“

[88] Siehe Luk 11,49-50 (EB): „Darum hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und etliche von ihnen werden sie töten und vertreiben, auf daß das Blut aller Propheten, welches von Grundlegung der Welt an vergossen worden ist, von diesem Geschlecht gefordert werde.“ Vgl. 1. Mose 9,5; 5. Mose 32,43.

[89] Vgl. Jesaja 24,5 (EB): „Und die Erde ist entweiht worden unter ihren Bewohnern; denn sie haben die Gesetze übertreten, die Satzung überschritten, gebrochen den ewigen Bund.“

[90] 1. Mose 9,6 (EB): „Wer Menschenblut vergießt, durch den Menschen soll sein Blut vergossen werden; denn im Bilde Gottes hat er den Menschen gemacht.“

[91] Vgl. Psalm 72,14 (Lutherbibel, 1912): „Er wird ihre Seele aus dem Trug und Frevel erlösen, und ihr Blut wird teuer geachtet werden vor ihm.“ Matthäus 23,29-30 (EB): „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! denn ihr bauet die Gräber der Propheten und schmücket die Grabmäler der Gerechten und saget: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, so würden wir nicht ihre Teilhaber an dem Blute der Propheten gewesen sein.“

[92] Vgl. Jesaja 13,11 (EB): „Und ich werde an dem Erdkreis heimsuchen die Bosheit, und an den Gesetzlosen ihre Missetat; und ich werde ein Ende machen dem Hochmut der Stolzen und die Hoffart der Gewalttätigen erniedrigen.“ Psalm 106,38; Jesaja 24,5.

[93] Gemäß Röm 16,16 (EB): „Grüßet einander mit heiligem Kuß. Es grüßen euch alle Versammlungen des Christus.“

[94] Mit Bezug auf den Christus, Offenbarung 19,16: „Und er trägt auf seinem Gewande und auf seiner Hüfte einen Namen geschrieben: König der Könige und Herr der Herren.“

[95] Ehrenbuch für die im Zuchthaus Brandenburg-Görden ermordeten Antifaschisten, Band 2 (1940 bis 1942), S. 106. Geburts- und Todesdaten von politischen Gefangenen des Zuchthauses Brandenburg-Goerden in der Zeit von 1940 bis 1945, in: Zum Gedenken. Zuchthaus Brandenburg-Goerden, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (Hg.), S. 22.

[96] Eßlinger Zeitung, 9./10.1.1993, S. 11, wo der Hinrichtungsort irrtümlich mit Berlin-Plötzensee angegeben ist.

[97] Die Biographie von Bernhard Grimm ist gut dokumentiert, vgl. von Raumer, Dietrich (Anm. 68), S. 203-206. Scherrieble, Joachim: Reichenbach an der Fils unterm Hakenkreuz – Ein schwäbisches Industriedorf in der Zeit des Nationalsozialismus. Tübingen / Stuttgart 1994, S. 284f.

[98] „Ostersonntag 1942: Stellungsbefehl erhalten“, Kassiber o.D., Abschrift in Privatbesitz, Fk. in WTA LB/ZZ Grimm.

[99] Lebensbericht Magdalena Grimm, Schwetzingen, 17. März 1971, WTA LB/ZZ Grimm.

[100] Ebenda.

[101] Jentsch, Werner (Hg.): Christliche Stimmen zur Wehrdienstfrage. Kassel 1952, S.  81 f. Jentsch, Werner: Ernstfälle: Erlebtes und Bedachtes. Moers 1992, S. 183. In der 1992 gedruckten Version des Berichts fügt Dr. Werner Jentsch eine Bemerkung über den Zeugen Jehovas Grimm ein, die sich offenbar auf dessen frühere Religionszugehörigkeit bezieht: „In Wirklichkeit war er, wie ich erst Jahrzehnte später erfuhr, evangelisch.“ Siehe auch Garbe, Detlef: Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im „Dritten Reich“. München 1994 (Erstausgabe), S. 387, Anm. 263.

[102] Ebenda (1952), S. 182; Fassung 1992, S. 184.

