Christoph Wilker: Verfolgung und Standhaftigkeit der Zeugen Jehovas in Sendling, in: Schalm, Sabine / Bösl, Elsbeth (Hg.): Sendling 1933-1945. Beiträge zur Geschichte des Stadtteils im Nationalsozialismus. Initiative Historische Lernorte Sendling, München 2005, S. 52-55.

Bezug der Gesamtpublikation:
Initiative Historische Lernorte Sendling 1933 bis 1945
http://www.lernorte-sendling.de/content/unserprojekt/broschuere.html

Englische Übersetzung/English Translation


(Mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber.)


[Seite 52]

Christoph Wilker

Verfolgung und Standhaftigkeit der Zeugen Jehovas in Sendling

Während der NS-Herrschaft wurden mehr als 10.000 der damals etwa 25.000 Zeugen Jehovas in Deutschland Opfer des NS-Verfolgungsapparates. Sie wurden Verhören unterzogen, verloren ihre Arbeitsplätze oder Renten, ihre Wohnungen wurden durchsucht und viele wurden zu Haftstrafen verurteilt. Rund 8.500 wurden in Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert. Insgesamt verloren mehr als 1.400 deutsche und ausländische Zeugen Jehovas ihr Leben, davon mehr als 360 Frauen und Männer durch Hinrichtung. Mit 270 Hinrichtungen stellten Jehovas Zeugen die größte Gruppe der zum Tode verurteilten Wehrdienstverweigerer.141

Die damals auch unter dem Namen "Internationale Bibelforscher" und der früheren Bezeichnung "Ernste Bibelforscher" bekannte Glaubensgemeinschaft wurde Mitte 1933 verboten. Die Zeugen Jehovas lehnten den Hitlergruß ab, weil nach ihrer Auffassung "Heil" (Rettung) nur durch Gott und nicht durch einen Menschen kommt. Verweigert wurde auch das Hissen der Hakenkreuzfahne. Schon 1933 kam es deshalb zu Einweisungen von Zeugen Jehovas in das Konzentrationslager Dachau. Die Zeugen verweigerten jede Beteiligung am Krieg oder an Arbeiten, die dem Krieg dienten. Nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 kam es zunehmend zu Verurteilungen von Zeugen Jehovas als Wehrdienstverweigerer. Insbesondere viele Frauen wurden wegen ihrer illegalen religiösen Tätigkeit in Gefängnissen und Konzentrationslager inhaftiert. Kinder von Zeugen Jehovas waren in der Schule physischen und psychischen Bedrohungen ausgesetzt, weil sie nicht in die Hitlerjugend eintraten und den Hitlergruß verweigerten. Mehr als 500 Kinder von Zeugen Jehovas wurden nach Gerichtsverfahren ihren Eltern entrissen und in Pflegefamilien untergebracht.

In München traf das bayerische Verbot der Glaubensgemeinschaft vom 13. April 1933 etwa 450 Zeugen Jehovas.142 Angesichts der Illegalität waren größere Zusammenkünfte in dieser Zeit nicht mehr möglich. "Man beschränkte sich darauf, in 'Zellen' von circa sechs Personen reihum in den Wohnzimmern zusammen zu kommen, um angeleitet von 'dienenden Brüdern' [leitende Glaubensbrüder] mit Hilfe des 'Wachtturms' die Bibel auszulegen".143 Vielfältige religiöse Aktivitäten der Zeugen spielten sich damals im Stadtteil Sendling ab. In der Implerstraße 18 befand sich ein illegales Schriftenlager. Die Versorgung mit Wachtturmliteratur erfolgte für München überwiegend von hier aus.