[103] Ebenda (1952), S. 183. In der Fassung von 1992, S. 185 lautet der letzte Teil der Stelle: „[…] Bernhard schritt die schwere Stiege ruhigen Schrittes hoch. Sein Kopf fiel in einen Sägemehleimer. Er selbst war in den Armen seines Heilandes geborgen.“

[104] Psalm 126 (EB) lautet: „Als Jehova die Gefangenen Zions zurückführte, waren wir wie Träumende. Da ward unser Mund voll Lachens, und unsere Zunge voll Jubels; da sagte man unter den Nationen: Jehova hat Großes an ihnen getan! Jehova hat Großes an uns getan: wir waren fröhlich! Führe unsere Gefangenen zurück, Jehova, gleich Bächen im Mittagslande! Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten. Er geht weinend hin, tragend den Samen zum Säen; er kommt heim mit Jubel, tragend seine Garben.“

[105] Offenbarung 21,1-7 (EB) lautet: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herniederkommen von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Throne saß sprach: Siehe, ich mache alles neu. Und er spricht [zu mir]: Schreibe, denn diese Worte sind gewiß und wahrhaftig. Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst. Wer überwindet, wird dieses ererben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein.“

[106] 1. Korinther 13,13 (EB) lautet: „Laßt uns anständig wandeln wie am Tage; nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Neid.“

[107] Römer 8 (EB) lautet auszugsweise: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesum aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christum aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes. […] Denn ich halte dafür, daß die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, verglichen zu werden mit der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. […] Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe, noch irgend ein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserem Herrn“ (V. 11, 18, 38, 39).

[108] Siehe 1.Chronika 16,34; Psalm 106,1; 107,1; 118,1; 118,29; 136,1; Jeremia 33,11 (Lutherbibel, 1912).

[109] Damit bezieht sich Bernhard Grimm auf den Himmel, was anzeigt, daß er sich zu der Gruppe von Zeugen Jehovas rechnete, die die Berufung in sich trugen, mit Christus im Himmel zu regieren (Auferstehung zu himmlischem Leben). Das stimmt mit seinen letzten Worten überein, die er zu Werner Jentsch sprach: „Sagen Sie bitte meinen Eltern, daß ich ruhig gestorben bin. Ich sehe den Himmel wirklich offen über mir“ (Jentsch 1952, S. 182; Jentsch 1992, S. 185). Im Gegensatz dazu fühlten andere Zeugen Jehovas, daß sie nicht zu himmlischem Leben, sondern zu Leben auf der Erde unter der zukünftigen Friedensherrschaft Christi berufen waren (Auferstehung zu irdischem Leben).

[110] Bernhard Grimm bezieht sich auf den letzten Besuch der Eltern am 26.7.1942.

[111] Seine Eltern hegten offenbar wie er die Berufung zu himmlischem Leben. Das „Wiedersehen“ würde demnach im Himmel stattfinden, nachdem seine Eltern gestorben und auferweckt worden waren.

[112] Hier wird die persönliche Gewissensentscheidung eines Zeugen Jehovas in der Wehrdienstfrage hervorgehoben.

[113] An dieser Stelle enthält die Abschrift des Briefes, die von der Familie Grimm vor vielen Jahren angefertigt wurde, aus unbekannten Gründen Auslassungspunkte. Die Zeitschrift der Zeugen Jehovas Trost, Bern, 15.1.1946, S. 3 enthält folgende Fassung: „Ja, nicht Ihr, sondern diese Stätte und der tägliche Rhythmus sowie die Verwerfung der ganzen Heiligen Schrift, Christis als ‚Saujude‘ usw., gaben mir die Bestätigung von Gottes Wort und seiner Erfüllung. Das erst recht, als ein evangelischer Pfarrer, der mich besuchte, das Alte Testament als Geschichtsbuch der Juden bezeichnete, die Auslegung der Offenbarung als sehr gefährlich bezeichnete, den Tag seiner Gerichte in ungewisse Ferne rückte …“

[114] Gemeint ist, daß nach dem Verständnis der Zeugen Jehovas die Erfüllung der biblischen Verheißungen vom kommenden Friedensreich Christi sehr nahe ist.

[115] Das Alte Testament (Geschichte und Belehrung Israels) und das Neue Testament (Geschichte und Belehrung der Christengemeinde) bilden zusammen ein Buch, die Bibel, und ergänzen sich.

[116] Psalm 86,11 (EB): „Lehre mich, Jehova, deinen Weg: ich werde wandeln in deiner Wahrheit; einige mein Herz zur Furcht deines Namens.“

[117] Hebräer 10,19-23 (EB): „Da wir nun, Brüder, Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum durch das Blut Jesu, den neuen und lebendigen Weg, welchen er uns eingeweiht hat durch den Vorhang, das ist sein Fleisch, und einen großen Priester über das Haus Gottes, so laßt uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewißheit des Glaubens, die Herzen besprengt und also gereinigt vom bösen Gewissen, und den Leib gewaschen mit reinem Wasser. Laßt uns das Bekenntnis der Hoffnung unbeweglich festhalten, (denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat).“

[118] Vgl. Judas 25 (EB): „Dem alleinigen Gott, unserem Heilande, durch Jesum Christum, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt vor aller Zeit und jetzt und in alle Zeitalter! Amen.“

[119] Gemäß 2. Timotheus 4,7-8 (Lutherbibel, 1912): „Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der HERR an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben.“

[120] Vielleicht in Anlehnung an das Bibelforscher-Lied 260, „Frisch auf für Jesu“ oder Lied 58, „Vorwärts“ (1. Strophe: „Vorwärts, frisch voran, / Stets den Blick gericht’t / Auf das Ziel des Weges / Rückwärts schau’n wir nicht! …“), in: Gesänge zum Preise Jehovas, Magdeburg, 1928.

[121] 1. Korinther 1,3-9 (EB): „Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus! Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christo Jesu, daß ihr in ihm in allem reich gemacht worden seid, in allem Wort und aller Erkenntnis, wie das Zeugnis des Christus unter euch befestigt [Oder: bestätigt] worden ist, so daß ihr in keiner Gnadengabe Mangel habt, indem ihr die Offenbarung unseres Herrn Jesu Christi erwartet, welcher euch auch befestigen wird bis ans Ende, daß ihr untadelig seid an dem Tage unseres Herrn Jesus Christus. Gott ist treu, durch welchen ihr berufen worden seid in die Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.“

[122] WTA Dok 10/12/44.

[123] Garbe 1999 (Anm. 2), S. 330-334.

[124] Vgl. Schmidt, Horst: Der Tod kam immer montags. Verfolgt als Kriegsdienstverweigerer im Nationalsozialismus. Essen 2003, S. 15, 63. Arnold Liebster, Simone: Allein vor dem Löwen – Ein kleines Mädchen widersteht dem NS-Regime, Esch-sur-Alzette (Gr.-Duché de Luxembourg) 2002, S. 182-184.

[125] Biblische Betrachtung. Die Prophezeiung Daniels, 4. Teil, W.T. Nr. 18, S. 10, in Privatbesitz (Vegelahn). Die Untergrundschrift ist zwar mit einer eigenen Überschrift versehen, stellt jedoch eine Abschrift und Kopie des in der Schweiz hergestellten Wachtturm-Artikels vom 1.12.1941, „Die Dämonenherrschaft geht zu Ende! 4. Teil“ dar, eine Übersetzung des englischen Originalartikels „Demon Rule Ending. Part 4“ aus dem Watchtower (Brooklyn, N.Y.) vom 1.11.1941, S. 323 ff.

[126] Anklageschrift, 29.11.1943, S. 4, 8, 10, WTA Dok 29/11/43.

[127] WTA, Dok 18/07/41. Den Hinweis verdanke ich Marcus Herrberger.

[128] Anklageschrift Maria Hombach u.a.,WTA Dok 20/08/40.

[129] Urteil Julius Engelhard u.a., WTA Dok 02/06/44.

[130] Anklageschrift Josef Niklasch, WTA Dok 21/12/40.

[131] Anklageschrift Robert Zielke u.a., S. 6, WTA Dok 18/11/44.

[132] Anklageschrift Robert Zielke u.a., S. 2, WTA Dok 18/11/44.

[133] Sandvoß, Hans-Rainer: Zeugen Jehovas, in: Widerstand in Schöneberg und Tempelhof. Heft 13 in der Schriftenreihe Widerstand in Berlin 1933-1945. Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Berlin 2002, S. 272 .

[134] WTA Dok 19/06/42.

[135] Erinnerungsbericht vom 25.4.1971, S. 16 f., WTA LB Willi Karger.

[136] Erinnerungsbericht vom 1.2.1971, S. 17, WTA LB Kurt Ropelius.

[137] RW 58 - 51593, Bl. 45 f., Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (HSTAD).