Bis zur Entdeckung des Lagers durch die Gestapo lagerten dort ungefähr 160 Zentner Literatur. 144 Der Sendlinger Franz Korn, wohnhaft in der Valleystraße 49, gehörte zu denjenigen, die zeitweise für das Bücherlager verantwortlich waren. Er wurde am 17. Februar 1937 gefasst und wegen Ablehnung des Hiltergrußes und des Wehrdienstes sowie als "fanatischer und unbelehrbarer Anhänger der IBV [Internationale Bibelforscher-Vereinigung] verurteilt." 145

Die meisten religiösen Druckschriften der Zeugen Jehovas kamen aus dem benachbarten Ausland. "Gerade der 'Wachtturm' wurde jedoch auch in München vervielfältigt, um von den Unwägbarkeiten der Belieferung aus dem Ausland [Seite 53] unabhängig zu sein. Bis zuletzt gelang es der Gestapo nicht, alle Kanäle, über die die Literatur [...] verbreitet wurde, aufzudecken.146

Bis zu seiner Verhaftung 1936 fungierte der in der Sendlinger Kyreinstraße 5 wohnende Otto Lehmann als "Bezirksleiter" für ganz Bayern und gleichzeitig als Gruppenleiter der IBV in München. Er war für die Beschaffung und Herstellung der Wachtturmliteratur zuständig. Für die einzelnen Stadtteile waren Untergruppenleiter eingeteilt. Von der ersten großen Verhaftungswelle in München 1936 wurden auch mehrere Sendlinger Zeugen Jehovas erfasst.

Der "Völkische Beobachter" vom 5. Juni 1936 berichtete ausführlich, dass sich die beiden Sendlinger Otto Mutschler, 45 Jahre, und Wilhelm Jung, 41 Jahre, vor dem Sondergericht München wegen Vergehens gegen die Verordnung des Reichspräsidenten vom 28. Februar 1933 zu verantworten hatten. Otto Mutschler wurde zu einem Jahr und neun Monaten, Wilhelm Jung zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. 147

Johann Kölbl aus München, Landsberger Straße 9, der maßgeblich am Aufbau und an der Aufrechterhaltung der Münchner Untergrundorganisation beteiligt war, berichtete: "In München haben sich mehrere [Glaubens-]Brüder bereit erklärt, 50 bis 100 Bücherpakete aufzunehmen. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Hausdurchsuchungen von der Gestapo durchgeführt. Aus diesem Grunde mussten die Bücher wieder weggefahren werden. Ich mietete beim Kochelbräu ein Speicherabteil, und von dieser Stelle aus konnten laufend Bücher zur Verbreitung ausgegeben werden. An der Verbreitung der Bücher hat Bruder Otto Mutschler den größten Anteil genommen. Eines Tages wurde er dieserhalb verhaftet, heftig geschlagen und ins Gefängnis geworfen." 148 Weiter sagte Johann Kölbl über die Verhaftung: "Einige Brüder machten sich [...] Taschen in die Hosen und Sakkos, wo sie die WT [Wachtturm] unterbrachten. Der Ort, wo die Brüder die WT empfangen und zurückliefern konnten, war bei einem Bruder in der Lindwurmstraße 195 [Otto Mutschler]. Eines Tages erschienen um 4 Uhr morgens in der Lindwurmstraße 195 zwei Beamte von der Bay[rischen] Polit[ischen] Polizei, welche die ankommenden Brüder in Empfang nahmen. Die Brüder, die ankamen, mussten sich vollständig ausziehen, auch die Schuhe. Auf diese Weise wurden die gelesenen WT gefunden und abgenommen. Die Brüder wurden sogleich in das Konzentrationslager nach Dachau verbracht."

Die "Nürnberger Zeitung" vom 17. Juli 1936 berichtete von der Verhandlung vor dem Münchner Sondergericht und erwähnte namentlich den 32-jährigen Otto Lehmann aus Sendling: Die meisten Sendlinger Zeugen Jehovas wurden im September 1937 in Massenverfahren vom Sondergericht München verurteilt. Insgesamt mussten sich 1936/1937 etwa 20 Zeugen Jehovas aus Sendling vor dem Sondergericht München verantworten. Sie erhielten Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren. Unter diesen befand sich auch Otto Lehmanns Ehefrau Maria, die 1936 inhaftiert und am 2. März 1937 zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt wurde. Nach ihrer Haft im Gefängnis Stadelheim kam sie Ende 1937 ins KZ Moringen; es folgten die Konzentrationslager Ravensbrück und drei Jahre Auschwitz bis zur Befreiung 1945. Unter den Folgen der jahrelangen grausamen Behandlung in nationalsozialistischen Konzentrationslagern litt Maria Lehmann für den Rest ihres Lebens.