[138] Anklageschrift, WTA Dok 28/02/45.

[139] Brief vom 2.7.2003, WTA O-ZZ Helmut Schmidt.

[140] Verhörprotokoll Ernst Bojanowski, ohne Ort und Datum, vermutlich Dresden, nach dem 6.2.1940, S. 30, Fk. in WTA Dok 00/40. Die Titel sind im Original wie folgt aufgelistet: 14 Stück „Faschismus oder Freiheit“ (Text einer Broschüre, abgezogen wie der Wachtturm), 14 Stück „Fürchtet Euch nicht“, 14 Stück „Wachttürme“, 8 Stück „Sie werden dich nicht überwältigen“ (Jahresbericht 1938/39, abgezogen wie der Wachtturm).

[141] Wrobel, Johannes: Die öffentliche Hinrichtung des Zeugen Jehovas August Dickmann am 15. September 1939 im KZ Sachsenhausen, unveröffentlichtes Manuskript, Referat in der KZ-Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, 18.9.1999, WTA Dok 18/09/99.

[142] Urteil Ludwig Cyranek u.a. 18.3.1941, S. 27, Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW), 14771, E 15 712, Fk. in WTA Dok 18/03/41. Siehe auch Neugebauer, Wolfgang: Widerstand und Verfolgung in Wien 1934-1945, Band 3: 1938-1945, Wien 1984, S. 172 f.

[143] Briefe Nr. 4, 11 Seiten (Privatbesitz Karlo Vegelahn), Fk. beim Verfasser. Ebenso war gemäß Garbe (Anm. 2), S. 330, Fußn. 37, dem Untergrund-Wachtturm „Erkenntnis“, ohne Datum (1941), der Beitrag „Briefe von Brüdern, die um der Wahrheit und Gerchtigkeit willen von Satans Dienern ermordet wurden“ hinzugefügt. Die Wachtturm-Vervielfältigung „Erkenntnis“ wird im Gestapo-Verhörprotokoll vom 21. Februar 1944 gegen Wilhem Schumann genannt, WTA [unerfaßtes Konvolut].

[144] Vgl. Koch, Manfred: Julius Engelhard – Drucker, Kurier und Organisator der Zeugen Jehovas. In: Bosch, Michael (Hg.): Der Widerstand im deutschen Südwesten 1933-1945. Schriften zur politischen Landeskunde Baden-Württembergs, Bd. 10, Stuttgart 1984, S. 95. Der Verfasser bringt die Briefe mit der Dokumentation „Fürchtet euch nicht“ in Verbindung.

[145] RW 58-51593, Bl. 115, 116, HSTAD.

[146] Briefe (Privatbesitz), Fk. beim Verfasser (1943/00).

[147] Der „zweite Tod“ ist eine biblische Metapher für den Zustand eines Toten ohne Hoffnung auf eine Wiedererschaffung (Auferstehung), also die ewige, vollständige Vernichtung oder Auslöschung eines Menschen. Siehe Offenbarung 20,6 (EB): „Glückselig und heilig, wer teilhat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Gewalt, sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen tausend Jahre.“ Offenbarung 20,14 (EB): „Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee. [Oder: dieser zweite Tod ist der Feuersee]“ Offenbarung 21,8 (EB): „Den Feigen aber und Ungläubigen [Oder: Untreuen] und mit Greueln Befleckten und Mördern und Hurern und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern – ihr Teil ist in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt, welches der zweite Tod ist.“

[148] RW 58-51593, Bl. 122, HSTAD.

[149] RW 58-51593, Bl. 140, 163, HSTAD.

[150] Anklageschrift, 29.11.1943, S. 9, WTA 29/11/42.

[151] Urteil Narciso Riet, 23.11.1944, WTA Dok 23/11/44, Fk.

[152] Abschrift in Hesse, Hans und Harder, Jürgen (Hg.): „... und wenn ich lebenslang in einem KZ bleiben müßte ...“ – Die Zeuginnen Jehovas in den Frauenkonzentrationslagern Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück, Essen 2001, S. 453-462.

[153] Trost, 1.11.1945, S. 5, Fußnote.

[154] Johann („Hans“) Ellmauer wurde am 6.1.1940 enthauptet.

[155] Verhörprotokoll Ernst Bojanowski, nach dem 6.2.1940, S. 23f., WTA Dok 00/40, Fk. In der Sammlung Alois Moser, Nr. 63, lautet der letzte Teil des Briefes wie folgt: „Liebe Frau / Die letzten Grüsse und Küsse / von deinem treuen Mann / Hans. Letzte Grüsse an Rudi, Grossvater und alle bekannte Salzburger und Thalgau. / Auf Wiedersehen.“

[156] Zürcher, Franz: Kreuzzug gegen das Christentum – Moderne Christenverfolgung, Eine Dokumentensammlung, Zürich / New York 1938. Vgl. Wrobel, Johannes: Eine „empörende Faktensammlung“ – das Buch „Kreuzzug gegen das Christentum“ 1938 als Zeitdokument der NS-Verfolgung von Zeugen Jehovas, in: Hubert Roser (Hg.): Vergessene Opfer – Die Zeugen Jehovas, der Nationalsozialismus und die Schweiz, Herisau (Schweiz) (in Vorbereitung).

[157] Trost, Bern, 15.4.1940, S. 10.

[158] Ebenda. Die Genannten sind: Rudolf Marzanek, Adolf Zierler, (Rudolf) Steininger, (Karl) Endstrasser, (Anton) „Streisser“ (Streyczek; auch als „Strydzek“ und „Streiser“ bezeichnet; geb. 15.1.1890, hingerichtet am 22.12.1939), Hans Ellmauer, (Franz) Mittendorfer und (Franz) Reiter.

[159] Trost, 1.2.1940, S. 13-15; 15.2.1950, S. 10 (Otto Dups wird hier fälschlich als „Otto Dubbs“ bezeichnet).

[160] Trost, 1.11.1945, S. 4f.

[161] Der Brief kann eindeutig Bernhard Grimm zugeschrieben werden; Lebensbericht Magdalena Grimm, 17.3.1971, WTA ZZ Grimm.

[162] Trost, 1.1.1946, S. 3.

[163] Trost, 15.6.1946, S. 4, 9-11.

[164] Ebenda, S. 5, 9-11.

[165] Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, S. 184. Vgl. Harms, Elise: Nach einem tragischen Verlust ausharren, in: Wachtturm, 15.1.1982, S. 26-28.

[166] Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, S. 185. WTA Dok 28/02/42.

[167] Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, S. 185.

[168] Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, S. 189. (In WTA existiert gegenwärtig keine Kopie des Briefes.)

[169] Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, S. 180. Siehe auch Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1989, S. 110f.

[170] Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1980, S. 105.

[171] Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Selters/Taunus 1986, S. 662.

[172] Trost, 15.6.1946, S. 9; Consolation, Watchtower Society, Brooklyn N.Y., 12.9.1945, S. 5, 6; Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, Wachtturm-Gesellschaft, Wiesbaden 1959, S. 174. Im Wachtturm, 1.6.1986, S. 11 (gestützt auf Trost, 1.11.1945, S. 4) wird anonym ein Brief von Bernhard Grimm zitiert.

[173] Wachtturm, 15.8.1965, S. 484.

[174] Susanne Gaschke: Geistiger Widerstand, in: Die Zeit, 10.10.1997, S. 24.

[175] WTA Dok 21/12/39 (2).

[176] Gestützt auf WTA Dok 19/06/42.

[177] Siehe auch Elise Harms (Anm. 165), S. 26.

[178] WTA Dok 19/06/44.

[179] Auf der Tafel „Familie Kusserow“ sind verschiedene Briefe von Wolfgang Kusserow abgebildet. Im Anhang dieses Beitrags ist sein letzter Brief zitiert; WTA Dok 27/03/42.

[180] Wachtturm-Gesellschaft, Lila Winkel – die „vergessenen Opfer“ des NS-Regimes. Die Geschichte eines bemerkenswerten Widerstandes. Begleitheft zur Ausstellung, Selters/Taunus 1999, S. 24.

[181] Horst Schmidt: Zum Tode verurteilt – weil er lebte, was er predigte, in: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.), Zeugen Jehovas – Vergessene Opfer des Nationalsozialismus? Referate und Berichte der vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) und dem Institut für Wissenschaft und Kunst (IWK) am 29. Jänner 1998 veranstalteten wissenschaftlichen Tagung, Wien (Österreich) 1998, S. 53. Wrobel, Johannes: Referat. 55. Jahrestag der Befreiung der Häftlinge aus den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Ravensbrück und aus dem Zuchthaus Brandenburg 14. bis 16. April 2000, 27. April 2000. Eine Dokumentation. Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Hg). Oranienburg 2000, S. 57. Telefonat mit Horst Schmidt, Juli 2002.