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Im September 1936 wurde in Luzern, Schweiz, auf einem internationaler Kongress der Zeugen Jehovas eine "Resolution" verfasst. Darin wurde die grausame Verfolgung der Zeugen Jehovas in Deutschland offen angeklagt und betont, dass die Religionsgemeinschaft weiter an ihrer politisch neutralen Haltung und der christlichen Verkündigung festhalten werde. Die "Resolution" sollte reichsweit am 12. Dezember 1936 verbreitet werden. 10.000 bis 15.000 Flugblätter, als Reisegepäck aus der Schweiz getarnt, kamen auf dem Hauptbahnhof in München an. Zusätzlich wurden 4.000 Exemplare in München mit einem Handziehapparat hergestellt.149 Es gelang den Zeugen Jehovas, Sendling wie ganz München mit der "Resolution" zu überschwemmen. Die Nationalsozialisten wiesen die "Resolution" als "Hetze", "Lügenmärchen" und "Gräuel-Propaganda" zurück. Die alarmierte Gestapo führte bei etwa 160 Münchner Bibelforscher-Familien Hausdurchsuchungen durch. Doch sie verliefen ergebnislos. Trotzdem folgten Verhöre und Prozesse. An der Verbreitung der "Resolution" waren auch Sendlinger Zeugen beteiligt, darunter Otto Lehmann und Franz Korn sowie Johann Dick aus der Zennerstraße 6. Der Schreiner Johann Dick übernahm von Franz Korn nach dessen Verhaftung am 17. Februar 1937 die Funktion des Untergruppendieners für Sendling. Aber auch Dick wurde am 13. März 1937 verhaftet und vor dem Münchner Sondergericht wie folgt beschuldigt:

"1. Er hat [...] in seiner Wohnung vom Jahre 1934 bis zu seiner Verhaftung Bibelbesprechungen abgehalten,

2. in dieser Zeit die illegale Zeitschrift 'Wachtturm' bezogen, um an Hand derselben die Bibelstellen im Sinne der Lehre der IBV auslegen zu können und die anderen in diesem Glauben zu bestärken,

3. er gab laufend Geldspenden in Höhe von wöchentlich RM 2,-- für die Kasse "Gute Hoffnung",

4. er erhielt für den 12.12.36 und den 11.2.37 Resolutionen zum Zwecke der Verteilung und verteilte in beiden Fällen diese von Haus zu Haus in München"150

Johann Dick wurde zunächst zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Vom 13. März 1937 bis 13. Juli 1938 war er im Gefängnis Stadelheim inhaftiert. Von dort wurde er in das Konzentrationslager Dachau, später in das Konzentrationslager Mauthausen gebracht. Hier wurde er am 5. Mai 1945 befreit. Nach mehr als acht Jahren Haft konnte er zu seiner Familie zurückkehren und starb am 30. Januar 1985 im Alter von 83 Jahren. Auch Franz Korn wurde bei seiner Verhaftung von seiner Frau und seinen zwei 16 und 17 Jahre alten Söhnen getrennt. Er starb am 15. Dezember 1946 im Alter von nur 53 Jahren.

Auf die Verhaftungen der Gestapo reagierten die Zeugen Jehovas mit einer weiteren Aktion, einem "Offenen Brief", der auf die gleiche Weise wie die "Resolution" verbreitet werden sollte. In dem "An das bibelgläubige und Christus liebende Volk Deutschlands" gerichteten "Offenen Brief" wurde detailliert auf die grausame Verfolgung und Misshandlung der Zeugen Jehovas in Gefängnissen und Konzentrationslagern eingegangen. Dabei wurden namentlich Personen der Gestapo genannt, die sich bei der Misshandlung besonders hervorgetan hatten. Auch den Münchner Zeugen Jehovas wurden 300 bis 400 Exemplare zugeteilt. Als Datum für die [Seite 55] Verbreitung war der 20. Juni 1937 zwischen zwölf und dreizehn Uhr geplant.151 Mindestens sieben Zeugen Jehovas der Untergruppe Sendling, die in angrenzenden Stadtteilen wohnten, beteiligten sich an der Verbreitung dieser Flugschrift im Stadtteil Sendling und Umgebung und mussten sich dafür später vor dem Sondergericht München verantworten.

Jehovas Zeugen waren in München bis in die 1940er Jahre aktiv. Die letzten registrierten Festnahmen fanden Anfang 1943 statt. Von den 51 Münchner Zeugen Jehovas, von denen bekannt ist, dass sie in ein Konzentrationslager eingewiesen wurden, kamen mindestens fünf aus Sendling.151 Andere erduldeten bis zu mehrjährige Gefängnisstrafen.

Foto: "Ernste Bibelforscher", Völkischer Beobachter, 5.6.1936

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141 Grundsätzlich zur Verfolgung der Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus vgl. Garbe, Detlev, Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im "Dritten Reich", München 1993.

142 Wrobel, Johannes / Nerlich, Angela: Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas: Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1933 - 1945, Selters/Taunus, 1999, S. 8.

143 Detjen, Marion, Zum Staatsfeind ernannt ... Widerstand, Resistenz und Verweigerung gegen das NS-Regime in München, München 1998, S. 240-241.

144 Ebd., S. 240-241.

145 StAM StAnW 8474, Gestapo, Staatspolizeileitstelle München, Ermittlungsbericht, 1.10.1937.

146 Detjen, "Staatsfeind", S. 241.

147 StAM StAnW 8208, Sondergericht München, Urteil, 4.6.1936.

148 Wrobel, Geschichtsarchiv, S. 17.

149 Detjen, "Staatsfeind", S. 242-243.

150 Anklageschrift Js-So 829 a-c/37 (Privatbesitz Therese Biebl).

151 Klein, Erhard; Jehovas Zeugen im KZ Dachau – Geschichtliche Hintergründe und Erlebnisberichte, Bielefeld 2001, S. 34.

152 Hermann Bischoff, Johann Dick, Wilhelm Jung, Maria Lehmann und Otto Mutschler.


Persecution and Steadfastness of Jehovah's Witnesses in Munich/Sendling

During the Nazi rule, more than 10,000 of the then 25,000 Jehovah's Witnesses in Germany became victims of the Nazi persecution machinery. They were subjected to interrogation, lost their employment and pensions, their homes were searched, and many received prison sentences. About 8,500 were incarcerated in prisons and concentration camps. Altogether more than 1,400 German and foreign Jehovah's Witnesses lost their lives, more than 360 men and women being executed. Jehovah's Witnesses were the largest group of conscientious objectors, with 270 of them receiving the death penalty for their stand. (141)*

The religious community, then known as "Internationale Bibelforscher" (International Bible Students) and earlier called Ernste Bibelforscher (Earnest Bible Students), was banned in the middle of 1933. Jehovah's Witnesses refused to give the Hitler salutation, because in their view "Heil" (Salvation) can only come from God and never from humans. They also refused to raise the swastika flag. As a result, by 1933, Jehovah's Witnesses were being incarcerated in Dachau's concentration camp. The Witnesses refused all participation in the war or labour that contributed to the war effort. After the introduction of national service in 1935 convictions of Jehovah's Witnesses as conscientious objectors increased. Particularly many women were confined in prisons or concentration camps for illegal religious activities. Their children were exposed to physical and psychological threats at school because of their refusal to join the Hitler Youth or to give the Hitler salutation. More than 500 children of Jehovah's Witnesses were torn away from their families after court proceedings and then were housed with foster families.

The banning of the religious community in Bavaria on 13th April 1933 affected about 450 of Jehovah's Witnesses, (142)* and larger gatherings were no longer possible for them. "We confined ourselves to meeting in living rooms in groups of about 6 persons, where, led by brothers in the faith and with the help of the Watchtower, the Bible was explained to us."(143)* Various religious activities of the Witnesses took place in Sendling in those days. An illegal literature depot was situated at Implerstrasse 18 and the supply of Watchtower literature for Munich was predominantly carried out from there.