[182] Schmidt (Anm. 124), S. 85-90.

[183] Zur Arbeit des Geschichtsarchivs, vgl. Wrobel, Referat (Anm. 181), S. 57 ff. Schupetta, Ingrid: „Die Verfolgung festhalten und der Öffentlichkeit mitteilen.“ Das Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas in Selters/Taunus, in: Merländer-Brief, Veröffentlichung des Villa Merländer e.V. - Förderverein der NS-Dokumentationsstelle Krefeld, Nr. 11, Juli 2004, S. 4.

[184] 13 Originale (unberücksichtigt bleiben Fotos und zeitgenössische Originalabschriften durch Verwandte): Wilhelm Bischoff, Karl Bühler, Kurt Degenkolb, Helene Delacher, August Fehst, Auguste Hetkamp, Artur Kramm, Heinrich Kurlbaum, Eduard Löwe, Heinrich Ostermöller, Walter Thumann, Rolf Weinen und Paul Weseler.

[185] Wenn ein Todeskandidat mehrere Abschiedsbriefe geschrieben hatte, so ist in dieser Aufzählung nur ein Brief exemplarisch aufgeführt. Nicht alle nur aus Veröffentlichungen bekannte Briefe sind bislang in den WTA-Bestand übernommen worden, eine Ausnahme bildet zum Beispiel der Abschiedsgruß von Gustav Stange.

[186] Es existiert auch ein Brief mit gleichem Datum an Tante Berta und Hilde, WTA Dok 22/09/44, Kopie.

[187] Mit gleichem Datum existieren Abschiedsbriefe an Hans und Martha Wenk (sein Bruder und vermutlich seine Schwägerin) und an seine Tante.

[188] Literatur zu Alois Moser: Hillinger, Alfred Ludwig: Kraft, die über das Normale hinausgeht – Zeugnisse unerschütterlichen Glaubens. Oberwang (Österreich) 1999. Wachtturm-Gesellschaft, Selters/Taunus: Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, 1993, S. 451; Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1989, S. 113, 115, 131f.; Wachtturm, 15.6.1986, S. 27f.

[189] Alois Moser, 6jährige Erfahrungen aus 7 KZ-Lagern und von verschiedenen „Aufbau“ Nebenlagern, undatiertes Manuskript, Fk. beim Verfasser (87/00).

[190] Alois Moser, Vorwort zur Maschinenschrift mit 19 Zitaten, meist Abschiedsbriefen, 7. Oktober 1991. Die Titelseite enthält die Überschrift „Standbild Nebukadnezar zu Schadrach, Meschach und Abednego und der Feuerofen. (Daniel 3:14, 16-19)“, Fk. beim Verfasser (1978/11/06). Seine Sammlung wurde unter Zeugen Jehovas bekannt, so daß 1986 ein Mitbruder aus Wasserburg an ihn schrieb: „Sehr gern würde ich auch die Abschiedsbriefe von Brüdern, die Du gesammelt hast, lesen. Ich kopiere sie mir ab und sende sie Dir wieder zurück“; siehe Hillinger (Anm. 188), S. 77.

[191] PAW, Dok 1978/11/06.

[192] Vgl. WTA Dok 19/11/42.

[193] PAW, Dok 1978/11/06.

[194] Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1989, S. 121f.

[195] Gottfried Herzog an seine Frau und Tochter. Berlin-Plötzensee, 5. Jänner 1940, JZ-Ö/Ga, Fk. vom Original.

[196] Franz Mittendorfer an seine Frau. Berlin-Plötzensee, den 5.1.1940, JZ-Ö/Ga, Fk. vom Original.

[197] Franz Pascutti an seine Verlobte und seine Verwandten. Halle, 1944, JZ-Ö/Ga, Abschrift vom Original. Halbrainer (Anm. 14), S. 74f.

[198] Die Vergessenen Opfer der NS-Zeit. Standhaft trotz Verfolgung. Jehovas Zeugen, Österreich (Hg.). Wien 1999, S. 28, 39, 41, 43.