Until its discovery by the Gestapo, about 8 tons of literature was stored in this depot.(144)* Franz Korn, who lived at Valleystrasse 49, Sendling, was one of those who at times was responsible for the literature depot. He was arrested on the 17th February 1937 and was sentenced for refusing to perform the Hitler salutation and military service and for being "a fanatical and incorrigible member of the IBV (Internationale Bibelforscher-Vereinigung) (IBSA – International Bible Students Association). (145)*

Most of the printed religious material of the Witnesses of Jehovah came from abroad, but the Watchtower particularly was reproduced in Munich so that it would not be affected by the unreliability of the delivery from abroad. Right to the very end the Gestapo were unable to discover all the channels through which the literature [….] was distributed" (146)*

Until his arrest in 1936, Otto Lehman, living at Kyreinstrasse 5, carried on as the district overseer for the whole of Bavaria and, at the same time as leader of the IBV in Munich. He was responsible for obtaining and producing Watchtower literature. The city of Munich was divided and sub-group leaders were assigned. In the first wave of arrests in Munich in 1936, several Jehovah's Witnesses from Sendling were also detained.

The "Völkische Beobachter" of 5th June 1936 reported in detail that the Sendling residents Otto Mutschler, 45 years old and Wilhelm Jung, 41 years old had to answer to the charge of "Offences Against the 28th of February 1933 Decree of the Reich's President" at a special court in Munich. Otto Mutschler was sentenced to one year and nine months in prison and Wilhelm Jung to ten months in prison. (147*)

Johann Kölbl from Landsbergerstrasse 9, Munich who played a leading role in the establishment and maintenance of the underground organisation in Munich reported: "In Munich, several brothers in the faith declared themselves willing to receive 50 to 60 packets of books. In the course of time more and more house searches were carried out by the Gestapo and because of this the books had to be moved again. I rented an attic compartment owned by Kochelbräu and from here we could distribute the books continuously. Brother Otto Mutschler had the largest share in the distribution of the books and for that he was arrested, beaten severely and thrown into prison."(148*) Concerning the arrest Johann Kölbl added, "Some brothers made [….] pockets in their trousers and jackets in which to put their Watchtowers. The place where they could collect and return the Watchtowers was at Brother Otto Mutschler's house at Lindwurmstrasse 195. One day at 4 o'clock in the morning, two officials of the Bay [rischen] Polit [ischen] Politzei (Bavarian Political police) appeared at Lindwurmstrasse 195 to greet the arriving brothers. The brothers had to take off all their clothes, and their shoes. In this way, Watchtowers were found and confiscated, and the brothers were immediately taken to the concentration camp at Dachau".

The "Nürnberger Zeitung" of 17th July 1936 reported the case which had come before the Special Court in Munich and mentioned by name 32-year old Otto Lehman from Sendling: "At mass proceedings at a Special court held in Munich in September 1937, most of the witnesses of Jehovah from Sendling were sentenced. During 1936 and 1937 altogether 20 witnesses of Jehovah from Sendling had been called to account before the Special Court. They received prison sentences of up to two years". Also among these was Otto Lehman's wife, Maria, who was imprisoned in 1936 and on March 2nd 1937 was sentenced to three months in prison. At the end of 1937 after her detention in the Stadelheim prison she went firstly to KZ (Konzentrationslager) Moringen, then to the concentration camp at Ravensbrück and finally to Auschwitz where she stayed for three years until the liberation in 1945. Maria Lehman suffered for the rest of her life from the effects of the cruel treatment that she received at the National-Socialists' concentration camps.

In September 1936 at an international convention of Jehovah's Witnesses held in Lucerne, Switzerland, the witnesses adopted a resolution in which the persecution of Jehovah's Witnesses was openly condemned. The resolution emphasised that the religious community would continue to stick to its politically neutral position and continue its Christian preaching work. This "Resolution" would be distributed nationwide on the 12th December 1936. Ten to fifteen thousand leaflets disguised as luggage from Switzerland arrived at the main railway station in Munich. Additionally four thousand copies were produced by a hand-operated press.(149*) Jehovah's Witnesses successfully flooded Sendling as well as the whole of Munich with the "Resolution". The National Socialists dismissed this resolution as "rabble-rousing propaganda, lying fairy tales and horror propaganda". The dismayed Gestapo carried out house searches at about 160 addresses of Bible Students in Munich without results. Nevertheless, interrogations and court proceedings followed. Witnesses from Sendling including Otto Lehmann, Franz Korn and Johann Dick from Zennerstrasse 6, also took part in the distribution of the resolution. When Franz Korn was arrested on the 17th February 1937, the carpenter Johann Dick took over as sub-group servant for Sendling. But Dick was also arrested on the 13th March 1937 and stood accused at a Special Court in Munich as follows:

"1. He has given [….] Bible talks in his house from 1934 until his arrest.