[199] Jehovas Zeugen – Judenburg. Judenburg 1999, S. 24.

[200] Schmidt, Robert: Religiöse Selbstbehauptung und staatliche Repression. Eine Untersuchung über das religiös-vermittelte, alltägliche und konspirative Handeln der Zeugen Jehovas unter den Bedingungen von Verbot und Verfolgung in der SBZ / DDR 1945-1989. Fallstudien aus der Stadt Leipzig und der Region Zittau/Oberlausitz. Berlin 2003, S. 57.

[201] Malvezzis, Piero und Pirelli, Giovanni (Hg.), DTV-Dokumente Nr. 34, München 1962.

[202] Kater, Michael H.: Die Ernsten Bibelforscher im Dritten Reich, in: Hans Rothfels und Theodor Eschenburg, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Institut für Zeitgeschichte (Hg.). Stuttgart, April 1969, S. 182.

[203] Gollwitzer, Helmut; Kuhn, Käthe; Schneider, Reinhold (Hg.): Du hast mich heimgesucht bei Nacht. Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 bis 1945. München 1954/1977, S. 359f.

[204] Hartmann, Albrecht und Hartmann, Heidi: Kriegsdienstverweigerung im Dritten Reich. Frankfurt/Main 1986, S. 63f.

[205] Minninger, Monika: Politisch und religiös Verfolgte in Stadt und Kreis Bielefeld – Ein Überblick, in: Meynert, Joachim / Klönne, Arno (Hg.). Verdrängte Geschichte – Verfolgung und Vernichtung in Ostwestfalen 1933-1945, Bielefeld 1986, S. 71.

[206] Imberger, Elke: Widerstand „von unten“ – Widerstand und Dissens aus den Reihen der Arbeiterbewegung und der Zeugen Jehovas in Lübeck und Schleswig-Holstein 1933-1945. Neumünster 1991, S. 372.

[207] Krause-Schmitt, Ursula u.a.: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Karlsruhe und Stuttgart. Studienkreis Deutscher Widerstand (Hg.). Frankfurt/Main 1991, S. 133.

[208] Garbe (Anm. 2), S. 290.

[209] Wieben, Uwe: Keiner ist vergessen, nichts ist vergessen! Verfolgung, Opposition und Widerstand in Boizenburg. Rostock 1997, S. 27-29.

[210] Heuzeroth, Günter und Wille, Sylvia: Die unter dem lila Winkel litten. Die Verweigerung der Zeugen Jehovas und ihre Verfolgung. In: Ensel, Franz-Josef (Redaktion), Unter der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus 1933-1945, Band 3: Verfolgte aus religiösen Gründen, Universität Oldenburg (Hg.), Oldenburg 1985, S. 200. (Der Beitrag enthält auch den Brief von Johannes Harms an seinen Vater.) Siehe auch Bullerdiek, Bolko: Tohuus un annerwegens. Rostock 1999, S. 75. Vgl. Garbe (Anm. 2), S. 368.

[211] Scherrieble (Anm. 97), S. 285.

[212] Kusserow, Hans Werner: Der lila Winkel. Die Familie Kusserow – Zeugen Jehovas unter der Nazidiktatur. Bonn 1998, S. 297f., 310f. Kusserow, Hans Werner: Der lila Winkel – Die Familie Kusserow. Der authentische Bericht eines Zeitzeugen. Köln 2003, S. 229-231.

[213] Arnold Liebster (Anm. 124), S. 428.

[214] http://www.standhaft.org/forschung/verfolgung/feuer/doku.html. Vgl. WTA Dok 10/11/39. Neuerdings abgedruckt in: Hetzner, Michael: Christen im Feuerofen - Jehovas Zeugen im Dritten Reich. Dokumente und Erinnerungen aus Heilbronn und Umgebung, in: Arno Huth: Lila Winkel - Geschichten eines bemerkenswerten Widerstandes. Zeugen und Zeuginnen Jehovas waren während der NS-Zeit Gläubige, Kriegsdienstverweigerer, KZ-Häftlinge. Zusammengestellt von Arno Huth, KZ-Gedenkstätte Neckarelz [Begleitheft zur Ausstellung im Dezember 2003].

[215] Rudolf Redlinghofer an seine Frau. Berlin-Plötzensee, den 10. Jänner 1940. http://www.redlinghofer.info, Foto vom Original.

[216] Zagler, Franz-Michael: Die Geschichte einer Straße, in: http://www.standhaft.org/events/streyczek/dok.htm.

[217] Franz Mattischek an seine Mutter und Ernst. Berlin-Plötzensee, den 1.12.1939, in: Steiner, Herbert: Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation. Wien 1995, S. 128.

[218] Siehe den Beitrag von Heidi Gsell in diesem Band.

[219] Jobst, Vinzenz: Anton Uran – verfolgt – vergessen – hingerichtet. Klagenfurt 1997, S. 61.

[220] Wölbitsch, Lieselotte: In tiefer Nacht beginnt der Morgen - Franz Wohlfahrt überlebt den NS-Terror. Klagenfurt / Wien 2000, S. 201.

[221] Ebenda, S. 182, 194.

[222] Thomas Walter: Standhaft bis in den Tod. Die Zeugen Jehovas und die NS-Militärgerichtsbarkeiten. In: Manoschek, Walter (Hg.), Opfer der NS-Militärjustiz. Urteilspraxis - Strafvollzug - Entschädigungspolitik in Österreich. Wien 2003, S. 353.

[223] Varga (Anm. 15), Anhang S. XIX.

[224] Moos, Reinhard: Recht und Gerechtigkeit – Kriegsdienstverweigerung im Nationalsozialismus und die Zeugen Jehovas, in: Steininger, Rolf (Hg.), Vergessene Opfer des Nationalsozialismus. Innsbruck - Wien - München 2000 (Sonderdruck), S. 77, 79.

[225] Halbrainer (Anm. 14), S. 63-75.

[226] Siehe Stichwörter „Auferstehung“, „Erde“, „Himmel“, „Königreich“ und „Seele“ in: Unterredungen anhand der Schriften, Wachtturm-Gesellschaft (Hg.), Selters/Taunus 1990, S. 44ff., 129ff., 206ff., 255ff., 386ff.

[227] Jobst (Anm. 219), S. 61.

[228] WTA Dok 22/09/44.

[229] Vgl. Kommentierung seines Abschiedsbriefes in diesem Beitrag.

[230] WTA Dok 19/06/42.

[231] Garbe (Anm. 2), S. 390.

[232] Vgl. Schmidt, Hermine: Die gerettete Freude – Eines jungen Menschen Zeit 1925-1945. Autobiographie. Berlin 2001, S. 234.

[233] Die Gestapo fand bei den Eheleuten Friedrich und Helene Gotthold in Herne nach eigenen Angaben die Abschrift des IBV-Liedes „Wie sehn wir jetzt so deutlich doch die Gegenwart“, Durchsuchungsbericht, 20.2.1944, RW 58/66320, HSTAD, Fk. in WTA Dok 20/02/44 (1). Dabei handelt es sich eigentlich um das Lied „Verkündigt, verkündigt den König und sein Reich“, das nach der Melodie des genannten Liedes (Bibelforscher-Lied 175, Der König schreitet voran) gesungen wurde.

[234] Vgl. Arnold Liebster (Anm. 124), S. 226. Fackler, Guido: „Des Lagers Stimme“ – Musik im KZ. Alltag und Häftlingskultur in den Konzentrationslagern 1933 bis 1936. Bremen 2000, S. 397f. Siehe http://www.ushmm.org/museum/exhibit/online/music/witness.utp.

[235] Gesänge zum Preise Jehovas, Magdeburg, 1928, S. 187f.

[236] WTA Dok 27/02/44.

[237] Wrobel, Referat (Anm. 181), S. 57.

[238] Jentsch, Werner (Hg.): Christliche Stimmen zur Wehrdienstfrage. Kassel o.J. (1952), S. 183.

[239] Poelchau (Anm. 6), S. 37.

[240] Ebenda, S. 38.

[241] Wilhelm Kusserow (geb. 4.9.1914) aus Bad Lippspringe; am 27.4.1940 in Münster erschossen.

[242] Wilhelm Letonja (geb. 6.5.1915) aus Österreich; am 1.9.1942 in Brandenburg hingerichtet.

[243] Michael Schuster (geb. 7.11.1907) aus Peißenberg; am 5.9.1940 in Brandenburg hingerichtet.

[244] Walter Thumann (geb. 22.3.1926) aus Gera; am 2.5.1944 in Halle/Saale hingerichtet.