2. At this time he has obtained the illegal magazine, "Watchtower" in order to be able to explain Bible texts according to the teachings of the IBV (IBSA) and in order to reinforce others in this belief.

3. He regularly donated the weekly sum of 2 Reichsmarks to the "Gute Hoffnung" (Good Hope) contribution box.

4. He received the 12th December 1936 and the 11th February 1937 resolutions for the purpose of distribution and in both cases he distributed these from house to house in Munich." (150)*

Johann Dick was initially sentenced to prison for one year and two months. From 13th March 1937 until 13th July 1938, he was imprisoned in Stadelheim. From there he was brought to the concentration camp at Dachau and later to the one at Mauthausen from where he was liberated on the 5th May 1945. After more than eight years in prison he was able to return to his family. He died on the 30th January 1985 at the age of 83 years. When he was arrested, Franz Korn was also separated from his wife and two sons of 16 years and 17 years. He died on 15th December 1946 at the age of 53.

Following the arrests by the Gestapo, the witnesses of Jehovah reacted with further action – an open letter - which would be distributed the same way as the "Resolution". In this "Open Letter. Directed to the People of Germany who Love the Bible and Christ", the cruel persecution and mistreatment of Jehovah's Witnesses in prisons and concentration camps was detailed. In the letter, individual members of the Gestapo who had particularly distinguished themselves by their mistreatment were mentioned by name. The witnesses of Jehovah in Munich also received 300 to 400 copies. The distribution was planned for the 20th June 1937 between 1200hrs and 1300hrs. (151)* At least seven of Jehovah's Witnesses from the Sendling sub-group who lived in the adjoining part of the quarter took part in the distribution of this handbill in Sendling and the surrounding area. They had to answer for this later at the Special Court in Munich.

Jehovah's Witnesses were even active in Munich in the 1940s. The last registered arrest took place at the beginning of 1943. Of the 51 Jehovah's Witnesses from Munich, known for having been sent to concentration camps, at least five came from Sendling. (152)* Others endured several years of prison sentences.

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141 Persecution of Jehovah's Witnesses during the Nazi rule in principle: Garbe, Detlev, Zwischen Widerstand und Martyrium. Die Zeugen Jehovas im "Dritten Reich", München 1993. [English issue]

142 Wrobel, Johannes, Nerlich, Angela, Geschichtsarchiv der Zeugen Jehovas (Historical Research of Jehovah´s Witnesses): Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in München 1933 – 1945, Selters/Taunus 1999, p. 8.

143 Detjen, Marion, Zum Staatsfeind ernannt ... Widerstand, Resistenz und Verweigerung gegen das NS-Regime in München, München 1998, p. 240-241.

144 Detjen, Zum Staatsfeind ernannt ..., p. 240-241.

145 StAM StanW 8474, Gestapo, Staatspolizeileitstelle München, Ermittlungsbericht (Bill of Inquiry), 1.10.1937.

146 Detjen, Zum Staatsfeind ernannt ..., p. 241.

147 StAM StanW 8208, Sondergericht München, Urteil (judgement), 4.6.1936.

148 Wrobel, Geschichtsarchiv (Historical Research), p. 17.

149 Detjen, Zum Staatsfeind ernannt ..., p. 242-243.

150 Anklageschrift (Bill of indictment) Js-So 829 a-c/37 (private property Therese Biebl).

151 Klein, Erhard, Jehovas Zeugen im KZ Dachau - Geschichtliche Hintergründe und Erlebnisberichte, Bielefeld 2001, p.34.

152 Hermann Bischoff, Johann Dick, Wilhelm Jung, Maria Lehmann and Otto Mutschler.


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